FAZ.NET
Investor
Märkte
F.A.Z.-Archiv
Abo

FAZJOB.NET

F.A.Z. Career in Finance Forum

13. Oktober 2008

Mein FAZjob.NET:
FAZJOB.NET
NEU FAZjob.NET - Tour




FAZjob.NET >Beruf und Chance >Campus >

   
 Beruf und Chance 
 
Arbeitswelt
Vergütung
Arbeitsrecht
Neue Köpfe
Personalprofi
Campus
Stellensuche
F.A.Z.-Community
 
   

F.A.Z.-Stellensuche

   (Hilfe)


Unternehmen des Monats


Jobs der Woche

Auslandsstudium

Lieber nach Paris

Von Philip Faigle



Sacre Coeur
14. September 2006 
Nancy ist ein ziemlich normales Studentenstädtchen im Département Meurthe-et-Moselle, gerade mal 100 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt. Doch als Anna Crasemann vor drei Jahren hierherkam, war es für sie wie eine neue Welt. Crasemann hatte sich für einen Platz in einem binationalen Studiengang am Institut d’Études Politique, kurz:

Sciences Po, einer Kaderschmiede für Führungskräfte in Politik und Wirtschaft, beworben. Mit Erfolg. Wer hier als Deutscher angenommen wird, hat sich in einem Auswahlverfahren gegen Hunderte anderer Bewerber durchgesetzt.

Auswahlgespräche statt Immatrikulation

Die Unikarriere hat auch nicht mit einer einfachen Immatrikulation begonnen, sondern mit einem Motivationsschreiben, Auswahlgesprächen, Sprachtests. Die Sciences Po ist eine der renommierten Grandes Écoles in Frankreich, den Ausbildungsstätten für die Elite des Landes. Die Studenten hier sind bereit, mehr zu leisten als andere, sie waren schon früh im Ausland, und ihnen ist Karriere sehr wichtig. Elitestudenten eben.

Crasemann ist eine von ihnen. Sie hat ihr Abitur in Hamburg mit 1,2 absolviert, sich früh für das Ausland interessiert, und sie ist es gewohnt, viel zu arbeiten. Und doch war die Deutsche am Anfang überrascht, wie hoch das Pensum an einer französischen Eliteschule ist: 60 Pflichtkurse stehen im Grundstudium auf dem Programm, 30 Stunden hat eine Arbeitswoche, der Stundenplan ist weit gehend vorgegeben. Anwesenheit ist Pflicht, nicht selten dauert ein Arbeitstag von acht Uhr in der Frühe bis in den späten Abend. Die Kurse sind mit 20 Teilnehmern klein, die Betreuung exzellent, die Professoren renommiert – die Ausbildung ein strenges Regiment.

Keine Freiheiten, eber effektiv

„Für die Deutschen war das erst mal ungewohnt“, sagt sie. „Dir wird gesagt, was du zu machen hast, Freiheiten gibt es kaum.“ Gewöhnungsbedürftig sei das gewesen – und effektiv. Heute ist sie 22, hat ihr Grundstudium in Nancy absolviert, war zum Auslandsstudium in Mailand und wird von Oktober an am Pariser Hauptsitz der Sciences Po ihren Master mit Schwerpunkt Finanzen machen.

So wie Crasemann zieht es derzeit viele deutsche Spitzenstudenten nach Frankreich. Vor allem Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler lockt das Nachbarland: Waren es 1994 noch 1300, gingen im Wintersemester 2003/2004 schon mehr als 2000 Studenten ins Nachbarland. Insgesamt studieren derzeit rund 6500 Deutsche in Frankreich – Tendenz steigend. „Die französischen Eliteinstitutionen sind für deutsche Studenten attraktiv“, sagt der Soziologe und Elitenforscher Michael Hartmann von der Technischen Universität Darmstadt.

Keine Elitenbildung in Deutschland

In Deutschland gebe es keine vergleichbare Tradition der akademischen Elitenbildung, bis heute sei der Begriff der Elite durch Hitlers Führerkult und die Elitenschulen des NS-Regimes belastet. Einigen Studenten sei das Prestige einer Universität und das Elitesiegel jedoch wichtig. Deshalb ziehe es manche Deutsche an die Eliteschulen Frankreichs, zumal man ganz nebenbei ein neues Land kennenlernen kann. Noch dazu das schöne Frankreich.

