
Wenn es tatsächlich jemanden gibt der behauptet, dass er vor 2002 erst im elften oder zwölften Semester mit Patienten im Kontakt kam, dann hat er wichtige Bestandteile seines Studiums übersehen: Krankenpflegepraktikum, Famulaturen, sonstige Praktika und Kurse. Über die Qualität der Veranstaltungen kann man sicherlich lange diskutieren.
Tatsächlich ist es faszinierend wie die technische Entwicklung die anatomischen Studien mit Hilfe von virtuellen Bildern erleichtert. Während man früher das Wissen mühsam am Anatomieatlas vertiefen musste, haben es heute die Medizinstudenten einfacher, aber lernen müssen sie trotzdem!
Aber Medizin ist nicht nur Anatomie! Das Studium muss mehr leisten: Wissen und Können dem zukünftigen Hausarzt und dem angehenden Forscher vermitteln. Dazu gehört viel Grundlagenwissen aber auch der Kontakt zum Patienten. Das Problem wird jedoch zukünftig der zunehmende Mangel an Lehrkräften sein (Abbau von Arztstellen in den Universitätskliniken, z.T. Folge der Gesundheitsreformen). Bereits jetzt sucht man nach Alternativen, aber ob die ärztliche Ausbildung dadurch besser wird, dass man mit einem Computer mit perfekter Graphik arbeitet und nicht in den Augen des Patienten schaut mag ich persönlich zu bezweifeln.