Von Friederike Haupt
24. Juni 2007Studenten sind immer knapp bei Kasse. Doch was, wenn elterlicher Unterhalt oder Bafög partout nicht reichen, keine Zeit für Nebenjobs ist? Banken bieten Kredite speziell für Hochschüler. Einer Studentin im siebten Fachsemester, die im Jahr bis zum Abschluss 300 Euro zusätzlich im Monat braucht, werden ganz unterschiedliche Angebote gemacht. Das hat Friederike Haupt bei Testbesuchen herausgefunden.
Die Sparkasse
Sechs Prozent Zinsen und ein Todesfallschutz
Im Infoblatt zum "Sparkassen-Bildungskredit" wird Verständnis gezeigt für die missliche Lage des typischen Hochschülers: "Die Studentenzeit ist die schönste Zeit im Leben, sagt man. Ein selbstbestimmter Tagesablauf, lange Semesterferien und viele Partys gehören einfach dazu. Und doch trübt oft ein überlebensnotwendiger Faktor die Laune vieler Studenten: das mangelnde Geld."
So ist es, und deshalb bietet die zuständige Beraterin mir auch kurzfristig einen Termin an. In einem großen Raum nehmen wir Platz an einem runden Tisch. Die Beraterin fragt die Kriterien ab, die man erfüllen muss, um den Kredit in Anspruch nehmen zu dürfen: deutsche Staatsbürgerschaft, nicht älter als 30 Jahre, positive Schufa-Auskunft und Kontoführung bei der Sparkasse. Sondertilgungen - Mindestbetrag 250 Euro - seien möglich, sofern sie drei Monate vorher angekündigt würden. Die Zinsen liegen in der Auszahlungszeit und in der maximal zwölfmonatigen Ruhezeit bei nominal fünf Prozent.
Was der Unterschied zwischen nominalen und effektiven Zinsen sei? Verständlich erklärt die Beraterin, was im Gegensatz zum Nominalzins im effektiven Jahreszins noch enthalten ist. Die Gesamtkosten des Kredits betrügen pro Jahr also "knapp sechs Prozent". Dazu sei es ratsam, eine "Risikolebensversicherung mit gleich bleibendem Todesfallschutz und Umtauschrecht" abzuschließen; schnell druckt die Beraterin nebenan die Vertragsdaten aus. Dazu bringt sie den Kontoplan mit: Bezöge ich ein Jahr lang 300 Euro pro Monat, fielen in dieser Zeit 262,50 Euro Zinsen an. Dann solle ich ein neues Gespräch vereinbaren, um die Rückzahlungsmodalitäten zu klären. Hätte ich nach der Karenzzeit noch keinen Job, "finden wir sicher eine Lösung", sagt die Bankangestellte aufmunternd. Ganz am Ende weist sie auch noch auf den KfW-Kredit als Möglichkeit hin. "Zu dem informieren wir aber nicht", sagt sie, sucht aber doch den Kontakt zur örtlichen Beratungsstelle heraus.
Die Landesbank Sachsen LB
Horrende Summen, merkwürdige Zinssätze
Silberne Kerzenleuchter auf dem Mensatablett - so stellt sich die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) das stilvolle Mahl für den darlehensfinanzierten Studenten vor. Das jedenfalls legen die Werbeplakate für den KfW-Studienkredit nahe, und eines davon ziert auch die Tür der Sachsen-LB-Gruppe.
Meine Beraterin ist, wie sie sagt, selbst Studentin, schnell sind wir beim "Du" und gehen die Konditionen durch. Bis zum zehnten Fachsemester werde gefördert, in Ausnahmefällen bis zum 14., und zwischen 100 und 600 Euro pro Monat gebe es. Am Computer führt die Beraterin den Tilgungsrechner vor, hier tauchen auch die bisher noch nicht erwähnten 238 Euro "Aufwandsentschädigung für den Vertriebspartner" auf. Der Nominalzinssatz ist mit 6,29 Prozent angegeben, während der Effektivzins derzeit 7,08 Prozent beträgt. Was der Unterschied sei?
