FAZ.NET
Investor
Märkte
F.A.Z.-Archiv
Abo

FAZJOB.NET

FAZjob.NET Ingenieur-Channel

28. August 2008

Mein FAZjob.NET:
FAZJOB.NET
NEU FAZjob.NET - Tour




FAZjob.NET >Beruf und Chance >Campus >

   
 Beruf und Chance 
 
Arbeitswelt
Vergütung
Arbeitsrecht
Neue Köpfe
Personalprofi
Campus
Stellensuche
F.A.Z.-Community
 
   
   
 Umfrage 
   
 

Ehrenkodex für deutsche Studenten - ist das nötig?

Ja, der Erfolg gibt den Amerikanern Recht
Nein, lieber schummeln als einander bespitzeln
Ja, Werte und Tugenden sollten eine größere Rolle spielen
Nein, eine Selbstverpflichtung bringt überhaupt nichts
Abstimmen 
 
   

F.A.Z.-Stellensuche

   (Hilfe)


Unternehmen des Monats

Akademiker und Spitzensport

Examen statt Medaille

Von Yvonne Wagner




18. Juni 2008 
Jung, dynamisch, erfolgreich - und arbeitslos? Tobias Schadewaldt ist in diesem Jahr besonders bewusst geworden, dass er zum Leben mehr braucht als nur den Spitzensport. Der 23 Jahre alte Segelsportler hat bei der Weltmeisterschaft im Februar die Olympiaqualifikation verpasst. Vier Jahre hatte er sich auf Olympia vorbereitet. Rund 200 Tage im Jahr verbrachte er währenddessen im Ausland, in Trainingslagern und bei Regatten. Etwa 24 Wochenstunden umfasste sein Segel-, Kraft- und Ausdauertraining. Dazu kam die Zeit, die er für den Auf- und Abbau seines Bootes und Reparaturen benötigte. Und obwohl ihn seine Sportart so beansprucht hat, schaffte er es noch, nebenbei an der Carl-von-Ossietzky-Universität in Oldenburg Betriebswirtschaftslehre zu studieren.

"Erst nach meinem Scheitern ist mir klargeworden, wie wichtig mein Studium ist", sagt er heute. "Ich war zwar enttäuscht, aber ich stand nicht mit leeren Händen da." Denn sein Leben bietet ihm nun neben dem Sport auch berufliche Perspektiven. Das liegt auch an seinem Studienort. Denn die Uni Oldenburg ist neben der Fachhochschule Ansbach die einzige Hochschule in Deutschland, die ein speziell auf Leistungssportler zugeschnittenes Wirtschaftsstudium anbietet. Das berufsbegleitende Studium ist darauf ausgerichtet, den individuellen Ansprüchen der Spitzensportler gerecht zu werden.

Marktlücke entdeckt

Arbeitslos? Tobias Schadewaldt hat die Olympiaqualifikation verpasst

Die Unis haben mit ihrem seit zwei Jahren bestehenden Angebot eine Marktlücke entdeckt. Für Arnulf Rücker, den Laufbahnberater am Olympiastützpunkt Hessen in Frankfurt, war das ein überfälliger Schritt. Rücker ist seit 1988 für die "duale Karriereplanung" von Spitzensportlern zuständig. Dabei arbeiten er und seine Kollegen an den 20 deutschen Olympiastützpunkten darauf hin, dass die Athleten ihre sportliche und berufliche Ausbildung gleichmäßig vorantreiben. Sie helfen bei der Studienwahl, knüpfen Kontakte zu Unternehmen oder Hochschulen und vermitteln in Konflikten mit Lehrern, Professoren oder Vorgesetzten. "Sport und Bildung müssen kompatibel sein", fordert Rücker. Seiner Ansicht nach haben sich die Hochschulen in den vergangenen fünf Jahren besser auf die Bedürfnisse von Spitzensportlern eingestellt. "Die Sportförderung stützt sich nun auf drei Säulen: den öffentlichen Dienst mit Bundeswehr, Polizei und Zoll, die Wirtschaft und das Schul- und Hochschulwesen. Wobei sich die Hochschulen in der Förderung der dualen Karriere zum wichtigsten Standbein entwickelt haben."

