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Karriereturbo ohne Garantie

Von Sebastian Balzter



Teure Lektion: Eine Vorlesung an der Wharton Business School
10. Juli 2008 
Acht Vorstellungsgespräche an einem Tag, das ist Rekord. Mehr als Kristin Klebl schafft keiner der rund 160 Manager in spe, die zum "MBA Career Fair Day" ins Berliner Estrel Hotel gekommen sind. Aber Termine bei zwei oder drei der insgesamt 19 Unternehmen, die sich hier präsentieren, sollten für die angehenden Absolventen schon drin sein.

Schließlich ist die Fortbildung an einer der fünf deutschen Business Schools, von denen die Jobmesse seit 2004 jährlich ausgerichtet wird, weder vergnügungssteuerpflichtig noch kostenlos. Und für keine andere Art der Weiterbildung wird vermutlich so genau in Dollar und Euro nachgerechnet, ob den Teilnehmern das investierte Geld und die eingesetzte Zeit auch eine vernünftige Rendite bringen.

Wann amortisieren sich die 130.000 Dollar?

Der "Master of Business Administration", ein akademischer Abschluss in Unternehmensführung, ist eine amerikanische Erfindung; vor gut hundert Jahren wurde er in den Vereinigten Staaten aus der Taufe gehoben. Und dort gehören Ranglisten, auf denen die Gehaltssprünge der Absolventen einen wichtigen Bewertungsfaktor darstellen, zur Tradition.

In der aktuellen Ausgabe des Rankings der "Financial Times" etwa steht Wharton, die Business School der University of Pennsylvania, ganz oben: 165.859 Dollar Jahresgehalt und ein Einkommenszuwachs von 132 Prozent durch das MBA-Programm springen im Durchschnitt für deren Absolventen heraus. Wie lange es dauert, bis sich die rund 130.000 Dollar Kursgebühr für das zweijährige Studium amortisiert haben, sollte jeder von ihnen schon vor dem ersten Unterrichtstag im Handumdrehen kalkulieren können - schließlich haben sie alle ein paar Jahre Berufserfahrung hinter sich.

Das ist auch an den meisten Business Schools in Europa eine der Aufnahmebedingungen. Der MBA soll kein nachgeholtes BWL-Studium sein, sondern die Eintrittskarte für die Chefetage: Statt um Details geht es ums Ganze, um Entscheidungs-, Führungs- und Verhandlungsfertigkeit.

Das Angebot ist riesig

Als Kristin Klebl sich beispielsweise um einen Platz an der Handelshochschule Leipzig (HHL) bewarb, hatte sie nicht nur das Diplom der Berufsakademie in Ravensburg in der Tasche, sondern auch in sechs Unternehmen hineingeschnuppert; Projektplanung, Logistik, Beratung, das alles war kein Neuland mehr für sie. Nebenbei war noch Zeit für ein Buch über die "Generation 50 plus" und ihre Bedeutung für das Marketing. Manchen reicht das für eine ganze Berufsbiographie. Die hochgewachsene blonde Frau aus Franken war erst Mitte 20. "Ich wollte da etwas Generalistisches draufsatteln", begründet sie ihre Entscheidung heute.

Warum aber in Leipzig? Das Angebot ist riesig; allein in Deutschland konkurrieren weit über 200 unterschiedliche Programme um die wachsende Zahl der Bewerber. Gruppenarbeit und Fallstudien, kleine Kurse, der direkte Draht zu Dozenten aus der Praxis oder bekannten Professoren - mit diesen Zutaten werben sie fast alle.

Damit das Rezept gelingt, ist eine weitere Ingredienz unverzichtbar: Renommee. Damit tun sich die deutschen Schulen schwer, auch gegenüber der noblen Konkurrenz im europäischen Ausland - dem IMD in Lausanne, Bocconi in Mailand, IESE in Spanien und Insead in Frankreich zum Beispiel.

