Zurück in die Zukunft: alte Sprachen liegen im Trend

Altgriechisch und Latein liegen an den Gymnasien wieder im Trend. Personalfachleute und Lehrer sind überzeugt: Die alten Sprachen verschaffen Schülern Rückenwind für ihre Karriere. Von Siynet Spangenberg

Lesermeinungen zum Beitrag

09. Juli 2008 17:13
Die beste Werbung  
M Gruber (Philogelos)

für den Bildungswert von Griechisch und Latein haben die hier auftretenden Kritiker geliefert: Sie offenbaren ihre antihumanistische Intoleranz – dies in schlechtem Deutsch.
Die Befürworter, bei denen ich von Latein- oder gar Griechischkenntnissen ausgehe, schreiben in ganz fehlerfreiem Deutsch oder mit maximal einem Fehler. Bei den zum Teil gehässigen Kritikern zähle ich im Schnitt fünf Verstöße; ein Kommentator scheint sogar die Großschreibung nicht zu kennen (oder hat keine Shift-Taste). Ganz zu schweigen von der jeweiligen Syntax: simpel-aneinanderreihend versus elaboriert-differenziert.
Textverständnis: Bei den Kritikern grobe Fehler in der Sinnerfassung, pauschale Urteile, kein Blick über den Tellerrand.
Die ‚Humanisten’ äußern sich sachlich, neutral, überlegt – und tolerant; sie sprechen nirgends einen Zwang zum Lateinlernen aus. Die 'Antihumanisten' aber verfahren diktatorisch. Übrigens lässt sich von diesen auch keiner über den eigentlichen Inhalt des Artikels aus: Den wachsenden Zulauf – Schüler und Eltern haben halt den richtigen Riecher.
FAZIT: Mängel im deutschen Ausdruck ebenso wie in Textverständnis und Argumentationsweise – und dies gepaart mit Intoleranz gegen Andersdenkende und Anderslernende. O tempora, o mores.

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09. Juli 2008 11:13
Alte Sprachen - noch ältere Vorurteile  
Wolfgang Polleichtner (maxreger)

Man wundert sich, welche Gallenaufwallungen hier durch dieses Thema hervorgerufen werden. Mit ältesten Vorurteilen der "Bildungsdiskussion" der 70er Jahre wird zu Felde gezogen gegen etwas, dessen Bildungswert 3000 Jahre nicht haben zerstören können. Besonders lächerlich wird es, wenn dabei, wie geschehen, Fremdwörter benutzt werden, um gegen das Griechische zu protestieren, die aus dem Griechischen stammen, aber ganz offensichtlich nicht nur falsch geschrieben, sondern anglisiert benutzt werden. Mancher hätte doch gut daran getan, Griechisch zu lernen anstatt sich dagegen aufzulehnen und seine eigene Unkenntnis über die Wurzeln seiner eigenen Sprache öffentlich an den Pranger zu stellen.

Und noch etwas zu denen, die hier über Hebräisch herziehen, die Alten Sprachen insgesamt als Zeitverschwendung hinstellen: Dass man dabei nicht stehen bleiben kann, ist klar; wer aber diese Zeitinvestition nicht getätigt hat, baut sein Haus ohne das richtige Fundament. Siehe oben.

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03. Juli 2008 12:04
@ Frau Wurzel  
Felix Schumacher (FPSchumacher)

...nach ihrer Aussage fehlt mir entsprechend auch ein Minimum an geistigem Niveau. Offensichtlich bedeutet aber humanistische Bildung nicht zwangsläufig Toleranz und Höflichkeit.

Ich verstehe vor allem nicht, warum sie das Weglassen von Latein und Altgriechisch unmittelbar gleichsetzen mit einer einseitigen Schuldbildung. Nach dem Motto, wer Latein nicht will, will auch keine Kunst und Literatur. Das ist mir zu ideologisch. Sprachen, Literatur und Kunst sind essentiell für eine Schuldbildung. Die Frage, welche Sprache man lernen sollte, darf man sich ja wohl noch stellen, ohne Hasstiraden auf sich zu ziehen. Und wenn man sich mit spanischer, italienischer und englischer Literatur bevorzugt auseinandersetzt, muss man nicht gleich ein Antihumanist sein. Latein ist als Sprache ist in keiner Hinsicht mehr wert als andere Sprachen. Und das ist der Punkt! Jawohl Latein mag Vorläufer sein von einigen Sprachen. Aber allenfalls in nicht schulrelevanten Randbereichen trägt sie tatsächlich zum Verständnis bei. Deshalb sollte Latein ein universitäres Fach sein und eben raus aus der Schule, damit mehr Zeit bleibt, um sich auch mit Kunst, Literatur und lebendigen Sprachen zu beschäftigen.