Die Kombination von Spitzensport und Studium ist offenbar ausgesprochen attraktiv: Etwa 60 Prozent der sportlichen Leistungsträger erwerben eine Hochschulzulassung, rund 800 Kaderathleten aus olympischen und nichtolympischen Disziplinen sind derzeit an Deutschlands Hochschulen eingeschrieben. Sie können mittlerweile aus Studiengängen an mehr als 160 sogenannten "Partnerhochschulen des Spitzensports" wählen. Diese Studiengänge sind auch für andere Studenten zugänglich, für Leistungssportler ist das Studium jedoch flexibler gestaltet.

Prüfungen um die sportlichen Termine herumgelegt

"Erst nach meinem Scheitern ist mir klargeworden, wie wichtig mein Studium ist"

Sobald ein Athlet zu einem solchen Studiengang zugelassen ist, nimmt sein Laufbahnberater Kontakt mit dem persönlichen Mentor aus dem Fachbereich auf, der den Athleten dann bei strukturellen Problemen unterstützt. Zu Semesterbeginn muss deshalb die Wettkampf- und Trainingsplanung vorliegen, damit Lehrveranstaltungen und Prüfungen um die sportlichen Termine herumgelegt werden können. Dafür haben sich die Professoren an den Partnerhochschulen bereit erklärt, alternative Klausurtermine anzubieten sowie Praktika oder Anwesenheitszeiten nach den Terminkalendern der Sportler auszurichten und ihnen Urlaubssemester zu gewähren. Die qualitativen Ansprüche des Studiums jedoch muss ein Spitzensportler genauso erfüllen wie ein ganz normaler Student - auf seinen vielen Auslandsreisen hatte Tobias Schadewaldt deshalb zum Büffeln auch immer seine Bücher dabei.

Bei Trainingszeiten von bis zu sechs Stunden am Tag - manchmal mehr, je nach Sportart und Trainingsphase - sind viele Sportler auf die beschriebenen Privilegien angewiesen, um sich auf ihre berufliche Zukunft vorbereiten zu können. Das haben auch die Kultusministerkonferenz, die Sportministerkonferenz, der Deutsche Olympische Sportbund und die Hochschulrektorenkonferenz in einer gemeinsamen Erklärung festgehalten: Spitzensportler brauchten diese Hilfen, da es für die meisten von ihnen unmöglich sei, mit dem Sport ihren Lebensunterhalt zu sichern. Überdies liege ihre Förderung im öffentlichen Interesse, da die Athleten mit ihrem Auftreten und ihren Leistungen Deutschland international repräsentierten. "Außerdem", fügt Arnulf Rücker hinzu, "entwickeln diese jungen Menschen durch ihre Tätigkeit ein Humankapital, auf das unsere Gesellschaft nicht verzichten kann. Sie sind zielstrebig, teamfähig, zuverlässig, vertrauenswürdig und gut organisiert. Und das sind genau die Qualitäten, die in der Wirtschaft gefragt sind."

Ein Siegel garantiert keinen Service

Ob und wie die spezielle Förderung umgesetzt wird, hängt aber von den beteiligten Personen ab. Allein das Siegel "Partnerhochschule des Spitzensports" garantiert noch keinen perfekten Service für den Athleten. "Eine Sportlerkarriere muss immer individuell geplant werden", sagt Rücker. Dabei sei vor allem das Engagement des Sportlers gefragt. "Der Schlüssel ist der Athlet selbst. Wer Studium und Spitzensport erfolgreich verbinden will, muss kommunizieren." Das gilt umso mehr, als die Empfehlungen der Sportorganisationen und Gremien für die Hochschulen keine Gesetze sind. Es handelt sich schlicht um Idealvorstellungen.

Wo Olympiastützpunkt und Hochschule kooperieren, besteht zwischen ihnen ein Rahmenvertrag, in dem die Punkte festgelegt sind, die dem Sportler helfen sollen, sein Studium erfolgreich abzuschließen. Einen solchen Vertrag hat zum Beispiel die Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt unterzeichnet, an der rund 30 Athleten nach Arnulf Rückers Einschätzung unter "beispielhaften Bedingungen" studieren. Ähnlich läuft es an der Technischen Fachhochschule Berlin, die mit rund 40 Kaderathleten aufwartet. Der Ruderer Karsten Brodowski ist einer von ihnen. Er studiert im sechsten Semester Maschinenbau, hat aber eigentlich erst 60 Prozent seiner nötigen Nachweise geschafft. "Dafür habe ich einen Notenschnitt von 2,1", berichtet der 2,05 Meter große Hüne. Er spüre den Druck. "Jedes Semester muss man neu planen und hoffen, dass alles passt. Die Familie kommt zu kurz. Und wenn man eine Freundin hat, die alles mitmacht, hat man Glück."

