FAZ.NET
Investor
Märkte
F.A.Z.-Archiv
Abo

FAZJOB.NET

F.A.Z. Career in Finance Forum

12. Oktober 2008

Mein FAZjob.NET:
FAZJOB.NET
NEU FAZjob.NET - Tour




FAZjob.NET >Beruf und Chance >Campus >

   
 Beruf und Chance 
 
Arbeitswelt
Vergütung
Arbeitsrecht
Neue Köpfe
Personalprofi
Campus
Stellensuche
F.A.Z.-Community
 
   

F.A.Z.-Stellensuche

   (Hilfe)


Unternehmen des Monats


Jobs der Woche

Auslandsstudium

Scheindebatte nach der Rückkehr

Von Judith Weber




02. Dezember 2006 
Seit drei Monaten lebt und studiert die 24 Jahre alte Luzia Kästle in Jouy en Josas, einem Vorort von Paris. Dort studiert sie an einer staatlich anerkannten Hochschule für Wirtschaft und absolviert gemeinsam mit den französischen Studenten Prüfungen in Fächern wie Finance oder Marketing. Auch an der Kölner Universität muß sie solche Kurse belegen. Doch Luzia Kästle rechnet nicht damit, daß ihr die Heimatuni die französischen Scheine anerkennt. Sie wird die Kurse in Köln noch einmal machen und damit wohl ein oder zwei Semester länger studieren müssen.

An manchen Universitäten ist es schwierig, Prüfungsleistungen aus dem Ausland angerechnet zu bekommen. Luzias Kommilitonin Karla Schmidt (Name geändert) kämpfte nach einem Jahr in Bordeaux mehrere Monate lang um die Anerkennung ihrer Scheine. "Akribisch achtete die Uni Köln darauf, daß die Inhalte der Kurse in Frankreich so gut wie hundertprozentig mit denen in Deutschland übereinstimmten. Mehrfach mußte ich die Uni in Bordeaux um ausführliche Kursbeschreibung für die Kölner bitten", sagt die 26 Jahre alte Studentin der Volkswirtschaft.

Übereinstimmung von 75 Prozent

Daß Kurse häufig unterschiedlich aufgebaut sind, war für die Kölner Universität kein Argument. "Wir versuchen nach bestem Wissen abzuklären, ob die Inhalte zu mindestens 75 Prozent übereinstimmen, indem wir Gliederungen der Veranstaltungen vergleichen. Es ist gegebenenfalls die Aufgabe des Studenten, den Nachweis zu erbringen, daß die Grenze von 75 Prozent erreicht ist. Dabei helfe ich ihm, so gut das geht", sagt Johannes Antweiler. Er ist an der Universität zuständig für die inhaltliche Anerkennung von Auslandsscheinen in den Wirtschaftswissenschaften. Weil bestimmte Inhalte in ihren Gliederungen fehlten, bekam Karla Schmidt nur drei von sechs Scheinen anerkannt. Die Folge: Sie studierte ein Semester länger.

Da ist es kein Wunder, daß Studenten auch vor dem Hintergrund von Studiengebühren sorgfältig überlegen, ob sie im Ausland studieren sollen oder nicht. Im Wintersemester 2004/2005 packten gerade mal vier von hundert Studenten ihre Koffer, um in ein fremdes Land zu gehen. Rund 69 000 deutsche Studenten lernen zur Zeit im Ausland, die Zahl ist in den vergangenen Jahren stets gestiegen, aber immer noch überschaubar. Von ihnen reisten 16 Prozent nach Großbritannien. In die Vereinigten Staaten gingen 12,5 Prozent. An einer niederländischen Hochschule studierten 11,8 Prozent. Selten wagte ein Student den Sprung nach Australien, hier waren es nur 3,4 Prozent. Noch geringer ist das Interesse an China. Ins Reich der Mitte gingen 1,9 Prozent.

Je exotischer der Hochschulort und vor allem die Sprache ist, um so schwieriger ist es, transparente Nachweise über die Studienleistungen mit nach Hause zu bringen. Auch wenn die meisten Hochschulen ihre Studienpläne mittlerweile auf das internationale Kreditpunktesystem umgestellt haben - über den Inhalt der Kurse verraten diese Punkte nichts. Vielmehr geben sie eine Auskunft über den formalen Aufbau der einzelnen Kurse: wie viele Vorlesungen im jeweiligen Fach zu besuchen waren, wie lange die Prüfung dauerte oder wie viel Zeit der Student außerhalb der Uni in das Studium zu investieren hatte. Je intensiver der Kurs, desto mehr Punkte sind ihm zugeordnet.