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01. Juli 2008 08:15
Ja zu klassischer Bildung. Humboldt ist aktueller denn je!  
Gabriele Wurzel (G.Wurzel)

Es mag verschiedene Gründe für den „Boom“ der alten Sprachen geben. Erfreulich ist das in jedem Fall! Armselig und erschreckend hingegen von Inhalt, Tonlage und Ignoranz ein Großteil der bisherigen Leser-Kommentare, von denen man ein Minimum an Niveau/geistiger Bandbreite hätte erwarten können.
Sie verwechseln Bildung mit Ausbildung und frönen - wie Teile der Wirtschaft etc. - einem vordergründigen „Nützlichkeitswahn“. Der Mensch wird zum Objekt des Arbeitsmarkts degradiert – und ist damit gerade in einer globalisierten Welt anfällig für alles! Bildung bedeutet nicht nur sofort messbarer „Output“, dazu gehören Literatur, Religion, Philosophie, Geschichte, Politik und die musischen Fächer (und Theater, Kunst!). Die großen deutschen Naturwissenschaftler wie z.B. Heisenberg waren Verteidiger des humanistischen Gymnasiums: Latein/Griechisch befähigten in besonderem Maß zum logischen und schöpferischen Denken. Ja! Juristische Examensnoten korrespondieren übrigens mit der Abi-Note in Latein. Latein ist die Mutter aller romanischen Sprachen. Sprache ist mehr als Kommunikation; die alten Sprachen erschließen uns wesentlich die Grundlagen und Werte Europas, bedeuten Orientierung und Identifikation. Schön, wenn das wieder "in" ist!

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29. Juni 2008 22:50
Zeitverschwendung  
Juan Llamazares (Llamaj)

Nicht Altgriechler und Lateiner fehlen, sondern Naturwissenchafteler und Ingenieure.

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen das Latein die pure Zeitverschwendung ist. Wers unbedingt braucht soll sich lieber ein paar Wochen an der Uni damit quälen anstatt 4 Jahre in der Schule. Die Beschäftigung mit den alten Klassikern bringt für die Allgemeinbildung recht wenig. Monatelang mühsam ein paar Kapitel Cicero oder Caesar übersetzen - wers wegen der Allgemeinbildung will soll sich die deutsche Übersetzung durchlesen.

Fremdsprachen sind wichtig, keine Frage - aber wer anständig Englisch und Französisch kann, hat mehr davon. Das vielgebrachte Argument - wer Latein kann hats mit anderen Sprachen leichter ist Blödsinn. In der Zeit die man mit Latein verplempert hat man ein zwei andere Sprachen gelernt mit denen man auch was anfangen kann. Mir haben meine Englischkentnisse und Französischkentnisse in Latein geholfen, nicht umgekehrt.

Statt Latein und Griechisch plädiere ich für mehr Chemie und Physik und vielleicht noch eine Stunde Geschichte bzw. Gemeinschaftskunde. Das bringt mehr für die Allgemeinbildung.

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29. Juni 2008 16:58
So ganz freiwillig  
Karl-Heinz Andresen (khaproperty)

werden in der Tat die meisten nicht damit beginnen. Aber dann - mitunter erst viel später - erschließt sich doch, daß die Erfolgserlebnisse bei diesem Lernen von einer speziellen Qualität sind. Der Zugang zu Philosophie, Antike und ein wenig Geschichte fällt sozusagen auch noch ab neben der Schulung von Denkvermögen und der Möglichkeit, eine alternative Position einzunehmen. Gerade weil es so ungezielt scheint und auf den ersten Blick zu gar nichts zu gebrauchen ist, wirkt es allgemein und in vielen Fällen präventiv.

