
Ich lese die online Ausgabe der Faz gern. Trotz allem gibt es immer wieder Themen, wo mich die Meinung der Faz maßlos entrüstet. Zum Beispiel mal wieder der hier zu findende Artikel zum Thema Bachelor/Master. Der Autor dieser Artikel - ich gehe jetzt frecherweise davon aus das es immer der selbe ist - da sie im Stil und Inhalt immer wieder gleich sind, kritisiert die Reform ohne sie durchlebt zu haben.

wäre die Reform einfach: Jedem Dipl.-Ing. ein Masterdiplom zusätzlich auszuhändigen. "eigenständige Produktentwicklung" weisen die meisten Dipl.-Ing. in ihrer Diplomarbeit nach. BWL-Grundkenntnisse standen schon zu meiner Zeit auf dem Stundenplan bleibt Projektmanagement, was auch nicht gerade der Brüller ist. Der Interessierte lernt das im Beruf ohnehin. Das Lernen ist ja nicht mit dem Diplom abgeschlossen, sondern lediglich ein gewisser Zwischenstand bescheinigt.
Das eigentliche Problem mit den Abschlüssen liegt doch woanders: da sich Deutschland so ziert, ausländische Abschlüsse anzuerkennen, kommt das Echo prompt. Es ist nicht ungewöhnlich, daß in ausländischen Bildungsministerien Leute sitzen, die in Deutschland studiert haben und die "elitären" Zustände kennen.
Nicht die Titel der Abschlüsse sind zu reformieren, sondern die Qualität der Ausbildung, wobei die FHs hier den Unis voraus sind.

Aus eigener Erfahrung sowohl im Ausland als auch hier in Deutschland mit ausländischen Master-Ingenieuren kann ich bestätigen, dass der deutsche Diplom-Ingnieur in der Regel breiter und tiefer ausgebildet ist als ein vergleichbarer Bachelor-Master-Ingenieur. Daher sind deutsche Diplom-Ingenieure meist universeller und flexibel einsetzbar, was von vielen ausländischen Arbeitgebern sehr genau registriert und auch sehr geschätzt wird. Diese besondere Stärke wird mit der Herabsetzung des Ausbildungsniveaus (= Einführung Bachelor-Master stark gefährdet), was eigentlich jedem unternehmerischem Grundsatz widerspricht, nämlich der Förderung genau dieser besonderen Stärken eines Unternehmens oder in diesem Fall der Institution Diplom-Ingenieur.

Tja, was soll man dazu sagen? Noch so ein Fall eklatanter Kurzsichtigkeit deutscher Politiker, die besonders auf ausländische Initiativen hin Deutschland wieder ein Stückchen mehr zu Fall bringen. Ich bin paranoid genug, dahinter Absicht zu erkennen, um Deutschland nach und nach aus dem Weltmarkt zu drängen. Vergessen Sie nicht: der USA-Binnenmarkt ist genügend groß. Wer da groß ist, ist es auch weltweit.
Andere Beispiele, die ich hier sehe, sind z. B. Sarbane-Oxley Act: ein irrwitziger Wildwuchs an geschäfts- und produktivitätshemmenden Vorschriften für Firmen, die sich an US-Börsen notieren wollen. Oder hat es jemals bei uns auch ohne SOA solche Witschaftsverbrechen gegeben wie ENRON?
Wie schaut es mit den vielen Embargolisten aus? Über die Hälfte der Embargoverstöße wird von US-Firmen begangen. So funktioniert das: einen Markt isolieren und dann selbst bedienen ...
Oder die Kohlesubvention: Milliardengrab ohne Perspektive. Eine Hightech-Forschungsgrube oder zwei würden genügen. Außerdem könnten wir noch billig ausländische Rohstoffe kaufen wie alle anderen auch und unsere eigenen aufsparen ...
Ich gebe es ja zu: unpopuläre und überspitzte Darstellung. Aber so könnte man es sehen ...