Etwa hundert staatliche Grandes Écoles gibt es. Sie sind die Speerspitzen des französischen Hochschulsystems und haben in Frankreich eine Tradition, die bis auf Napoleon zurückreicht. Ganz oben in der Hierarchie steht die École Nationale d’Administration (ENA), die auch Jacques Chirac besucht hat und deren wenige Absolventen später Top-Positionen in Staat und Wirtschaft einnehmen. Daneben gibt es rund 200 private Schulen, die vor allem Ingenieure und Wirtschaftswissenschaftler ausbilden. Und natürlich die Universitäten, von denen einige, wie etwa die Pariser Sorbonne, international über Prestige verfügen.

Fast unlösbare Aufgabe

Lange Zeit galt das System der französischen Eliteschulen als eines der geschlossensten der Welt. Ausländische Studenten kamen höchstens für Gastsemester. Vor einem Vollstudium stand der Coucours, eine Aufnahmeprüfung, die nur nach zweijähriger Vorarbeit in speziellen Kursen zu schaffen war. Abgefragt werden vor allem Mathematikkenntnisse und Enzyklopädie-Wissen; in den Prüfungsessays wird typisch französischer Argumentationsstil erwartet. Für deutsche Studierende eine fast unlösbare Aufgabe.

Vor allem die Wirtschaftsschulen haben aber inzwischen erkannt, daß es ohne ausländische Studenten nicht geht. Zuletzt haben viele englischsprachige Kurse und zweisprachige Studiengänge eingeführt, in denen der Zugang über eigene Aufnahmetests geregelt wird. Seit 1997 gibt es zudem die Deutsch-Französische Hochschule (DFH), die den Austausch von deutschen und französischen Studenten fördert. Wer in eines der rund 100 Studienprogramme aufgenommen wird, bekommt 250 Euro je Monat für die Zeit im Nachbarland. Viele der in Frankreich studierenden Deutschen nutzen mittlerweile diese Option – nicht zuletzt, um leichter an einen Platz an den renommierten Instituten zu gelangen.

Durchfallquote gleich Null

Auch Felix Hilgert ergriff die Chance und ging nach seiner Jura-Zwischenprüfung für zwei Jahre an die staatliche Universität Sorbonne in Paris. Überrascht sei er über das Niveau gewesen, sagt der 23jährige, der sein Abitur mit 1,1 gemacht hat und Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes ist. Die Durchfallquote in seinem Jahrgang lag bei Null, fast die Hälfte habe mit Prädikat abgeschlossen. Die Professoren waren die renommiertesten ihrer Zunft in Frankreich.

Skeptisch ist er hingegen, wie sehr der Besuch einer französischen Hochschule die Karriere in Deutschland fördert. Viele hätten zu ihm gesagt: „Zwei Jahre Paris, beeindruckend, aber: kannst du eigentlich Englisch?“ Auch Elitenforscher Hartmann hat Zweifel. „In Deutschland sind die französischen Eliteschulen weitgehend unbekannt“, sagt er. Zwar sei ein Besuch auf einer Grande École für eine Karriere in Frankreich hilfreich, über die Grenzen schaffe es der Ruf der Eliteunis nicht. Auch Sörge Drosten von der Personalberatung Kienbaum sieht das Problem. „Für viele deutschen Personalmanager ist es noch immer schwer einzuschätzen, wie gut die Ausbildung an den Schulen ist“, sagt er.

Langfristig, glaubt Felix Hilgert, könnte sich das ändern. Dann, wenn immer mehr Frankreich-Studenten mit guter Leistung für das System werben. „Unser Ruf eilt uns langsam voraus.“

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa
 
 
   
 Artikel-Service 
 
Seite drucken
Versenden
Lesezeichen
Vorherige Seite
 
   
   
 Neue Köpfe 
   
 
Böhme leitet LBBW-Tochter in Peking  
 
   
     
  FAZ JOB-Blog  
 
Per Anhalter durch die Arbeitswelt
 
 
 
 
 
Karriere im Takt
 
 
 
 
 
Coach Me If You Can
 
     
 





Impressum  |  Datenschutzerklärung  |  Nutzungsbedingungen  |  Preise  |  Über uns

Alle freien Jobs und Stellen  |  Stellenangebote nach Firmen und Unternehmen  |  Vorteile auf einen Blick  |  FAZjob.NET - Tour