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29. Juni 2008 16:41
Gute Wahl  
Andreas Frick (Hephaistos)

Ich habe von der Quarta bis zum Abitur Latein und von der Obertertia bis zur Unterprima Altgriechisch gehabt. Die Lehrer waren nicht besonders gut, insbesondere der Altgriechischlehrer menschlich eine Katastrophe, das hat mir den Spaß an dieser Sprache doch sehr verleidet. Latein hat mir immer viel Spaß gemacht, die Sprache schult das logische Denkvermögen ganz enorm. Es ist auch ein guter Maßstab für die Studierfähigkeit. Wer in Latein große Probleme hatte, hatte die auch in den anderen "harten" Fächern. Deshalb würde ich es für das Abitur zur Pflicht machen, daß wenigsten Ceasars Bellum Gallicum gelesen werden kann. Altgriechisch ist viel schwieriger, es gibt von jeder der vielen Ausnahmen mindestens wieder eine Ausnahme. Aber auch die Substanz der gelesenen Texte bringt sehr viel. Die Grundlagen der Aufklärung wurden in der Apologie des Sokrates gelegt, dort findet sich schon der Ansatz, daß man sich seines Verstandes zu bedienen habe und alles hinterfragen müsse. Die ganzen Geisteswissenschaften sind ohne diesen Hintergrund nicht zu verstehen und zu erfassen. Wenn ich mir ansehe, was da heute von manchen Leuten für ein Schwachsinn verzapft wird, wünschte ich mir, die Leute wären wegen der alten Sprachen vorher gescheitert.

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29. Juni 2008 16:30
Akademischer Reiz  
Felix Schumacher (FPSchumacher)

.....ist das einzige, was eine "tote" Sprache zu bieten hat. Es ist insbesondere eine reine Unterstellung, dass das Erlernen von Latein und Altgriechisch die Konzetrationsfähigkeit bzw logisches Denken mehr fördert als jede gesprochene Sprache. Wird ständig behauptet, hält aber garantiert keiner Überprüfung stand. Ich behaupte mal, jede Sprache, die man erlernt, fördert kognitive Fähigkeiten. Aber warum soll man dann eine Sprache erlernen, deren praktischer Nutzen kaum existent ist. Insbesondere wird mit dem Älterwerden die Fähigkeit sprachliches Hörverständnis und dergleichen zu erlangen nicht besser. "Tote" Sprachen kann man ohne Verluste sein lebenlang lernen. Von daher fort mit dem Zeug aus der Schule und dahin, wo es hingehört: in die Universitäten! Dass die "toten" Sprachen so beliebt sind, ist auf die von Herrn Mummert genannten Gründe zurückzuführen. Ein verfehlte Sehnsucht nach besseren Zeiten. Abgesehen davon "müssen" Schüler von Heute mindestens zwei Fremdsprachen fließend beherrschen. Deshalb muss man selektieren und Latein gehört nicht zum zwingenden Stoff. Ich hatte 5 Jahre Latein, immer ganz gute Noten und Spaß dabei gehabt. Ein komplexeren lateinischen Satz kann ich nicht formulieren , aber gestört hat es mich nie.

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29. Juni 2008 15:29
Latein, danke nein  
Anton Kratz (anton.kratz)

man tut den schuelern von heute keinen gefallen, wenn man sie dazu motiviert latein, griechisch, oder was es an meiner schule in den 90ern unglaublicherweise noch gab: althebraeisch zu lernen. (ich habe selbst das latinum). um in zukunft in der globalisierten welt bestehen zu koennen, braucht man nur zwei dinge: englisch und einen soliden studienabschluss (informatik, medizin, biotechnologie...). das schaffen schon die meisten nicht. mit "laberfaechern" kommt man nicht weit. als ich zur schule ging, gab es zum beispiel keinen informatikunterricht, aber latein; programmieren hab' ich mir selber beigebracht - im berufsleben habe ich dadurch viele vorteile, mein latinum hingegen hat mir natuerlich nie geholfen und ich wuerde es auch nie auf eine bewerbung mit draufsetzen, man macht sich ja laecherlich damit. das latein seit "jahrtausenden" unveraendert geblieben sei, wie es in dem FAZ-artikel hier steht, ist einer von vielen sachlichen fehlern im text. ausserdem ist das latinum in immer weniger studienfaechern mandatorisch, man kann inzwischen sogar medizin ohne latinum studieren.

