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Hochschulen

Mehr Studenten, weniger Professoren

Missverhältnis

Missverhältnis

21. August 2007 

An Deutschlands Hochschulen sind in den vergangenen Jahren vor allem in den Geisteswissenschaften Professorenstellen eingespart worden. Von 1995 bis 2005 seien in den Sprach- und Kulturwissenschaften 663 Stellen nicht wiederbesetzt worden, teilte der Deutsche Hochschulverband in Bonn mit. Ingesamt hätten die Universitäten in diesem Zeitraum 1451 Professorenstellen verloren. Die Zahl der Studierenden habe sich dagegen um 0,5 Prozent erhöht. Verbandspräsident Bernhard Kempen forderte Bund und Länder auf, die gestrichenen Stellen wieder aufzubauen.

Eine Qualitätsverbesserung des Hochschulsystems und der Studienbedingungen sei ohne spürbare Veränderung des international nicht konkurrenzfähigen Zahlenverhältnisses von 60 Studierenden pro Hochschullehrer nicht möglich, erklärte Kempen. Die Exzellenzinitiative sei gut und nützlich, aber mit immer weniger Professoren könne das Gesamtsystem nicht besser werden. Er warnte vor allem davor, die von den Hochschulen geforderte Profilbildung weiter zu Lasten der Geisteswissenschaften zu betreiben.

Einen überdurchschnittlichen Abbau von Professorenstellen gab es dem Verband zufolge in der klassischen Philologie (minus 35 Prozent) und in den Erziehungswissenschaften (minus 34,8 Prozent). Aber auch in den Ingenieurwissenschaften seien innerhalb von zehn Jahren bundesweit 356 Professuren (minus 13,3 Prozent) verlorengegangen, in Mathematik und Naturwissenschaften 264 (minus 4,3 Prozent) und in der Humanmedizin 86 (minus 2,7 Prozent). Im Aufwind befinden sich demnach lediglich die Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (plus 5,6 Prozent) und die Kunstwissenschaft (plus 9,4 Prozent).

Unterdessen ist die Anzahl der Abschlüsse in den Naturwissenschaften um neun Prozent gestiegen - damit auch die Gesamtzahl der Naturwissenschaftler. Das geht aus der neusten Erhebung des Statistischen Bundesamtes für das Prüfungsjahr 2006 hervor (lesen Sie dazu Mehr naturwissenschaftliche Abschlüsse).

Wo der Mangel erwartet wird

Aus einer vom Wirtschaftsministerium in Auftrag gegebenen Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft geht hervor, dass in den kommenden Jahren ein erheblicher Fachkräftemangel im Maschinenbau, der Metall- und Elektroindustrie, in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Ingenieurwissenschaften und Technik bestehen wird. Schon 2014 könnten je nach Konjunktur bis zu 95.000 Ingenieure und bis zu 135.000 Naturwissenschaftler fehlen.

Bis 2013 würden allein in der Wirtschaft 330.000 Akademiker in den Ruhestand gehen - fast die Hälfte davon Naturwissenschaftler und Ingenieure. Nach der Prognose reicht in den kommenden sieben Jahren die Zahl der Hochschulabsolventen gerade aus, um den Ersatzbedarf zu befriedigen. Für weiteres Wachstum wird zu wenig Spielraum gesehen. Durch den Fachkräftemangel könnten Kosten in Höhe von 20 Milliarden Euro entstehen.

Mehr Bafög in Aussicht

Bundesbildungsministerin Schavan (CDU) will deshalb mehr junge Leute für ein Studium gewinnen - das Ziel liegt bei 40 Prozent eines Altersjahrgangs - und die Zahl der Abbrecher deutlich reduzieren. Fachhochschulen und Universitäten sollten sich stärker öffnen für qualifizierte Berufstätige auch ohne klassisches Ab-itur. Mit den Ländern will Frau Schavan beraten, wie die Hindernisse für die Aufnahme eines Studiums abgebaut werden können. Die bisherigen Zulassungsbeschränkungen sollen reduziert und durch eine wirkungsvolle Studienvermittlung ersetzt werden, um die Hochschulkapazitäten in vollem Umfang zu nutzen.

Durch die Bachelor- und Master-Abschlüsse, mehr Betreuung und auch mehr Bafög solle sich die Studiensituation deutlich verbessern. Bisher liegt die Abbrecherquote in Mathematik und in den Naturwissenschaften bei 39 Prozent. Sie soll durch besser strukturierte Studiengänge gesenkt werden.

Deutsche Forscher zurücklocken

Durch ein „Wissenschaftsfreiheitsgesetz“ sollen deutsche Forscher und Spitzenkräfte aus dem Ausland zur Rückkehr bewegt werden. Versprochen werden forschungsfreundliche rechtliche Rahmenbedingungen in Deutschland - und auch für die jeweiligen Lebenspartner attraktive Job- und Karriereangebote. Durch gezielte Vereinbarungen mit internationalen Forschungseinrichtungen für die Personalentwicklung will die Bundesregierung Spitzenkräften die Rückkehr erleichtern. Gemeinsam mit den Ländern und der Deutschen Forschungsgemeinschaft will Berlin Wege öffnen, wie erstklassige Professoren auch nach Erreichen der Altersgrenze ihre Forschungstätigkeit in Deutschland fortsetzen können.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa

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