20. November 2007 Ausländische Studenten haben im akademischen Jahr 2006/2007 einen Rekordbeitrag zur amerikanischen Volkswirtschaft geleistet. Die knapp 583 000 Studierenden aus dem Ausland steuerten im Saldo rund 14,5 Milliarden Dollar zur amerikanischen Wirtschaft bei. Im Vergleich zum Vorjahr wuchs der Beitrag ausländischer Studierender zur amerikanischen Wirtschaft um mehr als eine Milliarde Dollar. Das sei der größte Anstieg innerhalb eines Jahres, den man je verzeichnet habe, heißt es in dem Bericht Open Doors 2007, den das New Yorker Institute of International Education (IIE), die größte amerikanische Vereinigung für Bildungs- und Kulturaustausch, soeben präsentiert hat.
Das Studium von Ausländern an amerikanischen Universitäten und Colleges sei der fünftwichtigste Posten auf der Liste der amerikanischen Dienstleistungsexporte, betonte Allan Goodman. Für viele amerikanische Städte, etwa für New York, seien ausländische Studenten ein enormer Wirtschaftsfaktor. Die Universität von New York steht an dritter Stelle der unter Ausländern beliebtesten Hochschulen. Die Liste führen die Universität von Süd-Kalifornien und die Columbia-Universität. Die Eliteuniversität Harvard ist die neuntbeliebteste amerikanische Hochschule.
Hauptgrund dafür, dass Studierende aus dem Ausland mit ihrer Kaufkraft einen deutlich größeren Beitrag zur amerikanischen Volkswirtschaft als im Vorjahr geleistet haben, sind nach Angaben des IIE-Präsidenten die gestiegenen Studiengebühren. Ausländer würden davon besonders getroffen, da sie seltener in den Genuss von Stipendien und Vergünstigungen kämen, die von amerikanischen Hochschulen gewährt würden.
Insgesamt gaben ausländische Studenten rund 20 Milliarden Dollar für ihr Studium in den Vereinigten Staaten aus; jeweils ungefähr die Hälfte für Studiengebühren und für die Bestreitung des Lebensunterhalts. Rund 66 Prozent der gesamten Studienkosten sind mit Geld aus den Heimatländern finanziert worden. Den weitaus größten Anteil (61,5 Prozent) leisteten die Studenten selbst beziehungsweise ihre Familien.
Die meisten kommen aus Indien
Erstmals seit den Terrorangriffen 2001 wird auch wieder eine positive Entwicklung bei den Einschreibungen ausländischer Studenten verzeichnet. So stieg die Zahl der Erstsemesterstudenten aus dem Ausland im Herbst 2006 um 10 Prozent. Insgesamt erhöhte sich die Zahl der ausländischen Studierenden um 3 Prozent. An der Spitze der Länder, aus denen die meisten jungen Leute zum Studium in die Vereinigten Staaten kommen, steht nach wie vor Indien (Anstieg in 2006/07 um 10 Prozent), gefolgt von China (Anstieg um 8 Prozent) und Südkorea (Anstieg um 6 Prozent).
Damit bleiben Studenten aus Asien mit einem Anteil von knapp 60 Prozent die größte Gruppe unter den ausländischen Studenten in den Vereinigten Staaten. Aber auch im Nahen Osten wächst das Interesse an amerikanischen Colleges und Universitäten. Gegenüber dem Vorjahr erhöhte sich die Zahl der Studenten aus dieser Region, die zum Studium in die Vereinigten Staaten gingen, um 25 Prozent. Insbesondere Studenten aus Saudi-Arabien zieht es nach Amerika; ihr Anteil wuchs 2006/07 im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 128 Prozent.
Anteil deutscher Studenten gesunken
Dagegen ist die Zahl deutscher Studenten gegenüber dem Vorjahr um 2 Prozent gesunken. Mit insgesamt 8665 Studierenden an amerikanischen Colleges und Universitäten steht Deutschland auf dem zehnten Platz. Der Anteil deutscher Studenten an den ausländischen Studierenden in den Vereinigten Staaten insgesamt schwankt seit den Terroranschlägen 2001 zwischen 1,5 und 1,6 Prozent. In den Jahren davor lag er bei 1,9 Prozent.
IIE-Präsident Goodman zeigt sich zuversichtlich, dass die insgesamt positive Entwicklung sich in den nächsten Jahren fortsetzen werde, auch wenn amerikanische Hochschulen zunehmend mit Universitäten in anderen Ländern um ausländische Studenten konkurrierten. Aber abgesehen von Wasser, ist wohl höhere Bildung das knappste Gut auf der Welt.
Text: F.A.Z., 20.11.2007, Nr. 270 / Seite 12
Bildmaterial: AP, F.A.Z.