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Kommentar zu Studiengebühren

Auf Wiedervorlage

Von Sascha Zoske



Gebühren ade: Mitglieder der Grünen-Fraktion zerrissen symbolisch nachgemachte 500-Euro-Scheine
04. Juni 2008 
Sie zahlten nur einen Winter und einen Sommer: Gerade einmal zwei Semester hat das Experiment „Studiengebühren“ an den staatlichen hessischen Hochschulen gedauert. Den Bildungsfreiheitskämpfern sei ihre Freude darüber gegönnt, dass die linke Mehrheit im Landtag eines ihrer wichtigsten Wahlversprechen eingelöst hat. Für manchen mag der 500-Euro-Obolus auch tatsächlich sehr schmerzhaft gewesen sein. Und noch ist die Frage offen, ob solche Beiträge in Hessen überhaupt verfassungskonform sind – die Antwort wird der Staatsgerichtshof am nächsten Mittwoch geben.

Ein Urteil darüber, ob es sinnvoll ist, dass angehende Akademiker sich an ihrer Ausbildung finanziell beteiligen, werden die Wiesbadener Richter aber nicht sprechen. Dieses Verdikt wird möglicherweise in einigen Jahren von der Öffentlichkeit gefällt werden – nämlich dann, wenn sich in anderen Bundesländern oder im Vergleich zum Ausland die positiven Effekte der Gebühren zeigen, die in Hessen wegen der kurzen Wirkdauer des Gesetzes nur begrenzt sichtbar geworden sind.

Hochschulen könnten über Gebühren selbst entscheiden

Dass die Universitäten dank der Einnahmen neue Bücher kaufen und Tutoren einstellen konnten, ist schön, aber nicht einmal das Hauptargument für den Kostenbeitrag. Stärker noch dürfte in Ländern mit Gebührenpflicht langfristig der Bewusstseinswandel ins Gewicht fallen, der mit der Erkenntnis einhergeht, dass Bildung auch einen in Geld zu bemessenden Wert hat. Studenten, die einen Teil dieses Preises selbst zahlen müssen, werden auf angemessene Gegenleistung dringen, und die Hochschulen werden sich bemühen, die an sie gerichteten Erwartungen zu erfüllen. Gelingt ihnen das nicht, gehen die Fähigen dorthin, wo das Angebot teurer, aber besser ist.

Begabte hessische Abiturienten wiederum werden vielleicht bald auf ein Studium zum Niedrigtarif verzichten – wenn sie anderswo komfortablere Bedingungen vorfinden als an den von Gebührenflüchtlingen überlaufenen Unis in Frankfurt, Gießen oder Kassel. Dann könnte die Beitragsfrage, wie vom Frankfurter Universitätspräsidenten Steinberg erwartet, abermals auf die Agenda kommen.

Da jedoch die CDU so schnell wohl nicht wieder alleine regieren wird, scheint – Verfassungsmäßigkeit vorausgesetzt – nur der Kompromiss realistisch, den die Union in ihrer „Bad Wildunger Erklärung“ formuliert hat: Die Hochschulen entscheiden über Gebühren selbst. Auch robusten Naturen wie Steinberg dürften die Proteste, die dann zu erwarten sind, schlaflose Nächte bereiten. Aber es könnte sich lohnen, das auszuhalten.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa
 
 
Lesermeinungen zum Beitrag [18]
Auswahlkriterium Gebühren 10.06.2008, 01:33
Ein populistischer Schritt zurück... 06.06.2008, 17:15
Fachkräftemangel durch Studiengebühren vorprogrammiert ? 04.06.2008, 18:39
 
   
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