Im Gespräch: Rolf Pfeifer-Will

„Der Sanierungsstau ist groß“

Rolf Pfeifer-Will

Rolf Pfeifer-Will

25. Oktober 2008 

Letzte Zuflucht Wohnheim: Wer sich im In-Viertel die Miete nicht mehr leisten kann, klopft beim Studentenwerk an. In manchen Orten gibt es ein Zimmer schon für 50 Euro, sagt Rolf Pfeifer-Will, Vorsitzender im Ausschuss Wohnen des Studentenwerks.

Wo wollen Studenten wohnen?

Am liebsten nah an der Universität und zugleich mitten in der Stadt. Beide Wünsche gleichzeitig zu bedienen ist natürlich schwierig - denn in den Innenstädten lassen sich preisgünstige Wohnungen, wie wir sie anbieten wollen, kaum realisieren.

Wie reagieren Sie darauf, dass immer mehr klassische Studentenviertel edler und damit teurer werden?

In diesen typischen Vierteln sind wir häufig gar nicht präsent. Aber wir erleben es häufig, dass Studenten ein Wohnheim verlassen, um in ein in ihren Augen besseres Viertel zu ziehen - und ein halbes Jahr später zurückkommen, weil sie sich die Mieten nicht leisten können - zumal kaum noch jemand zur Untermiete wohnen will.

Wie teuer sind Wohnheimplätze?

Die Spanne reicht bei uns von 51 Euro bis zu 400 Euro, die für ein Apartment in einer westdeutschen Großstadt fällig sind. Im Schnitt aber liegen die Mieten bei 200 Euro, inklusive Heizung, Internet und Einrichtung.

Und was bekommt man dafür? Wie ist der Standard in den Wohnheimen?

Da hat sich viel geändert. Einzel- und Doppelapartments, die Anfang der neunziger Jahre noch gebaut wurden, sind nicht mehr gefragt. Jetzt setzen wir auf WG-ähnliche Wohnungen mit einer gemeinsamen Küche für drei oder vier Bewohner, von denen aber jeder seine eigene Dusche und seine eigene Toilette haben sollte.

Das Studentenwerk vermarktet rund 180. 000 Wohnungen. Ist das genug?

Jetzt zu Semesterbeginn gibt es zwar in München, Frankfurt und Köln Wartezeiten, aber insgesamt hat sich der Wohnungsmarkt entspannt. Wenn wir in Zukunft mehr ausländische Studenten anziehen und für den doppelten Abiturjahrgang 2011/12 vorsorgen wollen, müssen wir aber Geld ausgeben, um Wohnungen zu erhalten und zu sanieren. Der Sanierungsstau ist nach fast 20 Jahren ohne Förderprogramm schon ziemlich groß.

Das Gespräch führte Sebastian Balzter



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Archiv

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