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Förderprogramme Kampf dem Nachwuchsmangel Von Philip Eppelsheim
Junge Leute wissen in Deutschland zu wenig über Computer, klagt die IT-Branche - auch weil sie sich um den eigenen Nachwuchs sorgt. Abhilfe schaffen sollen Kooperationen mit Hochschulen und Schulen. Ein Blick auf die Förderprogramme von sechs großen IT-Unternehmen. IBM-Mitarbeiter lehren an deutschen Hochschulen Mehr als 1700 Institutionen beteiligen sich an der "IBM Academic Initiative". Deren Lehrende, Studenten und Schüler können kostenlos IBM-Software und Lehrmaterial nutzen. Die "Center of Advanced Studies" ermöglichen Professoren und Studenten Kontakt zu IBM-Entwicklern. Zudem lehren rund 170 IBM-Mitarbeiter an akademischen Einrichtungen. Gemeinsam mit Hochschulen will IBM seine Erkenntnisse aus Informatik, Ingenieurwesen, Business Strategy, Betriebswirtschaft und den Sozial- und Kognitionswissenschaften in einer neuen wissenschaftlichen Disziplin zusammenbringen. Im Januar 2008 unterzeichneten IBM und die Universität Karlsruhe deshalb einen Vertrag zur Gründung des "Karlsruhe Service Research Institutes". Wichtiger Bestandteil: Die Forscher von IBM sollen eng mit Wissenschaftlern der Universität zusammenarbeiten. Dafür finanzieren Universität und IBM jeweils eine neue Professur. Weiterhin bietet IBM mit dem Praktikumsprogramm "Extreme Blue" Studenten die Möglichkeit, in kleinen Teams Produkte für die IT-Industrie zu entwickeln. Die Gruppen arbeiten etwa elf Wochen in einem Forschungszentrum und erhalten einen Mentor. Außerdem vergibt das Unternehmen Preise und Stipendien: Der Forschungspreis "IBM Faculty Award" beispielsweise wird für Arbeiten von Wissenschaftlern vergeben, deren Ergebnisse für die Entwicklung der IT-Industrie von Bedeutung sind. Die Telekom-Stiftung fördert die ganz Kleinen Seit November 2003 gibt es die Deutsche-Telekom-Stiftung zur Förderung von Bildung, Wissenschaft und Forschung in den Disziplinen Mathematik, Naturwissenschaften und Technik. Die Stiftung kooperiert unter dem Motto "Früh übt sich" mit Kindertageseinrichtungen und Grundschulen und unter dem Titel "Begeisterung macht Schule" mit weiterführenden Schulen. Dazu gehören unter anderem die Junior-Ingenieur-Akademie und Schüleruniversitäten. 1996 hat die Telekom gemeinsam mit dem Bundesbildungsministerium den Verein "Schulen ans Netz" gegründet. Die Initiative zur Förderung der digitalen Medien in der Schule bietet Internetdienste, Veranstaltungen, Beratungs- und Qualifizierungsangebote an. Die Stiftung vergibt außerdem Doktorandenstipendien und richtet Lehrstühle ein, an der Freien Universität in Berlin etwa den Lehrstuhl "Wertschöpfungsorientiertes Wissensmanagement". Zudem ist die Telekom Gründungsmitglied des "Vereins mathematisch-naturwissenschaftlicher Excellence-Center an Schulen". Derzeit gehören dem Netzwerk 83 Schulen in 15 Bundesländern an. Die Telekom-Hochschule für Telekommunikation gibt es schon seit 1992: Sie bietet die Diplomstudiengänge Nachrichtentechnik und Telekommunikationsinformatik sowie duale Studiengänge an. Microsoft bringt Schülern den Umgang mit IT bei Mit der "Faculty Connection" bietet das größte Softwareunternehmen der Welt Lehrmaterialien, kostenlose Software und Fachartikel zur Forschung und Lehre in der Informationstechnologie, aktuelle Ausschreibungen, Konferenz- und Schulungsangebote sowie Foren zum Austausch mit Wissenschaftlern und Fachleuten des Unternehmens an. Seit zwei Wochen erhalten Studenten zudem kostenlos Zugriff auf Entwicklungs- und Designwerkzeuge. Auch mit Barem lockt der Branchenprimus: So erhält die Max-Planck-Doktorandenschule eine Million Euro Unterstützung. Die Initiative "Microsoft Student