Ein Kontingent für Kaderathleten?

Derzeit wird diskutiert, ob an den Partnerhochschulen in zulassungsbeschränkten Studiengängen ein gewisses Kontingent für Kaderathleten reserviert werden soll - im Gespräch sind etwa 0,2 Prozent der 1,9 Millionen Studienplätze. "Wenn der deutsche Spitzensport international weiterhin erfolgreich sein soll", argumentiert Laufbahnberater Rücker, "muss man das fordern." Die Gewissheit, den gewünschten Studienplatz an einer Hochschule in der Nähe des Trainingsorts zu erhalten, werde die Athleten entlasten, sie könnten sich dann besser auf ihre sportlichen Leistungen konzentrieren. Noch hat die Kultusministerkonferenz ihre Beratungen über eine derartige Quote nicht abgeschlossen. "Wir können aber bereits in der jetzigen Situation die Bedürfnisse der meisten Athleten berücksichtigen", sagt Hubertus-Michael Hübenthal, Referatsleiter im hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst. Beispielsweise sei es möglich, wegen des enormen zeitlichen Aufwands im Leistungssport für die Vergabe von Studienplätzen die Abiturnote anzuheben oder Wartezeiten auf Antrag zu verkürzen. "Im Prinzip könnten die Hochschulen heute schon in ihrem Vergabeverfahren außerschulische Leistungen berücksichtigen. Viele trauen sich aber nicht und warten lieber auf eine Rechtfertigung durch den Bescheid der Kultusministerkonferenz", sagt Hübenthal.

Sportler im Studium

  • An den „Partnerhochschulen des Spitzensports“ werden Sportler aus A-, B- und C-Kadern gefördert. Das sind die Athleten, die bei Olympischen Spielen, Europa- und Weltmeisterschaften starten oder Nachwuchssportler sind.
  • Mit zehn bis zwölf Millionen Euro im Jahr unterstützt außerdem die Deutsche Sporthilfe rund 3800 Sportler aus etwa 50 Disziplinen. 25 Prozent der Mittel werden für Schule, Ausbildung und Beruf verwendet, unter anderem in Form von Nachhilfe, Medienseminaren oder Studienbeihilfen. In diesem Jahr stellt die Bundesregierung der Sporthilfe erstmals eine Million Euro zur Verfügung, die vorrangig für die duale Karriereplanung von Sportlern verwendet werden soll.
  • Die besonderen Programme der Hochschulen erfordern keine Sondermittel, da sie allein auf dem Engagement der Hochschulen und Professoren beruhen.

Eine Auswahl bekannter Sportler, die zurzeit an deutschen Hochschulen eingeschrieben sind:

Fußballtorwart Hans-Jörg Butt (BWL, Uni Oldenburg)

Schwimmer Helge Meeuw (Medizin, Uni Frankfurt)

Biathletin Kati Wilhelm (Internationales Management, FH Ansbach)

Fechterin Britta Heidemann (Chinesische Regionalwissenschaften, Uni Köln)

Mehr zum Thema im Netz auf der Seite: www.hochschulfuehrer-spitzensport.org

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: EWA/N. Krauss, privat, Tresckow
 
 
   
 Zum Thema 
 
Karrierewege: Ein Leben nach dem Sport
 
   
   
 Artikel-Service 
 
Seite drucken
Versenden
Lesezeichen
Vorherige Seite
 
   
   
 Neue Köpfe 
   
 
Bischoff neuer Geschäftsführer von Seiko Optical Europe  
 
   
 
 





Impressum  |  Datenschutzerklärung  |  Nutzungsbedingungen  |  Preise  |  Über uns

Alle freien Jobs und Stellen  |  Stellenangebote nach Firmen und Unternehmen  |  Vorteile auf einen Blick  |  FAZjob.NET - Tour