Christine Rösch hatte bei der Anerkennung ihrer im Ausland erworbenen Leistungsnachweise Glück. Sie studiert Betriebswirtschaft, hat einen stattlichen Teil ihres Studiums in Madrid absolviert und bekam alle sechs Scheine, die sie an der spanischen Universität erlangt hat, an ihrer Heimatuniversität Trier anerkannt. Und zwar ohne große bürokratische Hürden. 13 Scheine fordert die Trierer Uni im Hauptstudium insgesamt. "Natürlich sind die Inhalte der Kurse nicht genau gleich", sagt die 27 Jahre alte Studentin, "ich habe auch einen Schein in Rechnungswesen anerkannt bekommen, der relativ wenig mit dem entsprechenden Kurs in Trier zu tun hatte. Das finde ich nicht schlimm. Dafür mußte ich ja alles auf spanisch machen." Martin Jäger, in Trier zuständig für die Anerkennung der Auslandsscheine, erklärt: "Wir möchten, daß unsere Studenten im Ausland im gleichen Umfang studieren können, wie sie es in einem Semester in Trier getan hätten. Sie sollen auf keinen Fall durch das Auslandsstudium ein Semester verlieren." Die Großzügigkeit bei der Anerkennung der Scheine hat sich herumgesprochen. Christine Rösch sagt: "Bei uns hieß es immer, wenn dir der Schein in Trier zu schwer ist, dann mach ihn im Ausland, da ist er leichter."

Ein Schein, zwei Noten

"Von leicht kann keine Rede sein", sagt dagegen Kirsten Hollmann. Die 26 Jahre alte Architekturstudentin aus Weimar erwarb an der Universität von Venedig Scheine und mußte für die Anerkennung der Kurse einige Lauferei in Kauf nehmen. "Ich mußte jeden meiner Entwürfe vor dem entsprechenden Prof. noch einmal präsentieren." Bei fünf Scheinen geht da wertvolle Zeit für das eigentliche Studium drauf. "Ein Prof. hat meine Note einfach herabgesetzt. Das finde ich unverschämt", entrüstet sich Kirsten Hollmann. Ihr Entwurf entspreche nicht dem deutschen Standard, lautete die Begründung des Professors. Die Studentin findet: "Das ist Quatsch. Ich mußte den Entwurf ja so machen, wie er in Italien gefordert wurde, damit ich dort eine gute Note bekomme, und nun wird mir die Note hier wieder aberkannt." Denn auch bei der Notenanerkennung unterscheiden sich die Hochschulen immens. Während die eine Hochschule die im Ausland erworbenen Noten einfach übernimmt, setzen andere sie herab oder stufen sie herauf.

Den Königsweg wählte Julia Hennemann. Sie studierte an der Universität Passau Kulturwissenschaften im Doppelstudiengang mit der Uni in Straßburg. Der Vorteil: Zwischen den beiden Partneruniversitäten bestehen Äquivalenzabkommen. Prüfungsleistungen werden gegenseitig ohne bürokratische Hürden anerkannt. "Ich mußte keine Gliederungen der Veranstaltungen sammeln und auf die Anerkennung hoffen. Das ging alles automatisch." Ohne Doppelstudium hätte die 25 Jahre alte Studentin beim Zentralen Prüfungsamt einen Antrag stellen müssen, der dann an einzelne Prüfungsausschüsse weitergegeben worden wäre.

Jeder Ausschuß hat andere Kriterien

"Eine einheitliche Anerkennungspraxis ist bei uns nicht gegeben", erklärt Gertraud Eckmüller-Schiestl, Leiterin des Zentralen Prüfungssekretariats der Universität Passau, "jeder Prüfungsausschuß legt andere Kriterien bei der Anerkennung zugrunde." Julia Hennemann hat jetzt hingegen einen Doppelabschluß in der Tasche, denn sie ist Diplom-Kulturwirtin und hat zugleich das "Diplôme d'Université de seconde cycle en relations internationales" der Universität in Straßburg erworben.

