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14. Oktober 2006
Vor einem halben Jahr stand Michael Knippel wieder einmal kurz vor der Pleite. Der Dreiundzwanzigjährige, der an der Fachhochschule Bonn-Rhein-Sieg Wirtschaftswissenschaften studiert, wohnt in Köln. Ein teures Pflaster für Studenten: "Ich brauche mindestens 650 Euro im Monat", klagt er. Seine Eltern überweisen ihm jeden Monat das Kindergeld, den Rest verdient Knippel in einem Studentenjob bei einer Autovermietung. Doch kurz vor den Klausuren blieb wenig Zeit zum Arbeiten. "Ich wollte nicht mein Studium vernachlässigen, nur um Geld zu verdienen." Auf der Internet-Seite der staatlichen KfW Förderbank fand Knippel die Lösung für sein Finanzproblem: Er füllte den Antrag für einen Studienkredit aus. Drei Wochen später war er wieder flüssig. Die KfW überweist dem Studenten jetzt jeden Monat 400 Euro, zum Zins von 5,95 Prozent. "Damit brauche ich mir um meinen Lebensunterhalt keine Sorgen mehr zu machen", freut sich Knippel. "Mit dem Kredit komme ich sorgenfrei über die nächsten drei Semester, bis zum Ende meines Studiums."
Michael Knippel ist einer von mehr als 10 600 Studenten, die bei der KfW seit dem Frühjahr einen Studienkredit abgeschlossen haben. Seitdem hat die Bank das neue Produkt im Programm. Mit der Resonanz ist die KfW zufrieden. "Wir können feststellen: Der Bedarf ist da", sagt Christian Krekel, der bei der Förderbank für den Kredit verantwortlich ist. Studenten können einen monatlichen Darlehensbetrag zwischen 100 und 650 Euro wählen, im Durchschnitt beträgt die Kredithöhe 500 Euro.
Markt der Studienfinanzierung entdeckt

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Auch andere Kreditinstitute haben den Markt der Studienfinanzierung für sich entdeckt (). Als erster Anbieter nahm die Deutsche Bank im vergangenen Jahr einen Studentenkredit ins Programm. Seitdem sind neben der KfW auch Dresdner Bank, Sparkassen und mehrere weitere Institute mit eigenen Produkten gefolgt. Die Hypo-Vereinsbank vertreibt Darlehen der KfW. Mit den neuen Krediten reagieren Banken auf steigende Lebenshaltungskosten von Studenten und auf die Einführung von Studiengebühren: In Bremen, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen müssen Studenten sie schon für das beginnende Wintersemester zahlen. In weiteren Bundesländern sollen die Gebühren 2007 erstmals fällig werden. Viele Studenten stehen damit vor Finanzproblemen. Das Einkommen aus Studentenjobs, Bafög-Unterstützung und Zahlungen der Eltern reicht oft nicht aus, um die zusätzlichen Ausgaben zu stemmen. In Zukunft werden die neuen Darlehens-Angebote der Banken deshalb zum Alltag gehören, prophezeien Experten. "Kredite werden ein fester Teil der Studienfinanzierung werden", sagt Ulrich Müller vom Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) in Gütersloh, der die einzelnen Angebote miteinander verglichen hat.
Größter Vorteil der Kredite: Studenten können sich auf das Lernen konzentrieren. Bekommen sie Geld von der Bank, müssen sie weniger Zeit für Nebenjobs investieren. Besonders interessant sind Kredite für angehende Akademiker, die kein Bafög erhalten, deren Eltern aber auch nicht genug verdienen, um das Studium komplett zu finanzieren. "Viele Eltern machen sich Gedanken, wie ihre Kinder ihr Studium solide finanzieren können", sagt Oliver Klink, der bei der Dresdner Bank für den Studienkredit verantwortlich ist. "Wir verzeichnen bei unseren Kunden schon jetzt ein großes Interesse."
