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Lesermeinungen zum Beitrag
Ganz richtig, machen wir uns nichts vor, Herr Oke...
20.03.2008, 20:57
...Fremdsprachen zu erlernen ist ebenso schwer, auch dafür muss man richtig pauken: Vokabeln, Grammatik, unregelmäßige Verben, Phrasen der Umgangssprache. Nur hat es damit den Anschein, daß sich die Schüler hier leichter tun. Vielleicht hat das etwas mit gesellschaftlicher Akzeptanz zu tun, ich weiß es nicht. Jedenfalls scheint es heute die Standardaussage eines jeden deutschen (Pseudo-)Intellektuellen zu sein, im Mathematikunterricht ein Totalversager gewesen zu sein. - Hahaha, der Brüller auf jeder Party, Prösterchen, noch einen Prosecco, vielleicht?



Über Kenntnisse in den Naturwissenschaften zu verfügen, ist - gesellschaftlich gesehen - total uncool. Befragen Sie dazu sie gesamte Fernsehprominenz.



Technik? - Igittigitt, sie hat unauffällig im Hintergrund zur Verfügung zu stehen, aber sich damit auseinandersetzen? - Ich bitte Sie!



Das scheint die weitverbreitete Denkungsart in Deutschland zu sein, einem Land, das wie kaum ein anderes auf sein Können im technischen Bereich angewiesen ist, als sogenannter "Exportweltmeister". Mit launigen Prosecco-Sprüchen wurde das allerdings nicht erreicht. Wundert es da eigentlich noch jemanden, daß es mit diesem Land rapide abwärts geht.
 
Machen wir uns doch nichts vor...
20.03.2008, 14:36
...Mathe ist schwer, dafür muss richtig pauken (mal abgesehen von den 2% Geeks, die das von alleine können).



Auf Pauken haben aber nicht viele Leute Lust, deswegen studieren viele dann lieber irgendwelche Pseudowissenschaften (von Feynman liebevoll "Cargo-Cult-Science" genannt) und zeigen dann hinterher mit dem Finger auf die anderen, die nach ihrer Quälerei Arbeit haben und gutes Geld verdienen. Irgendwer anders ist eben immer schuld, dass die arme Literaturwissenschaftlerin der späten Frühromantik des ausgehenden 13. Jahrhunderts weniger verdient als der Elektroingenieur. Sei es das System, der böse Prof oder eben das Patriadings. Wie ungerecht!



War diese Woche doch bereits wieder schön auch in dieser Zeitung zu sehen.

 
@Herrn Hoffmann
20.03.2008, 13:52
Ihre so leidenschaftlich vorgetragene Aussage ist grundsätzlich falsch. Jeder Schüler, der mit dem Abitur die allgemeine Hochschulreife erwirbt, sollte sich mit Algebra und Analysis auskennen. Ohne solche Kenntnisse bräuchte er nämlich ein Studium in den Natur- oder Ingenieurwissenschaften erst gar nicht zu beginnen. Ohne die Fähigkeit, Funktionen differenzieren oder integrieren zu können, kämen Sie (etwa in meinem Fach, der Elektrotechnik) nicht mal in den Grundlagenvorlesungen zurecht, geschweige denn in solchen, wo\'s dann ans "Eingemachte" geht. So etwas zähle ich zum Handwerkszeug eines Studienanfängers, und es wäre eine Zumutung für die Hochschulen, Studienanfängern solches schulische Handwerkszeug erst beibringen zu müssen. Sollte das heutzutage die Regel sein, daß die Universitäten gezwungen sind, ihren Studenten solche einfachen schul-mathematischen Kenntnisse erst beibringen zu müssen, wundert es mich nicht, daß die Hochschulausbildung, auch im Hinblick auf die verkürzten Studiengänge (BA und MA) immer weniger wert ist.
 
"in Mathe war ich immer schlecht"
Ich möchte meinem Kollegen Herrn Hofmann insoweit

widersprechen, dass man im BWL-Studium durchaus

höhere Mathematik gebrauchen könnte, sei es die

mehrdimensionale Analysis für Optimierungsaufgaben,

seien es stochastische Prozesse oder Spieltheorie.