Verblüffende Antwort: "Der Effektivzinssatz ist der Mittelwert aus den Zinssätzen der Bildungskredite anderer Banken." Deshalb liege er über dem der KfW-Bank - diese sei eben günstiger. Zurückgezahlt werden muss das Geld frühestens sechs, spätestens 23 Monate nach Ende des Studiums - bei der Maximallaufzeit von 25 Jahren könnten die Raten auch sehr klein sein, sagt die Beraterin. Insgesamt sei es aber schon eine "horrende Summe", das mache sie den Studenten ganz deutlich klar. Sollte ich mich aber dafür entscheiden und bis zum 15. den Vertrag unterzeichnen, könne ich schon zum 1. des nächsten Monats mit dem Geld rechnen. Schließlich erkundige ich mich noch nach dem KfW-Bildungskredit: Der richtet sich nach Angaben der KfW-Bank ausdrücklich an Studenten in "fortgeschrittenen Ausbildungsphasen", es gibt höchstes 300 Euro im Monat - würde also reichen. Doch das Angebot kennt die Beraterin nicht, verweist stattdessen auf den "Sparkassen-Bildungskredit".
Dresdner Bank
Warten auf alte Zahlen
In der Dresdner Bank kann man's aushalten. Sagt zumindest die Mitarbeiterin, die mich bittet, noch kurz Platz zu nehmen in einem der bequemen Ledersessel in der Haupthalle. Die Kollegin, mit der ich vor fünf Tagen einen Termin ausgemacht habe, ist gerade nicht aufzufinden - "vielleicht noch zu Tisch oder in einem Kundengespräch".
Im Gegensatz zur Hitze draußen ist es angenehm kühl in der Bank - nach fünf Minuten bin ich akklimatisiert, nach zehn gespannt, wo meine Beraterin bleibt. Fünfzehn Minuten später ein entschuldigendes Lächeln der Dame von der Information, nach zwanzig dann heißt es: "Eine Kollegin übernimmt den Termin."
Der folge ich zu ihrem Schreibtisch und erfahre einiges über den "Dresdner FlexiStudienkredit". Die Angaben auf dem Informationspapier sind teilweise veraltet, schnell schreibt die Beraterin den aktuellen Zins für die Auszahlungsphase an den Rand: 5,89 effektiver Jahreszins. Pro Semester gibt es von der Bank maximal 9000 Euro, Zinsen zahlt man nur auf die Beträge, die man tatsächlich in Anspruch genommen hat. Maximal zwölf Semester könnte ich den Kredit in Anspruch nehmen. Interessant: Mit sehr guter Examensnote (bis 1,49) zahle ich in der Rückzahlungsphase weniger Zinsen als die anderen.
Dauert die Rückzahlung maximal fünf Jahre, so wären das für den Top-Absolventen 5,99 statt sonst 6,99 Prozent Zinsen. Die Karenzphase beträgt bei der Dresdner Bank maximal ein Jahr. Und wenn ich danach keine Arbeit habe? "Zahlen Sie trotzdem. Das ist dann wie bei einem ganz normalen Privatkredit." Wie das genau abliefe, kann sie aber nicht erklären. Ein Girokonto bei der Bank, sagt sie, bräuchte ich aber in jedem Fall auch noch. Zum Abschied die obligatorische Visitenkarte und ein optimistisches "Bis zum nächsten Mal".
Studentenwerk Leipzig
"Das ist schon die Härte"
Doch es gibt noch Hoffnung. Das Studentenwerk Leipzig verspricht auf seiner Internetseite: "Egal, wo der Schuh drückt, wir helfen Studierenden auch in Problemsituationen und beraten, wenn es mal nicht so gut läuft . . ." Am Telefon werde ich mit meinem Anliegen an die Sozialberatung verwiesen - einen Termin soll ich nicht ausmachen, "einfach hingehn", rät die Mitarbeiterin.