Partners" fördert Studenten aus technischen und an Mediendesign orientierten Studiengänge. Im Januar hat Microsoft außerdem den Wettbewerb "IT-Fitness macht Schule" gestartet. Durchgeführt wird dieser Wettbewerb von der Initiative "IT-Fitness", an der sich neben Microsoft auch andere Unternehmen beteiligen. Ziel der im November 2006 ins Leben gerufenen Initiative ist es, bis 2010 vier Millionen Menschen durch den IT-Fitness-Onlinetest und kostenloses Training im Umgang mit Informationstechnik für das Berufsleben zu schulen. Weitere Initiativen von Microsoft sind die High-Tech-Gründerinitiative "Unternimm was" und das Projekt "Schlaumäuse - Kinder entdecken Sprache". Mit SAP-Software lernen Studenten für die Praxis Der größte deutsche Softwarehersteller SAP finanziert ein "University Alliance Programm", in dem das Unternehmen seine Software für Lehre und Forschung an Hochschulen zur Verfügung stellt. Außerdem ist die Ausbildung von Lehrkräften fester Bestandteil dieses Programms. An der Fachhochschule Regensburg und an der Hochschule Zwickau beispielsweise konnten Studenten im Wintersemester 2007/2008 Fallstudien zu Geschäftsprozessen in der Krankenhausadministration erarbeiten. Insgesamt wird an mehr als 200 Bildungseinrichtungen in Deutschland prozessorientierte Betriebswirtschaft anhand von SAP-Software gelehrt. Mehr als 60 000 Studenten haben Zugang zu SAP-Techniken. Software AG gibt 50 Millionen Euro für Interdisziplinarität aus Das nach SAP zweitgrößte Softwareunternehmen in Deutschland, die Software AG mit Sitz in Darmstadt, hat im Mai 2007 ein Universitätsprogramm gestartet. Das "University Relations Program" schließt Gastvorträge, Unternehmensbesuche, Austauschplattformen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft sowie ein zentrales Seminarprojekt ein. Das Projekt zielt darauf ab, auch IT-fremde Lehrstühle einzubeziehen, um interdisziplinäre Teams zu bilden. Die Initiative soll Aktivitäten im Hochschulsektor bündeln und Absolventen besser auf die Anforderungen der Unternehmen vorbereiten. Die Software AG vergibt kostenlose Lizenzen ihrer Produkte und stellt ein Business-Case-Szenario bereit, in dem Studenten in Projektgruppen mit Software-AG-Mitarbeitern zusammenarbeiten. Besuche im Unternehmen sollen den dialogorientierten Charakter des Programms unterstreichen. Etwa 50 Millionen Euro nimmt die Software AG für das Förderprogramm in die Hand, das mit Pilotprojekten an der Hochschule Darmstadt und der Technischen Universität Darmstadt begann. Inzwischen beteiligen sich rund 25 Universitäten daran. Hewlett-Packard will mehr Frauen für Informationstechnik begeistern Auch der führende amerikanische Computerhersteller Hewlett-Packard (HP) pflegt zu verschiedenen Universitäten und Hochschulen in Deutschland Beziehungen, um frühzeitig Kontakt zu Talenten aufzunehmen. So ist HP seit 2004 an der Hochschule Furtwangen Pate für den Frauenstudiengang Wirtschaftsinformatik/Wirtschaftsnetze und bietet Stipendien, Lehrveranstaltungen und Mentoring an. Damit soll der Frauenanteil in IT-Berufen und in Führungspositionen erhöht werden. Ferner bestehen Verbindungen zur European School of Business in Reutlingen und zu den Universitäten in Stuttgart, Hohenheim, Konstanz und Karlsruhe. Dort sind Mitglieder des HP-Managements in Hochschulgremien, mit Lehraufträgen und in gemeinsamen Projekten engagiert. Auch Schüler können früh in Kontakt mit dem Computerhersteller kommen: Es gibt mehrere Schulpartnerschaften, etwa mit der Mädchenschule St. Klara in Rottenburg. Zudem fördert HP zusammen mit der Initiative "Junior" Schülerunternehmen. Text: F.A.Z., 01.03.2008, Nr. 52 / Seite C16Bildmaterial: F.A.Z. - Tresckow |
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