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| Was fehlt? Treibstoff für die Hochschulbildung |
25. April 2008
Neun Verbände und Institutionen der Hochschulpolitik haben sich am Donnerstag in Berlin zu einem neuen Bündnis namens Hochschulallianz zusammengeschlossen. Die Vertreter von Dozenten als auch Studenten wollen bei ihrer Lobbyarbeit in Zukunft gemeinsam an einem Strang ziehen. Worum es gehen soll? Um Geld natürlich, beziehungsweise um Treibstoff für die Hochschulbildung. Wenn man keinen Sprit hat, dann läuft das Fahrzeug nicht“, sagt Benno Quade, der Sprecher des Interdisziplinären Netzwerks für Promovierende und Promovierte Thesis“. Seine Diagnose: Wir haben keinen Sprit mehr.“
Sparschweine und Verschiebebahnhöfe
Das Fahrzeug dürfte demnach eigentlich nicht mehr laufen, ganz so schlimm ist es wohl doch noch nicht. Aber teuer: 2,7 Milliarden Euro zusätzlich im Jahr fordert die Hochschulallianz für die Hochschulbildung und für unterstützende Service- und Beratungsangebote. Erreicht werden müsse dies durch eine Umschichtung in den Bundes- und Landeshaushalten. Bisherige Maßnahmen wie der Hochschulpakt und die mit 1,9 Milliarden Euro ausgestattete Exzellenzinitiative seien nur Tropfen auf einen schon viel zu heißen Stein gewesen, kritisiert Bernhard Kempen, der Präsident des Deutschen Hochschulverbandes.
Die neue Allianz beklagt, dass sich ein Hochschullehrer im Durchschnitt um 52 Studierende zu kümmern hat, in den Geistes- und Sozialwissenschaften sogar um bis zu 170. Diese Bedingungen gingen zu Lasten der Ausbildungsqualität. In die Hochschullehre investiere Deutschland noch immer zu wenig. Es sind 7100 Dollar (4500 Euro) je Student, im OECD-Mittel 7700 Dollar (4880 Euro).
Ein Problem sei vor allem, dass Bildung in der deutschen Politik keine Priorität bei der Verteilung der Finanzmittel einnehme. Wir sind immer nur der Verschiebebahnhof, wenn es darum geht, einzusparen“, klagt er. Dabei stehe mit der Bildung nicht nur die Zukunft einer Generation, sondern die des ganzen Landes auf dem Spiel. Außerdem könne Deutschland sich ohne ein Plus an zusätzlichen Mitteln als Wissenschaftsstandort nicht auf der internationalen Bühne behaupten.
Mitglieder der Hochschulallianz sind neben Thesis und dem Hochschulverband der Bundesverband Liberaler Hochschulgruppen (LHG), der Ring Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS), die Bundesvereinigung Akademischer Mittelbau (BAM), der Verband Hochschule und Wissenschaft (vhw), der Hochschullehrerbund (hlb), der Verein zur Förderung der Juniorprofessur und das Deutsche Studentenwerk (DSW). Andere Verbände wie den Freien Zusammenschluss von StudentInnenschaften (fzs) und politisch anders ausgerichtete Hochschulgruppen wie die der Jusos, der Linken und der Grünen habe man zu den Vorgesprächen eingeladen, betonten die Vertreter der Allianz. Leider hätten diese sich bis jetzt nicht dazu entschließen können, dem neuen Zusammenschluss beizutreten. Aber die Tür sei offen für alle, die unmittelbar in der Wissenschaft tätig seien. Gottfried Ludewig, der Bundesvorsitzende des RCDS, sagte, dass er gerade die Jusos als größte politische Hochschulgruppierung gerne mit im Boot hätte.
Sonntagsreden zur Donnerstagsgründung
Die Donnerstagsgründung soll nach dem Willen ihrer Initiatoren mehr bewirken als reine Sonntagsreden. Ob das gelingen wird? Konkrete Maßnahmen haben die Hochschulalliierten noch nicht vereinbart. Vorerst setzen sie auf die gesammelten Einzelkräfte: Durch die Lobbyarbeit der jeweiligen Mitgliedsverbände solle die Agenda der deutschen Politik verändert werden. Gemeinsame Aktionen seien aber natürlich auch möglich. An einen Streik wie bei den Ärzten habe man zwar noch nicht gedacht. Aber ungeduldig und dann vielleicht auch ungemütlich können wir sicher werden, wenn sich nichts verändert“, droht Bernhard Kempen.