Dienstags ist die zuständige Beraterin zwischen neun und zwölf Uhr, außerdem zwischen 13 und 17 Uhr für ihre Sorgenkinder da - da könnten sich die Professoren, die alle zwei Wochen eine Stunde Audienz halten, schon mal eine Scheibe abschneiden. Um zehn Uhr warten schon zwei junge Frauen auf ein Gespräch, eine dritte ist im Zimmer. Kurz nach elf bin dann ich dran und muss gleich eine Enttäuschung hinnehmen: Eine "Finanzierungsberatung" bietet das Studentenwerk hier, anders als in anderen Städten, gar nicht an.
Da müsse man sich auf eigene Faust informieren. Trotzdem notiert sich die Beraterin meine Eckdaten, erkundigt sich nach Bafög-Berechtigung und Höhe des elterlichen Unterhalts. "Sie haben ein Recht auf 590 Euro Unterhalt plus Kindergeld", stellt sie klar, als sie erfährt, dass Bafög ausfällt. Und die Kredite der Banken? Das müsse man sich halt gut überlegen. Schließlich sei bei Darlehen fast das Doppelte der geliehenen Summe zurückzuzahlen: "Das ist schon die Härte, ne?" Es könne ja viel dazwischenkommen, vielleicht ein Baby, vielleicht eine unerwartet lange Jobsuche - und dann? Fast mütterlich wird ihr Ton, als sie dazu rät, stattdessen die Eltern um mehr Geld zu bitten. Meine Auslagen solle ich auflisten, ruhig auch auf das Gespräch mit ihr verweisen. "Kredite nur im Notfall", betont sie zum Schluss noch einmal und wünscht: "Viel Erfolg!"
Deutsche Bank
"Der Zins ist immer noch spottbillig"
"Moin moin! Kaffee, Saft, Wasser - was darf's sein?" Der auffällig gut gelaunte Deutsche-Bank-Mitarbeiter ist der einzige der fünf Berater, der mir etwas zu trinken anbietet. Schnell holt er das bestellte Wasser, organisiert ein Separée mit Computer und notiert dann mit Füller sorgfältig Alter, Studiengang, Semesterzahl und die Höhe des gewünschten Zuschusses.
Dann stellt er mir den "db StudentenKredit" vor und fertigt gleich zwei Beispielrechnungen für einen monatlichen Bezug von 300 beziehungsweise 400 Euro an. In ersterem Falle betrüge der Nettodarlehensbetrag für 13 Monate 3900 Euro, dazu kämen eine Bearbeitungsgebühr von 58,50 Euro und 311,46 Euro Zinsen (effektiver Jahreszins zunächst 5,9 Prozent). Bis zu 800 Euro monatlich, sagt der Berater, zahle seine Bank. Höchstens ein Jahr kann ich mir Zeit lassen, dann soll es ans Zurückzahlen gehen.
Hier beträgt der effektive Jahreszins dann schon 7,9 Prozent, eine zweite Bearbeitungsgebühr von 129 Euro fiele an. "Der Zins ist immer noch spottbillig", sagt der Berater fröhlich, "raten Sie mal, was sie bei einem normalen Dispo zahlen!" Ja, mehr als 14 Prozent seien das. Die seit 2005 stabilen Zinsen, räumt er ein, stiegen möglicherweise bald, "das muss man ehrlich sagen". Insgesamt seien 6159,60 Euro zurückzuzahlen. Die rückzahlungsfreie Zeit solle ich möglichst kurz halten, denn das sei die teuerste Zeit. Auch zum Thema Praktika in der Karenzzeit hat er einen Ratschlag parat: "Nicht ausbeuten lassen!" Dann erzählt er noch von seiner eigenen Karriere, packt eine dicke Mappe mit den Ausdrucken und Infobroschüren zusammen und kreuzt schnell an, was im Falle eines Vertragsabschlusses mitzubringen wäre. Durch die große Halle begleitet er mich bis zum Ausgang: "Bis bald hoffentlich!"
Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung
Bildmaterial: AP