In Deutschland fehlt die Tradition

Hierzulande fehlt die Tradition und damit auch das Alumni-Netzwerk, das für die Karriere der Absolventen entscheidend ist. Schließlich sind die Personalverantwortlichen selbst in den Konzernen, die generell als Wunscharbeitgeber von MBA-Studenten gelten, nicht immer mit deren Ausbildung vertraut. Das Problem ist seit der Einführung der ähnlich klingenden Bachelor- und Master-Abschlüsse eher größer geworden: Mit den herkömmlichen staatlichen Hochschulen und ihrer theoretisch-wissenschaftlichen Ausrichtung wollen die Business Schools ja gerade nicht in einen Topf geworfen werden.

Einen weiteren begrifflichen Fallstrick wirft der Titel "Executive MBA" aus. Diese Kurse richten sich an gestandene Manager, die für ein paar exklusive Wochenenden oder ein fünftägiges Intensivseminar auch mal mit dem Learjet vom Unternehmenssitz zum Studienort düsen. Die normalen MBA-Programme hingegen, die meist in anderthalb Jahren als Vollzeitstudium oder in zwei Jahren berufsbegleitend absolviert werden, sind für Talente auf dem Sprung zur Führungsaufgabe, ins internationale Geschäft oder in ein anderes berufliches Umfeld gedacht - das fast schon klassische Beispiel dafür ist der Operntenor, der sich für eine Intendanz in Position bringen will.

Amerika ist schwach vertreten

Auf die Mischung der Lebensläufe achten auch die ambitionierten deutschen Management-Schulen. In Kristin Klebls 25-köpfiger Klasse etwa sitzen ein Arzt und ein Computer-Spezialist, eine Sprachwissenschaftlerin und ein Politologe. Eine besondere Herausforderung stellt für deutsche Schulen aber die angestrebte Internationalität dar. Mehr als die Hälfte der Teilnehmer sollte nicht aus Deutschland kommen - warum sonst sollte der Unterricht auf Englisch stattfinden, womit sonst ließe sich der Anspruch auf Globalisierungstauglichkeit begründen?

Doch während immer mehr Osteuropäer, Chinesen und Inder den Weg nach Deutschland finden, sind Westeuropa und Amerika hierzulande schwach vertreten. Sogenannte "Joint Degrees" oder "Dual Degrees", für die Schwergewichte unter den amerikanischen Schulen wie Purdue, Duke oder Thunderbird ihre Markennamen geben, gleichen dies zum Teil aus; auch Programme mit Anbietern aus Schanghai (CEIBS) oder Bangalore (IIMB) lassen sich finden.

Qualitätssiegel für einige wenige

Wer die weite Welt sucht, dieser Einwand ist oft zu hören, geht gleich ganz dorthin - oder eben nach Wharton, wo der MBA zu Hause ist. Die Qualität der Ausbildung aber ist auch an einigen deutschen Schulen hervorragend. Eine Handvoll haben das Qualitätssiegel einer der drei international angesehenen Akkreditierungsagenturen erhalten; dazu zählen neben der HHL auch die vier anderen Ausrichter der Karrieremesse in Berlin - die Gisma in Hannover, die Otto Beisheim School in Vallendar, die Universität St. Gallen und die Mannheim Business School.

Sie ist als einzige im deutschsprachigen Raum von allen drei MBA- "TÜVs" - der "Association of MBAs" (Amba), der "Association to Advance Collegiate Schools of Business" (AACSB) und dem "European Quality Improvement System" (Equis) - gutgeheißen worden. Neuling im Kreis der Etablierten ist die 2004 gegründete Goethe Business School in Frankfurt.

Die Akkreditierung kann ein Kriterium sein, der Preis ein anderes. Zwischen 2000 und 25 000 Euro liegt er an den deutschen Management-Schulen. Viele Studenten nehmen dafür einen Kredit auf. Kristin Klebl hat die Summe mit der Hilfe ihrer Familie aufgebracht. Es hat sich gelohnt, findet sie heute, kurz vor der letzten Prüfung. "Ich habe so viel gelernt", sagt Klebl.

Für einen Arbeitgeber entschieden hat sie sich nach dem Vorstellungsmarathon jedoch noch nicht. Leichter war es, manche Unternehmen auszuschließen. Bei einem war sie sich schon von vornherein sicher, dem hat sie vor dem Gespräch abgesagt. Sonst hätte sie sogar neun Termine gehabt.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Photo Credit: Wharton Communicat
 
 
   
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