22. November 2009 Auf der Arbeitgeber-Wunschliste der Wirtschaftsstudenten stehen die vier großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften Pricewaterhouse Coopers (PwC), KPMG, Ernst & Young und Deloitte regelmäßig weit oben. Es locken spannende Kunden, gute Aufstiegsmöglichkeiten und gute Gehälter. Doch das schillernde Image der Big Four, wie sie im Fachjargon heißen, hat in der Wirtschaftskrise einen Dämpfer erlitten: Das zeigt sich zum Beispiel in der diesjährigen Umfrage des Marktforschungsunternehmens Universum unter mehr als 19.000 Wirtschaftsstudenten.
Die Big Four verschlechterten sich klar; KPMG rutschte auf der Beliebtheitsskala um satte sechs Ränge nach unten, PwC um fünf, Deloitte um vier und Ernst & Young um einen. Zu den Gründen haben die Marktforscher keine Hypothesen. Fest steht aber, dass die Prüfgesellschaften in der Krise gelitten haben. Zwar lassen die Kunden trotz Flaute weiter den Jahresabschluss prüfen und die Steuererklärung machen, doch leben die Firmen in Teilen auch von der Unternehmensberatung. Wenn die Mandanten bestimmte Deals in der Krise nicht tätigen, brauchen sie eben an diesen Stellen auch keine Beratung, sagt Matthias Wehling, Personalvorstand von Ernst & Young.
Das wirkt sich nicht zuletzt auf die Neueinstellungen aus. Marktführer PwC beispielsweise rekrutierte im Geschäftsjahr 2008/2009 noch 950 Hochschulabsolventen, plant aber für das laufende Geschäftsjahr nur noch mit knapp der Hälfte. Ernst & Young stellte 2008/2009 nur 750 Absolventen ein, während es im Jahr zuvor mehr als 1000 waren. KPMG rekrutierte im abgelaufenen Geschäftsjahr gut 300 Absolventen weniger als im Jahr zuvor. Bei Deloitte reduzierte sich die Zahl der Neulinge, die frisch von der Uni kamen, zwischen 2008 und 2009 von 750 auf 350. Zur Begründung verweisen alle vier Gesellschaften auch darauf, dass krisenbedingt die Fluktuation abgenommen habe und daher der Bedarf an neuen Mitarbeitern schrumpfe.
Lieber Ehrenamt in Afrika als Prüferfahrung zu Hause
Die Auswahlverfahren bleiben gleichwohl selektiv. Je nach Unternehmen und Bereich müssen Assessment-Center oder Einzelgespräche bewältigt werden. Englisch ist ein Muss, Auslandserfahrung und einschlägige Praktika sind nützlich. Letztlich, so betonen die Gesellschaften, gehe es nicht nur um harte Kriterien, sondern um die Gesamtpersönlichkeit, wie Wehling es nennt. Da ist mir bisweilen ein halbes Jahr ehrenamtliche Arbeit in Afrika lieber als ein bisschen Prüfungserfahrung in Deutschland. Die Quote der Bewerber, die am Ende genommen werden, liegt zwischen 3 und 5 Prozent. Die Personaler bemühen gern das Bild eines Teiches mit wenigen Goldfischen. Daraus die Top-Talente zu angeln bleibt auch in der Krise schwer, sagt Christina de Bakker, die bei Deloitte das Recruitment leitet.
Auch wer zu den Auserwählten gehört, hat noch sechs Monate Probezeit vor sich. Normalerweise gehen weniger als 10 Prozent während dieser Phase von Bord, weil die Leistung nicht stimmt. In der Krise galt das nicht immer. Vor allem PwC machte Schlagzeilen mit einer zeitweiligen Probezeit-Entlassungsquote von 16,8 Prozent. Wir hatten neue Mitarbeiter noch in der Boomphase eingestellt und haben dann wegen der Krise die Messlatte selektiver als sonst angelegt, sagt der Mitte des Jahres neu angetretene Personalvorstand Marius Möller. Mittlerweile liege die Übernahmequote nach der Probezeit wieder deutlich über 90 Prozent. Was PwC durch die Probezeitkündigungen an Image eingebüßt hat, versucht Möller mit offener Kommunikation zu kitten: In den einschlägigen Studentenforen ist er nun selbst präsent, gibt seine E-Mail-Adresse bekannt und lädt die Studenten ein, sich mit Fragen direkt an ihn zu wenden.
Text: F.A.Z.
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