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Interview Einen Master können Sie auch in Papua-Neuguinea machen
Burkhard Rauhut, Rektor der RWTH Aachen, sorgt sich um das Renommee der deutschen Ingenieurwissenschaften. Der Dipl.-Ing. ist am Ende, bei Bachelor und Master kommt es jetzt stärker denn je auf den Ruf der Universität an, sagt er im Interview. In Aachen sind rund 500 Studierende für den Schwerpunkt Kraftfahrwesen eingeschrieben. 2006 hatte die RWTH 87 Absolventen in dem Bereich. Autobauer made in Germany sind auf der ganzen Welt angesehen. Nutzt die im Bologna-Prozess vereinbarte Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen, die die internationale Anerkennung der Abschlüsse fördern soll, Automobil-Ingenieuren überhaupt? Der deutsche Titel Diplomingenieur hat weltweit einen guten Klang. Einen Master dagegen können Sie vermutlich auch in Papua-Neuguinea machen. Damit den Automobilingenieuren der Masterabschluss etwas nützt, ist es wichtig, dass zum Titel künftig auch die Angabe gehört, an welcher Hochschule er erworben wurde – damit das Renommee der deutschen Ingenieurwissenschaften weiterhin zur Geltung kommt. Renommee und Geltung sind die eine, veränderte Studieninhalte die andere Seite. Hat der Master-Abschluss künftig noch den selben Wert wie das Diplom? Der Master ist mindestens genauso viel wert wie der alte Diplom-Ingenieur, es wird sogar einige Vorteile geben. Denn der Bologna-Prozess hat uns dazu angehalten, uns unsere Studienprogramme genau anzusehen und zu modernisieren. Vor 20, 30 Jahren konnte man Diplom-Ingenieur werden, ohne ein einziges Mal den Mund aufgemacht zu haben. Das hat sich geändert. Wir setzen stärker auf Soft Skills, zum Beispiel gehören jetzt auch Kurse in Präsentation und Projektmanagement zum Curriculum. Dennoch haben sich die neun führenden deutschen Technischen Universitäten, die TU9, anfangs sehr kritisch zu der Umstellung geäußert. Was haben Sie gegen den Bachelor-Ingenieur? Das Problem ist, dass wir in Deutschland eine gute Aufteilung der Ausbildung in den Ingenieurwissenschaften hatten - die Fachhochschulen bildeten eher anwendungsorientiert aus, die Universitäten konzentrierten sich stärker auf Forschung und Entwicklung. Jetzt suggeriert die Diskussion, dass ein Bachelor - ob von der FH oder von der Uni - ein fertiger Ingenieur ist. In der Tat hat ein Bachelor von einer Uni überwiegend Grundlagen, ist aber noch nicht im klassischen Sinne ein deutscher Ingenieur. Dazu muss er sich entweder im Unternehmen oder in einem Master-Studiengang weiterbilden. Wäre es da nicht sinnvoller gewesen, mit vollem Einsatz für die Beibehaltung des Diploms zu kämpfen? Nein. Man kann nicht in ein und dem selben Hochschulsystem zwei- oder mehrspurig fahren. Deshalb sollten nach den Ingenieuren nun auch zum Beispiel die Mediziner und Juristen rasch auf die Bachelor-/Master-Struktur umstellen. Während die Hochschulen befürchten, dass ihnen durch die Umstellung der Forschernachwuchs abhanden kommt, hat die Wirtschaft positiv reagiert, etwa mit einer "Bachelors welcome"-Initiative. Geht der Bologna-Prozess vor allem zu Lasten der Wissenschaft? Wir brauchen in Deutschland unterschiedliche Arten von Ingenieuren – für die Forschung genau wie für die Wirtschaft. Beide Bereiche brauchen Absolventen sowohl von der FH wie von der Uni, wobei insbesondere den forschungsstark ausgebildeten Ingenieuren der Technischen Universitäten und technischen Fakultäten anderer Unis ein besonderes Gewicht zukommt, da vor allem sie unseren technologischen Vorsprung halten müssen – beispielsweise gegenüber den 400.000 chinesischen Ingenieuren, die alljährlich die Hochschulen verlassen. Wie weit ist die RWTH Aachen bei der Umstellung auf das Bachelor/Master-System? Wir nehmen schon zu diesem Wintersemester Anfänger nur noch in die Bachelor-Studiengänge auf - im Maschinenbau mit dem Vertiefungszweig Kraftfahrwesen ist das ein siebensemestriges Programm, auf das ein dreisemestriger Master folgen kann. Der letzte Diplom-Ingenieur sollte dann im Jahr 2012 seinen Abschluss bei uns gemacht haben. Die Fragen stellte Sebastian Balzter Bildmaterial: Peter Winandy |
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