Nicht alles ist schlecht an "Bologna" - aber inzwischen überwiegen leider tatsächlich die negativen Seiten. Aus den ursprünglichen Ideen ist, in Deutschland wesentlich bedingt durch die komplizierten Zuständigkeiten und unterschiedlichen Eigeninteressen, ein unübersehbares Reformpaket geworden, das praktisch nur noch um seiner selbst willen umgesetzt wird. Studiendekane und Kommissionen, die zunächst mit viel Elan an die Umstellung herangegangen sind, haben längst resigniert; Professoren klagen über erhöhte Belastungen und schließlich sollen auch noch Zehntausende zusätzlicher Studenten durch überfüllte Studiengänge geschleust werden.
In diesem Sinne ist die Hochschulreform kontraproduktiv zur Zielsetzung, international vergleichbare Studiengänge und -abschlüsse anzubieten. Anerkannt werden sie vielleicht schon, respektiert voraussichtlich nicht (mehr). Kombiniert man dieses Chaos mit der Exzellenzinitiative, haben höchstens drei bis zehn "Spitzenunis" noch Chancen, ein gewisses Niveau zu wahren - sofern die Zulassungsbeschränkungen hoch genug und die gewährten Freiheiten ausreichend sind.

Ich halte von dieser Einheitssoße rein gar nichts. Ich kann auch aus meiner nunmher fast 15jährigen internationalen Erfahrung nicht nachvollziehen, daß man mit einem Dipl.-Ing. Diplom irgendwelche Nachteile im Ausland haben soll (auf Stellen des öffentlichen Dienstes habe ich mich jedoch noch nicht beworben).
Warum das mit den 6 Semestern nicht hinhaut: Ein Beispiel: Wer heute einen Dipl.-Ing.(FH) in Fahrzeugtechnik erwirbt, kann sofort als Gutachter arbeiten. Er hat lt. Gesetz das Recht bestellt zu werden. Bei der Umstellung auf den "Gesellen" ist das ein Problem, denn man will als FH seinen Absolventen diesen Weg nicht verbauen, d.h. seine Ausbildung ohne Grund abwerten. Der Gesetzgeber hat eine wunderbare undurchdachte Reform gemacht, die Folgen aber keineswegs konsequent in andere Gesetzesbereiche eingepflegt.
Meine Erfahrung im internationalen Umfeld ist eine andere als vielfach angenommen. Sich in der Intenationalisierung zu verallgemeinern führt nicht zum Erfolg, da es das "Internationale" als solches gar nicht gibt, sondern 160 Länder mit ebensovielen Kulturen. Nur wer sich seine Besonderheit erhält und aus der Masse abhebt wird langfristig erfolgreich sein.

trifft der Beitrag viele Probleme der Ingenieurausbildung. Der Qualitätsabstieg und die Verwässerung beginnt schon in den späten 80-zigern, sie findet nun ihren beschleunigten Abschluß.
Zwar trifft man bisweilen noch auf ausgeprägtes Detailwissen, systematische Zusammenhänge und wissenschaftliche Kompetenz jedoch kommen meist zu kurz. Bedingt durch Politisierung haben sich Forschung und Lehre entkoppelt, die Orientierung an wirklichen Problemen ist abhanden gekommen. Gegenwärtig sind Lehrstuhlmangelverwalter mehr gefragt als erfahrene Kompetenz mit Innovationskraft. Nicht zuletzt die Industrie hat den Eindruck entstehen lassen, Ingenieure seinen nichts wert.
Dies wäre dringend zu reformieren, denn das traditionelle Ingenieurskonzept war und ist universell, flexibel, innovativ und praktisch zugleich angelegt. Derartige Ausbildungen sind natürlich aufwendiger und kosten den Empfänger mehr als die nun avisierte Schmalspurvariante.
Aber wie dies so ist, jede Gesellschaft und Industrie bekommt die Ingenieure, die sie verdient.
Wir lassen gerade einen unserer wertvollsten Bodenschätze verkommen.

Keinem Unternehmer würde es einfallen, ein weltweit erfolgreiches Markenzeichen zu ersetzen. Es gibt immer mehr Anzeichen dafür, daß wirklichkeitsferne und ideologiebefangene Funktionäre Deutschland in Richtung "Dritte Welt" entwickeln wollen.
Heinz-Dieter Dey, Raunheim

Der ganze ruinöse Niedergang des Deutschen Bildungswesens hat in der Wurzel ideologische Gründe.
Man schraubt die Anforderungen in den Bildungsgängen soweit herunter, bis der Blödeste noch einen klangvollen Abschluß schaffen kann. Das fängt bei der Grundschule an und wird jetzt den Universitäten aufgepresst.
Wir haben es mit einem nivellierenden Sozialismus auf der einen Seite zu tun - Ablehnung von Eliten, Nivellierung (wir machen alle gleich schlecht, dann schaffen wir den Unterschied zu Besseren ab) - und auf der anderen Seite die Bestrebungen der EU, Deutschland möglichst wirtschaftlich und wissenschaftlich herunterzuschrauben. Am liebsten hätten die uns umgebenden EU Freunde eiín "Morgenthau-Deutschland", das möglichst aus der führenden europäischen Export-Rolle verschwindet - natürlich "in aller Freunschaft".
Andererseits wollen alle durch Deutschland allimentiert werden. Die "Freunde" sollten sich aussuchen, ob sie die Kuh melken wollen oder schlachten. Ich glaube, man ist sich da noch nicht einig, zumal es jetzt gerade so etwas wie einen "Aufschwung" Deutschlands zu geben scheint. Soll man das, was Deutschland noch schafft mitnehmen oder soll man selbst anfangen zu arbeiten? Schrecklich, -und so ungewohnt!