Stefan Böhr studiert Medizin. Er hat die langjährige Kooperation der Universität in Homburg an der Saar mit dem Karolinska Institut in Stockholm genutzt. "Die besteht schon seit etlichen Jahren, der Koordinator der Uni in Hamburg kennt seinen Kollegen in Stockholm persönlich. Noch dazu ist die Uni in Stockholm so etwas wie die Charité in Deutschland. Wer einen Schein von dort in der Tasche hat, hat kein Problem mit der Anerkennung." Weil die Kooperation der beiden Hochschulen seit Jahren besteht, steht schon vor dem Auslandsjahr auf einer Liste, welche Kurse anerkannt werden und welche nicht. "So macht ungefähr jeder Student die gleichen Scheine", sagt der 28 Jahre alte Böhr. Er ist davon überzeugt, daß die Anerkennung seiner Scheine bei einer anderen ausländischen Uni nicht so problemlos verlaufen wäre. "Viele meiner Freunde mußten für die Anerkennung ihrer Scheine viel mehr kämpfen als ich."

Bei den Juristen wird es noch komplizierter. Jedes Land hat sein eigenes Rechtssystem, welches die Studenten an der Uni lernen. So hat auch der 24 Jahre alte Matthias Bleidiesel, Student an der Uni Münster, in seinem Auslandssemester an der Universität in Sheffield das englische und nicht das deutsche Rechtssystem gelernt. "Anerkennen lassen habe ich mir deshalb nichts. Beim englischen Common Law System ist auch alles anders als im deutschen Recht", sagt der Jurastudent. Auch die anderen deutschen Kommilitonen, die mit ihm in Sheffield studiert haben, haben ihre Scheine in Deutschland noch einmal gemacht. "Ich war vor allem im Ausland, um die Sprache zu lernen und mal ein anderes Rechtssystem zu erkunden", sagt Matthias Bleidiesel, "ein Auslandsstudium hat bei Jura eher etwas mit dem Blick über den Tellerrand zu tun."

Vorab recherchieren

Um sicherzugehen, daß die heimische Universität in Deutschland Scheine aus dem Ausland anerkennt, ist es ratsam, folgendes im voraus zu beachten:

1. Möglichst schon im Vorfeld ein Vorlesungsverzeichnis, Gliederungen oder Inhaltsangaben der Kurse im Ausland beschaffen. Die Heimatuni kann schon vor dem Auslandsaufenthalt sagen, welche Kurse anerkannt werden können und welche nicht.

2. Häufig gibt es zwischen Partneruniversitäten Äquivalenzabkommen über die Anerkennung der Leistungen. Wer eine andere Universität wählt, hat es später häufig schwerer. Das sollten schon Erstsemester bedenken.

3. Einige Universitäten in Deutschland bieten Studiengänge mit integriertem Auslandsstudium an. Dabei ist die Anerkennung der Auslandsscheine unproblematisch und von vornherein gesichert.

4. Verschiedene Programme wie beispielsweise das Sokrates/Erasmus Programm des DAAD können bei der Anerkennung der Auslandsscheine helfen. Nachfragen lohnt sich, denn einige Universitäten verfahren bei diesen Programmen großzügiger.

5. Seit November tourt ein Infomobil des DAAD und des Bundesministeriums für Bildung und Forschung durch die Universitätsstädte, um über Auslandsstudien zu informieren. Weitere Auskünfte gibt es unter www.go-out.de

Text: F.A.Z., 02.12.2006, Nr. 281 / Seite C8
Bildmaterial: F.A.Z. - Tresckow
 
 
Lesermeinungen zum Beitrag [3]
Jura im Ausland wunderbar 03.12.2006, 03:02
Kann mich nur anschließen 02.12.2006, 23:03
Trifft absolut zu 02.12.2006, 09:58
 
   
 Zum Thema 
 
Kalamazoo statt Yale
"Die Lebensart hat fast etwas Südländisches"
 
   
   
 Artikel-Service 
 
Seite drucken
Versenden
Lesezeichen
Vorherige Seite
 
   
   
 Neue Köpfe 
   
 
Böhme leitet LBBW-Tochter in Peking  
 
   
     
  FAZ JOB-Blog  
 
Per Anhalter durch die Arbeitswelt
 
 
 
 
 
Karriere im Takt
 
 
 
 
 
Coach Me If You Can
 
     
 





Impressum  |  Datenschutzerklärung  |  Nutzungsbedingungen  |  Preise  |  Über uns

Alle freien Jobs und Stellen  |  Stellenangebote nach Firmen und Unternehmen  |  Vorteile auf einen Blick  |  FAZjob.NET - Tour