20. Juni 2008 Nur Hessen bleibt eine Ausnahme. Gerade hat der Landtag in Wiesbaden die Studiengebühren für die Hochschulen des Landes wieder abgeschafft. Auch wenn das Landesverfassungsgericht gerade beschlossen hat, dass sie rechtens sind. In den sechs anderen Bundesländern, in denen Studenten zahlen müssen, wird es die Studiengebühren aber weiter geben. Nur Hamburg will sie zumindest senken.
Viele Studenten müssen sich also überlegen, ob sie die Kosten von meist 500 Euro je Semester - oder 83 Euro im Monat - noch aus eigener Tasche finanzieren können. Und es geht nicht nur um diese Gebühren: Auch die Preise für Miete, Lebensmittel und öffentliche Verkehrsmittel haben sich erhöht, die Lebenshaltungskosten sind also auch für Studenten teurer geworden - und treiben die Studienkosten insgesamt in die Höhe. Im Jahr 2006 gaben Studenten, die auswärts studieren, im Schnitt 740 Euro monatlich aus, und Studenten, die noch bei den Eltern wohnen, immerhin 330 Euro. In neun Semestern summiert sich das auf 40 000 Euro beziehungsweise rund 18 000 Euro. Diese Summe steigt, denn die Studenten gehen immer häufiger für ein paar Monate ins Ausland. Das ist noch teurer.
Studienkredite werden immer beliebter
Weil viele Studenten - und deren Eltern - das nicht mehr selbst aufbringen können, bieten immer mehr Banken und auch der Staat Studienkredite an. Sie werden immer beliebter: 2007 hat sich deren Zahl auf 230 000 verdoppelt. Anders als beim Konsumentenkredit, der einmalig eine Summe auszahlt, den aber Studenten mangels Bonität oft nicht erhalten, bekommen sie beim Studienkredit jeden Monat einen festen Betrag, der zwischen 300 und 1500 Euro liegen kann. Nach dem Examen läuft eine Schonfrist von bis zu zwei Jahren. Danach beginnt die Rückzahlung.
Die Zinsen liegen zwischen 5 und 9 Prozent. Deshalb erscheint es auf den ersten Blick ziemlich teuer, das Studium auf Pump zu finanzieren. Wer 6 Prozent Zinsen zahlt und nur 10 Jahre für Studium plus Rückzahlung veranschlagt, der muss bei einer Kreditsumme von 40.000 Euro mehr als 60.000 Euro abstottern. Das ist angesichts der Einstiegsgehälter von 40.000 Euro für Akademiker ziemlich viel. Doch auf den zweiten Blick lohnen sich Kredite fast immer.
Was ist die Alternative?
Denn was ist die Alternative? Zuerst wenden sich Studenten gerne an ihre Eltern. Die wären ja laut Gesetz zu 640 Euro Unterhalt pro Monat verpflichtet. Doch welche Quelle zapfen die Eltern an? Entweder sie nehmen selber einen Kredit auf oder gehen an ihre Ersparnisse. Ökonomisch vernünftig ist das nicht, denn Aktien bringen langfristig mehr Rendite, als der Zins kostet. Alternativ könnten Hochschüler während des Studiums arbeiten gehen. 60 Prozent tun das auch und verdienen damit rund 300 Euro im Monat. Doch wenn sich durchs Jobben das Studium verlängert, geht die Rechnung nicht mehr auf: Wer ein Jahr später in den Beruf einsteigt, verliert ein ganzes Jahresgehalt. Das entspricht ziemlich genau den gesamten Studienkosten. Davon kann man viel Zins zahlen.
Ganz unsinnig ist Jobben im Studium aber nicht, nur sollte es sich eben nicht aufs Kellnern beschränken. "Sinnvoll ist es, wenn es für den künftigen Beruf nützt. Etwa weil es Erfahrungen vermittelt und Türen öffnet", sagt Ulrich Müller, der den jährlichen Studienkredit-Vergleichstest des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) verantwortet. "Das kann den Berufeinstieg beschleunigen oder einen besser dotierten Arbeitsplatz bringen. Dann wäre es sogar vertretbar, wenn sich das Studium dadurch etwas verlängert."
Eine günstige Alternative zum Studienkredit wäre das Bafög. "Das sollte sich niemand entgehen lassen, denn 50 Prozent schenkt einem der Staat, und die andere Hälfte ist zumindest zinslos", sagt Achim Meyer auf der Heyde, Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks. Gezahlt werden bis zu 585 Euro, ab Oktober 643 Euro. Bafög setzt aber ein geringes Einkommen der Eltern voraus.
Den Studienkredit kann aber jeder aufnehmen, auch wenn die Eltern mehr Geld verdienen. Ein Studium aus Kredit zu finanzieren lohnt sich auch; zumindest in den Wirtschaftswissenschaften, bei technischen Abschlüssen, in Medizin und Jura kann man es direkt beziffern: "Das Gehalt ist in diesen Fächern nach dem Examen deutlich höher als ohne. Nach dem 50. Lebensjahr rechnet sich die Finanzierung für die Akademiker", hat Kolja Briedis, Projektleiter für Absolventenstudien des Hochschulinformationssystems (HIS), errechnet. Bei anderen Fächern dauert es länger.