Ich frage mich ernsthaft wieviel von den Granden der T9 unser Autor an Zuwendungen erhalten hat. Um der Wahrheit ein wenig die Ehre zu geben ist leider die deutsche Wirtschaft wie auch die Internationale an unseren Naturwissenschaftlern keineswegs Interessiert. Angeführt von der Telekom, Deutsche Bank und Co. hat eine Gruppe der größten Deutschen Unternehmen bereits vor mehr als einem Jahr in einem offenen Brief die Einführung der neuen Abschlüsse gefordert. Würde der Autor ab und an seine eigene Zeitung lesen wäre ihm das nicht entgangen. Und auch das renomierte Magazine wie The Economist deutsche Universitäten als mit unter den schlechtesten der Welt betitteln scheint ihm entgangen zu sein. Ich kann in meiner Wissenschaft, der Chemie, keinerlei der gemachten Feststellungen des Autors beobachten, ganz im Gegenteil die neuen Abschlüsse werden mit Interesse beobachtet.
Das die T9, z.B. die Universität Karlsruhe die ich selbst besucht habe im Fach Chemie immer noch zu den am schlechtesten Ausbildenen Instituten gehört und sich natürlich wie jedes gute Amt mit allen Mitteln gegen Änderungen wehrt, wie z.B. eine Überprüfung der Leistungen der Lehrenden ist mir allerdings auch klar.

Die reine Trennung in zwei Teile wäre ja das kleinste Problem gewesen.
In den letzten 2-4 Semestern gab es ja ohnehin schon meistens Wahlfächer oder Wahlfächergruppen.
Es ist die Reform drumherum, die alles kaputt macht.
Die Studiengänge sind komplett durch den Mixer gedreht worden, vor allem, was Leistungsnachweise und Prüfungen angeht.
Am besten dran sind vielleicht noch die FH-Studiengänge, die unter der Hand mehr oder weniger 1 zu 1 übernommen wurden.

Ohne zwingenden Grund haben unsere eigenen Politiker das Ende der deutschen überlegenen Ingenieurskunst eingeleitet.
Dummer als die Polizei erlaubt.
Da Deutschland keine nennenswerten Rohstoffvorkommen vorweisen kann, sind wir auf überdurchschnittliche geistige fähige Köpfe angewiesen.
Durch die Einführung der Schmalspur-Bachelor-Studiengänge
wird deutsche Ingenieurleistung zu Mittelmaß herab sinken.
Da sich unserer Wohlstand gerade auf diese Leisungen aufbaut werden wir in kurzer Zeit im internationalen Wettbewerb zurückfallen.
Für solche fatalen Fehlleistungen der Politiker - die selbst nebenbei noch honorig dafür bezahlt werden- wird Deutschland bald bitter bezahlen müssen, durch drastischen Wohlstandsabbau für Jahrzehnte.
gruß
g
oge o

... den Schaden des Volkes mehren.
Sie sollten nicht ein allzu hohes Loblied auf die Ingenieure singen. In den letzten 15 Jahren hat sich deren Qualifikation in der Praxis dramatisch verschlechtert.
Wenn ein TU-Ingenieur heute gerade einmal vier Wochen Praxissemester nachweisen muß, ist etwas oberfaul. Den jungen Ing's mangelt es an praktisch verwertbaren Kenntnissen, teilweise sogar (im Bereich Maschinenbau) an elementarsten theoretischen Kenntnissen wie Smith-Diagramm und Wöhlerlinie. Hier müßten sich Lehrpläne und Ausbildungsinhalte deutlich zurückbesinnen. Zudem sollte eine Berufsausbildung vor Studienbeginn Pflicht und ein Numerus Clausus eingeführt werden. Dies würde verhindern, daß immer mehr intellektuell ungeeignete studieren, die als Facharbeiter besser einzusetzen währen.
Das wieder einmal gute deutsche Errungenschaften auf dem Altar Europas unter Einwirkung dumpfbackiger Politiker geopfert werden, spricht für sich. Zur völligen und vor allem nachhaltigen Zerstörung eines Staates bedarf es keines Welt- oder Bürgerkriegs.

