Mit Elite-Unis kennt Alexander Heckel sich aus. Er hat in Konstanz studiert, an einer der Siegerhochschulen des Exzellenzwettbewerbs. Seine Doktorarbeit schrieb er an der ETH Zürich, danach war er zwei Jahre am California Institute of Technology tätig. Genug Erfahrung, um beurteilen zu können, ob der Exzellenzcluster“, in dem er jetzt tätig ist, hinsichtlich der Ausstattung seinen Namen verdient. Heckels Antwort fällt eindeutig aus: Die Arbeitsbedingungen im Forschungsverbund Makromolekulare Komplexe“, der an der Goethe-Universität aufgebaut wurde, seien hervorragend“ (siehe auch: Frankfurter Geisteswissenschaftler bekommen 33 Millionen Euro).
Genau ein Jahr ist es her, dass die Frankfurter Chemiker, Biologen und Mediziner ihren Erfolg im nationalen Wissenschaftler-Wettstreit feiern konnten. Rund 53 Millionen Euro dürfen sie bis 2011 ausgeben, um Struktur und Funktion von großen Proteinmolekülen zu untersuchen. Auch Heckels Stelle wird mit Geld aus diesem Fördertopf finanziert: Seit August hat der 35 Jahre alte Chemiker eine Professur in Frankfurt. Seine Besoldungsstufe ist W2, aber das Angebot, das ich hier bekommen habe, entsprach dem, was anderenorts für W3-Stellen üblich ist“.
Mit den Zuschüssen der Bund-Länder-Initiative kann Heckel bezahlen, was er braucht: Doktoranden, eine Sekretärin, Chemikalien und vor allem Laborausstattung. Gerade hat er einen Chromatographen mit Massenspektrometer beantragt, 400.000 Euro kostet so ein Gerät. Heckel hofft, dass ihn die Deutsche Forschungsgemeinschaft bei dieser Anschaffung unabhängig von seinem Exzellenzbudget unterstützt, was durchaus möglich ist – die Wettbewerbssieger dürfen weiterhin alle Geldquellen anzapfen, die ihnen zugänglich sind. Wer hat, dem wird gegeben: Dieses Prinzip gilt auch in der Spitzenforschung, und Heckel findet das richtig. Es wird gefördert, was schon gut ist.“
Vielversprechend erscheinen die Vorhaben, die der Professor verfolgt, in der Tat. Zum einen befasst er sich mit lichtgesteuerter Genregulation; sein Ziel ist es, Gene in einzelnen Zellen durch Lichtblitze an- und auszuschalten. Das zweite Projekt ist so neuartig, dass Heckel dazu noch keine Details nennen will. Nur soviel: Es geht um den Einsatz von DNS als Baumaterial“, mit dessen Hilfe sich sehr kleine Objekte auf Oberflächen anordnen lassen sollen.
Bis Heckel und seine Cluster-Kollegen im großen Stil publizieren können, wird wohl noch einige Zeit ins Land gehen. Doch Werner Müller-Esterl, Sprecher des Forschungsverbundes und Vizepräsident der Universität, sieht schon erste Erfolge: Der Biochemiker Alexander Gottschalk etwa habe bereits im vergangenen Jahr einen vielbeachteten Artikel in Nature“ veröffentlicht. Voraussichtlich Anfang 2008 werde der Cluster einen ersten Zwischenbericht über seine Arbeit vorlegen.
Was die Besetzung der Professuren angehe, sei die Universität im Plan. Vier Wissenschaftler habe man inzwischen berufen, mit zwei weiteren werde derzeit verhandelt. Insgesamt sollen mit dem Exzellenzgeld neun Lehrstühle eingerichtet werden. Alle Professoren bekommen ein Globalbudget, über das sie weitgehend frei verfügen können, wie Müller-Esterl erläutert. Nur einen Nachteil, sagt er, habe das System: Bis 31. Dezember muss das jeweils bewilligte Budget verbraucht sein, Restbeträge können nicht ins nächste Jahr überschrieben werden.
Optimierbar sind auch die räumlichen Verhältnisse, unter denen die Cluster-Teams derzeit arbeiten. Im Biozentrum müssen die Kollegen schon ziemlich zusammenrücken“, berichtet Müller-Esterl. Doch Abhilfe sei in Sicht. Wir haben sehr gute Chancen, ein eigenes Gebäude zu bekommen.“ Auf dem Riedberg soll es entstehen, unmittelbar neben dem neuen Biologicum; die Kosten schätzt der Vizepräsident auf 26 Millionen Euro.
Heckel ist zuversichtlich, dass in die neuen Labors auch ein neuer Geist einziehen wird, ähnlich dem, den er im California Institute of Technology kennengelernt hat: Die Forscher dort seien selbstbewusst und stolz auf ihre Hochschule, während deutsche Wissenschaftler zum Pessimismus neigten und sich oft kaum mit ihrer Universität identifizierten. Das, glaubt er, könnte sich nun ändern, auch dank der Exzellenzinitiative: In den Köpfen ist viel in Bewegung gekommen.“
Die Sieger
Im zweiteiligen Exzellenzwettbewerb des Bundes und der Länder sind insgesamt sieben Projekte an Universitäten in Hessen und Rheinland-Pfalz für förderwürdig befunden worden: Makromolekulare Komplexe (Exzellenzcluster), Chemie, Biologie und Medizin, Universität Frankfurt, bewilligt 2006;
Herz-Lungen-System (Exzellenzcluster), Medizin, Universitäten Frankfurt und Gießen, bewilligt 2006;
Herausbildung normativer Ordnungen (Exzellenzcluster), Geisteswissenschaften, Universität Frankfurt, bewilligt 2007;
Intelligente Oberflächen (Exzellenzcluster), Natur- und Ingenieurwissenschaften, Technische Universität Darmstadt, bewilligt 2007;
Kulturelle Studien (Graduiertenschule), Geistes- und Sozialwissenschaften, Universität Gießen, bewilligt 2006;
Computational Engineering (Graduiertenschule), Informatik und Ingenieurwissenschaften, Technische Universität Darmstadt, bewilligt 2007;
Materialwissenschaften (Graduiertenschule), Chemie und Physik, Universität Mainz, bewilligt 2007;
Exzellenzcluster sind Forschungsverbünde zwischen Universitäten und außeruniversitären Einrichtungen, etwa Max-Planck-Instituten. In Graduiertenschulen werden Doktoranden ausgebildet.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z. - Frank Röth