Ursache der Misere ist m.E. nach eher, dass BWL

oft als "Standardstudium" gewählt wird, wenn man

eigentlich nur eine kaufmännische Berufsausbildung

möchte und ausserdem Mathematik spätestens in der

10. Klasse abgewählt hat.



Das erste Motiv erklärt die Begeisterung für immer

kürzere "Studiengänge", die immer inhaltsfreier zum

ersehnten akademischen Titel auf der Visitenkarte

führen sollen. Mit dem Fachhochschulvordiplom als

"Bachelor der University of Applied Sciences" ist

(vorerst) der Tiefpunkt erreicht. Das nannte man

früher Bürokaufmann.



Das zweite Motiv erklärt die Präferenz vieler

BWL-Studenten für "irgendwas mit Marketing"

(als ob das nichts mit z.B. Statistik zu tun hätte)

denn, wie Beutelspacher sagen würde, "in Mathe

war ich immer schlecht". Anschließend sind die

Professoren gezwungen, den Rechenstoff der Mittel-

schule an der Universität nachzuholen, die dafür

verwendete Zeit fehlt für den Erwerb des echten

Hochschulwissens.
 
Begabtenförderung
13.03.2008, 17:49
Mathematik, richtig gelehrt, ist sicherlich am besten geeignet, das logische Denken von Schülern zu fördern. Speziell jene 2% der Schüler, die man gemeinhin als hochbegabt bezeichnet, und die im herkömmlichen Schulsystem unterfordert werden, brauchten einen anspruchsvollen Mathematikunterricht.

Ab einem gewissen Alter, meiner Ansicht nach 14 Jahre, scheint mir dann ein (partielles) Universitätsstudium die adäquate Förderung zu sein. Als sog. Schülerstudenten können begabte Schüler schon seit einigen Jahren an deutschen Universitäten Anfängervorlesungen besuchen, wobei diese Studienleistungen später bei einem regulären Studium anerkannt werden, doch richtet sich dieses Angebot zur Zeit nur an Schüler, die ein oder zwei Jahre vor dem Abitur stehen. Hinzu kommt, daß die neuen Bachelorstudiengänge mit Blick auf die mittelmäßigen Studenten konzipiert worden sind, so daß begabte Studenten oder Schülerstudenten sich langweilen werden. Ich bedaure jeden guten Studenten, der die künftigen Anfängervorlesungen über sich ergehen lassen muß.

Als Abhilfe sollte man spezielle anspruchsvolle Vorlesungen für gute Studenten und Schüler anbieten.
 
Warum nur Berlin?
13.03.2008, 11:16
Der Autor hätte sich die Mühe machen können, in allen ostdeutschen Bundesländern nachzufragen, was aus den math.-nat. Spezialschulen bzw. -klassen geworden ist. Das Ergebnis wäre eine interessante Übersicht über das Spektrum der math. Begabtenförderung an Schulen gewesen, sowie Lektionen über den Einfluss politischen (Un-)Willens; gerade die westdeutsche Kultusbürokratie, die nach der Wende den Osten heimsuchte, machte es den Spezialschulen schwer. Heute sind die meisten Kultusministerien ja konstruktiver; auch die Bundesländer mit Abitur nach zwölf Schuljahren haben ihre Lösungen gefunden.
 
Mathematikstudium
13.03.2008, 10:29
Mathematik in der Schule ist keine Mathematik sondern Rechenkunst, mehr nicht.

Ein Mathematikstudium hat mit Schulmathematik so viel zu tun wie Fahrradfahren und Kuchen backen.

Man braucht noch nicht einmal das kleine 1x1 auswending zu können, geschweige denn Dreisatz oder Prozentrechnung oder solche "Fertigkeiten". Ich habe im meinem Mathestudium nur mit 0,1,x,e,i,und n genug Zahlen. Mehr braucht man nicht :-)

Statt die Schüler auf ein Mathestudium vorbereiten zu wollen, sollte man lieber einfach nur "normales Rechnen" 13 Jahre lang durchexzessieren im Standard-Matheunterricht.
Das würde den meisten Leuten ausreichen in Ihrem Leben, selbst BWLer brauchen nicht mehr.

Und für die interessierten, die etwas abstrakter Denken wollen und können sollte freiwillig es ein richtiges Mathematik-Fach geben, mit Analysis, Algebra, Topologie, Logik etc.

7 Lesermeinungen
   
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