In diesem Artikel werden systematisch nur die möglichen Problempunkte ausgewalzt. Andernorts scheint die Schematik Bachalor/Master aber sehr wohl seit langem zu funktionieren.
Was den Studieninhalt angeht, so denke ich, dass man mit ca. 6-7 Semestern (=Bachalor) ein Niveau erreichen kann, das für einfachere Aufgaben (z.B. Mitarbeit in einem Team) ausreicht.
Mehr Substanz, z.B. für eigenständige Produktneuentwicklungen, erforderert weitere ca. 4-5 Semester (davon geht ja ohnhin ca. eines für die Diplomarbeit ab) (=Master).
Was weitere Inhalte angeht, so kann ich nur jedem empfehlen, Projektmanagement und BWL-Grundkenntnisse mit aufzunehmen, hier hakt es nämlich mit am meisten.

Der Treppenwitz bei der Abschaffung des deutschen Dipl.Ing., der zurecht als tragende Säule unseres Wohlstands gilt, ist, dass in den USA jetzt in den Ingenieurwissenschaften genau diese umfassende Ausbildung aufgebaut wird.
Während bei uns also das Ausbildungsniveau künstlich ruiniert wird, werden wir wohl bald beobachten können, wie andere Staaten dieses Modell für ihren eigenen Erfolg nutzen.
Wenn man sich dazu noch die chaotischen Verhältnisse selbst an sog. Eliteuniversitäten ansieht (meine beiden Kinder studieren Maschinenbau an der TU München), dann kann einem nur Angst und Bange werden.
Wie Deutschland mit einer derart auf Minderwertigkeit abzielenden Bildungspolitik im Zeitalter der Globalisierung bestehen will, können sich wohl nur geistig beschränkte Bildungspolitiker vorstellen.

... moechte ich noch hinzufuegen das es einen besseren Weg gibt um dem Studenten eine reele Chance zu geben und kuerzere Studienzeiten zu ermoeglichen.
Ein Grossteil unserer Studenten verbringt viel Zeit damit sich durch Klausuren zu wurschteln die oft nichts mit dem Stoff zu tun haben der im Semester durchgenommen wurde. Es gibt wohl keine Uni an der es nicht gewisse "Angstfaecher" gibt in denen es bis zu 80% Durchfallquoten gibt. Ich kann mich noch gut an eine Begebenheit an der UGH Paderborn erinnern. Eine Tuer oeffnete sich und ein junger Mann mit Traenen in den Augen wurde vom Dekan hinausgeschoben. Ich hoerte nur die Worte "Na ... sie koennen ja immer noch Techniker werden" und dann ging die Tuer wieder zu. Es gab damals viel technisches Talent in meinem Semester das reihenweise abgesaegt wurde. Dies durch Klausuren die einfach nur dann zu schaffen waren wenn der Prof vorher einen guten Tag hatte. Die Aussage "Ich hab mich gut und hart vorbereitet" also komme ich auch durch, ist in Deutschland keine Garantie. Dies ist in Amerika anders.

Der groesste Quatsch aller Zeiten. Um die Ingenieure schneller an die Firmen zu fuettern werden die Studienzeiten gekuerzt und der Dipl. Ing. abgeschafft? Dann muesste man ja davon ausgehen das der heutige frische Ingenieur ueberqualifiziert ist und sofort eine Festanstellung bekommt. Stattdessen gibts erst mal ein ausserst mies bezahltes Praktikum zum Einstieg. Wenn schon der Dipl. Ing nur zum Praktikum eingeladen wird, was fuer Jobmoeglichkeiten gibt es dann fuer den Bachelor?
Sollte dies wirklich eintreffen dann kann sich Deutschland abmelden. Wir haben weder Bodenschaetze noch sonstige Besitztuemer auf denen wir uns ausruhen koennen. Unsere Starke liegt im Know How und in der Ausbildung. Wenn unsere Ingenieure nun auch noch bewusst in die Mittelwertigkeit getrieben werden, dann gute Nacht.

ich lache heute schon über eine solche Herabwürdigung und trage stolz den Titel Dipl.-Ing., denn der hat Klang und zeugt von Kompetenz.