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29. Juni 2008 11:45
Wiederentdeckte Vorliebe für Latein und Griechisch?  
Bernward Mummert (bemert)

Die Renaissance von Latein und Griechisch an Gymnasien scheint nach meinen Erfahrungen weniger auf der wiederentdeckten Vorliebe für diese Fächer zu beruhen als auf dem Wunsch vieler bildungsbewusster Eltern, ihre Kinder dadurch vor "Chaotenklassen" infolge der Bildungsexpansion zu bewahren. Dies gilt vor allem für große Städte mit sozialen Brennpunkten. In Altsprachler-Klassen werden Lernwillige selten als Streber diffamiert und durch Lernunwillige gebremst. Alte Sprachen erziehen u.a. in besonderem Maße zu der in den 70er-Jahren aus dem Erziehungs- und Bildungssystem verbannten, im Leben allerdings notwendigen Resilienz. Die Fälle, in denen es heute Schüler zugunsten von Playstation und Co. bis in die zehnte Klasse schaffen können, ohne in der Freizeit je ein(!) Buch gelesen zu haben, dürften sich hier ebenfalls nicht lange halten. Es ist also der wachsende Wunsch nach einem Gymnasium, das fördert durch Fordern und nicht so sehr durch Nachprüfungen und ähnliche statistische Kosmetikmaßnahmen.
Altsprachler-Klassen stehen übrigens in Kollegien aus diesen Gründen bei der Verteilung von Klassenlehrerschaften auf der Wunschliste ganz oben.

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29. Juni 2008 11:38
Latein und AAltgriechisch?  
Wilhelm Rggrt (Wilhelm29)

humanistische Bildung nur mit Latein und Altgrichisch? Das glauben auch nur die Lehrer dieser Fächer. Wer heute nicht Deutsch perfekt und mindesten Englisch gut kann, sowie eine weitere auf der Welt geläufige Fremdsprache ist bei einer Jobsuche verloren, da mögen noch so viele gute Zensuren im Abiturzeugnis stehen. Und übrigens enthält der Artikel eine perfide Unterstellung, daß Schüler, die meist Englisch und Französisch als Fremdsprachen hatten, nicht humanistisch gebildet sind. Der aussterbenden Spezies der Altphilologen seis gedankt.

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29. Juni 2008 08:25
Latein auf jeden Fall, aber Altgriechisch - muss das sein?  
Klaus Meyer (deutschlaender2)

Habe nun ach im Jahre 1983 das Abitur in Baden- Württemberg mit Latein und Griechisch Leistungskurs ganz leidlich hingekriegt. Muss aber sagen, dass ich zwar versuchen werde, meine Kinder Latein lernen zu lassen (und zwar wenn möglich als erste Fremdsprache), dass Altgriechisch aber nochmal eine andere Sache ist.

Angefangen in der 9. Klasse (zu meiner Zeit noch Obertertia gehiessen) kommt man in den Genuss der Beschöftigung mit den so hochgepriesenen Inhalten eigentlich nur dann, wenn man die Sprache bis zum Abitur durchzieht. Steigt man nach der 11. Klasse aus, hat man sich drei Jahre mit der Grammatik einer der komplexesten, mit Redundanzphänomenen angefüllten und überdeterminiertesten Sprachen herumgeschlagen, die ich mir vorstellen kann. Doch selbst wenn man weitermacht, sollte man nicht glauben, dass sich einem Autoren wie Thukydides, Aristoteles oder Herodot dann ohne weiteres erschließen. Deren Sprache ist bewusst derart kompliziert, dass auch ein Leistungskurs dabei höchstens im Schneckentempo vorankommen kann.
Altgriechisch ist zu Recht ein Orchideenfach und sollte es auch bleiben. Rationeller wären für die "hoi polloi" aus meiner Sicht Exkurse im Lateinischen, Thema etwa "Was Rom und Europa Griechenland verdanken".

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