Weitgehend ohne Sicherheiten

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Die Dresdner Bank zahlt Studenten bis zu 35.000 Euro aus. Sie verlangt dafür nur eine Schufa-Auskunft. Auch andere Banken verzichten weitgehend auf Sicherheiten. Sie verlangen allenfalls eine Kredit- oder Risikolebensversicherung. Für ihre Studentenkredite kassieren die Banken weitaus niedrigere Zinsen als für andere Kreditgattungen. Zum Teil liegen sie sogar unter fünf Prozent. Abgesehen davon sind die einzelnen Produkte sehr verschieden: So setzen zum Beispiel manche Anbieter die Zahlungen aus, wenn Studenten für ein Semester ins Ausland gehen. Bei anderen Banken lassen sich die Zahlungen für diesen Zeitraum sogar aufstocken. "Wer seinen Lebensunterhalt mit einem Kredit finanzieren muß, sollte das Angebot der KfW wählen", empfiehlt CHE-Experte Müller. "Das etwas teurere Darlehen der Dresdner Bank ist dagegen besonders flexibel und bietet sich etwa bei Auslandsaufenthalten an." Einzige Gemeinsamkeit der meisten Angebote: Nach dem Ende des Studiums folgt zunächst eine Zeit ohne Tilgungspflicht. Gleichzeitig sind Sondertilgungen fast überall möglich.
Das Interesse an Studienkrediten ist groß, obwohl in den vergangenen Jahren die Zahl der Studenten gestiegen ist, die nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz (Bafög) finanzielle Unterstützung erhalten. Im Vergleich zum Jahr 2000 sind heute rund 100 000 mehr angehende Akademiker Bafög-Bezieher - insgesamt knapp 350 000, belegen Zahlen des Bundesbildungsministeriums. Allein im vergangenen Jahr erhielten Bafög-Empfänger insgesamt 2,3 Milliarden Euro. Diese Form der finanziellen Unterstützung ist bei Studenten besonders beliebt, weil sie nur die Hälfte der Förderung als zinsloses Darlehen zurückzahlen müssen. Der Rückzahlbetrag ist zudem auf 10 000 Euro begrenzt.
Trotz des Finanzierungsbedarfs vieler Studenten bezweifeln Experten, daß sich die neuen Kredit-Angebote für Banken rechnen werden. Denn der Verwaltungsaufwand ist groß, die Kreditsummen sind dagegen gering. Doch die Institute spekulieren auch auf den Beginn einer langjährigen Kundenbeziehung. "Mit unserem Angebot wollen wir junge neue Kunden mit hohem Potential für die Bank gewinnen", sagt Dresdner-Bank-Manager Klink. Schließlich gelten Studenten als besonders attraktive Kundengruppe, weil sie in der Regel später überdurchschnittlich gut verdienen. "Natürlich sind wir sehr daran interessiert, neue langfristige Kundenbeziehungen zu einer attraktiven Klientel aufzubauen", sagt Dirk Quenter, der bei der Deutschen Bank für den Studenten-Kredit verantwortlich ist und 5000 angehende Akademiker dafür gewinnen konnte.
Günstige Konditionen für gute Klausurnoten
Die Geschäftsbanken versuchen derweil, parallel zu Studentenkrediten weitere Produkte zu verkaufen. Die Dresdner Bank zum Beispiel bietet begleitend zum Kredit auch Kranken-, Hausrat- und Haftpflichtversicherungen der Konzernmutter Allianz an. An einigen Details ihrer Kredit-Angebote sollten die Banken noch feilen, um den Wünschen der Studenten gerecht zu werden, fordert CHE-Experte Müller. So honorierten die meisten Anbieter es nicht, wenn Studenten besondere Leistungen in der Uni erbringen. Die Dresdner Bank hat hier eine Sonderrolle: Sie belohnt gute Klausur-Noten mit günstigeren Konditionen. Ein weiterer Kritikpunkt von Müller: Es fehle noch an Kredit-Modellen, deren Rückzahlung an die Höhe des Einkommens gekoppelt ist.
Auch die Förderbanken der Bundesländer haben neue Angebote für Studenten entwickelt: Einer der Vorreiter ist die NRW-Bank. Sie bietet Spezial-Kredite zur Finanzierung von Studiengebühren an. Besonderer Clou dabei: Beantragt ein Bafög-Empfänger den Kredit der NRW-Bank, gilt auch dafür die Bafög-Schuldengrenze von 10 000 Euro. Wer eine hohe monatliche Bafög-Förderung bekommt, hat diese Grenze oft schon erreicht - und muß den Kredit nicht zurückzahlen.