Amerikanische Eliteuniversitäten pflegen den Wettbewerb. Die jährlich ausgetragene Ruderregatta zwischen Harvard und Yale ist immerhin der älteste sportliche Wettkampf zwischen Universitäten in den Vereinigten Staaten. Die beiden Unis konkurrieren aber nicht nur um den schnellsten Studenten-Achter, sondern auch um die besten Studenten und Professoren. Das alles kostet Geld, aber Harvard und Yale besitzen unter den amerikanischen Universitäten mit Abstand die meisten Stiftungsgelder, gefolgt von der kalifornischen Universität Stanford. Die Gelder stammen meist aus Spenden vermögender ehemaliger Studenten oder anderer Mäzene. Eine Ausnahme unter den reichsten Universitäten ist die staatliche Universität von Texas. Diese Uni kam zu Geld, nachdem auf ihr gehörendem Weideland für Rinder Erdöl entdeckt wurde.
Aber Spenden und Öl sind nicht die einzigen Geldquellen, wie im vergangenen Jahr auf einem Empfang der Universität Yale deutlich wurde. Gefeiert wurde dort die zwanzigjährige Betriebszugehörigkeit von David Swensen.
Der Chef des Stiftungsfonds wurde für die gigantisch anmutende Summe von 7,8 Milliarden Dollar geehrt. Das ist die Differenz zwischen der Wertentwicklung des Yale-Fonds unter seiner Führung und dem durchschnittlichen Wachstum aller anderen Universitätsfonds. Swensen hatte in den vergangenen zehn Jahren im Durchschnitt über 17 Prozent Gewinn erwirtschaftet - mehr als alle seine Konkurrenten.
"Der Gewinn von Stiftungsfonds ist eine wichtige Finanzierungsquelle sowohl für private als auch staatliche Institutionen", sagt James Morley, Präsident des Branchenverbandes Nacubo. Der Rest der Uni-Budgets kommt gemeinhin aus Studiengebühren und staatlichen Zuwendungen. Einen begrenzten Teil der Stiftungsgelder nutzen die Unis für den Einkauf teurer Spitzenprofessoren, für die Wartung der Gebäude und für die Unterstützung von Studenten aus finanzschwachen Familien.
Genaue Angaben über die Streuung ihrer Anlagen machen die Universitäten nicht - das wäre ein zu großer Nachteil im Wettbewerb. Aber in den vergangenen Jahren war zu beobachten, daß die Universitäten mit dem meisten Geld auch die größten Renditen erwirtschaften.
Für das im Juni 2005 zu Ende gegangene Fiskaljahr haben die amerikanischen Stiftungsfonds nach Angaben von Nacubo im Durchschnitt eine Rendite von 9,3 Prozent erzielt. Damit lagen sie besser als der Aktienmarktindex S&P 500, der in diesem Zeitraum nur um 6,3 Prozent gestiegen war. Größere Fonds mit einem Volumen über 1 Milliarde Dollar legten aber im Durchschnitt um 13,8 Prozent zu.
Der Grund: Die Giganten unter den Fonds müssen sich nicht mit der Anlage in Aktien und Anleihen bescheiden. Sie können einen größeren Teil ihrer Anlagen in alternative Anlageklassen wie Direktbeteiligungen (Private Equity) oder Hedge-Fonds stecken, also Fonds, die unabhängig vom Trend des Aktienmarkts versuchen, eine hohe Rendite zu erzielen. Über ein Drittel der Gelder war im Fiskaljahr 2005 in Hedge-Fonds, Risikokapitalgesellschaften, Private Equity oder andere alternative Klassen angelegt. Der Fonds von Yale etwa steckte Gelder in die Holzwirtschaft und beteiligte sich an Waldflächen. Fonds-Chef Swensen setzte zudem früh auf Rohstoffe, die in den vergangenen Jahren einen starken Aufschwung erlebten.
Die nordkalifornische Universität Stanford profitierte von engen Verbindungen zur Technologieschmiede Silicon Valley. Die Gründer von Google etwa haben die Technologie der Internetsuchmaschine als Studenten dieser Universität entwickelt. Stanford zog 2005 an den Universitäten Princeton und Texas vorbei und war der am stärksten wachsende Fonds unter den zehn reichsten Universitäten. Auch der Stanford-Fonds profitierte stark von Anlagen in Private- Equity-Fonds, die wegen der geforderten hohen Anlagesummen für finanzschwächere Universitäten oft nicht möglich sind. Ein Großteil seines Gewinns resultierte aus der Anlage in Google. Stanford war über zwei Risikokapitalgesellschaften an Google beteiligt gewesen, die das Unternehmen in seinen Anfängen finanziert hatten.
Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 22.10.2006, Nr. 42 / Seite 53
Bildmaterial: AP, F.A.Z.