Auch die private Forschungsuniversität Carnegie Mellon in Pittsburgh, Pennsylvania, die staatliche University of Michigan in Ann Arbor, die Rice University im texanischen Houston und die staatliche University of Virginia in Charlottesville, Virginia wurden von der Zeitschrift Newsweek in die Liga der insgesamt 25 "New Ivies" aufgenommen. Der Titel macht zugleich deutlich, daß die Riege altehrwürdiger Hochschulen, die " Ivy League", mit den Universitäten Brown, Cornell, Harvard, Yale, Pennsylvania und Princeton sowie dem Dartmouth College nach wie vor das Maß aller Dinge ist. Das heißt freilich nicht, daß es unter den mehr als 2500 amerikanischen Hochschulen mit mindestens vierjähriger Studienzeit nicht weitere hervorragende Institutionen gibt.
Die Emory University etwa wird von der Zeitschrift "U.S. News & World Report" schon seit 1994 als eine der besten 20 unter den fast 250 bewerteten Hochschulen genannt. Und das Macalester College wurde kürzlich von der Zeitung "New York Times" mit 19 anderen ausgesuchten Colleges als Alternative zu den bekannten Elitehochschulen empfohlen. Macalester, kann sich auch mit prominenten Namen schmücken. An dem College, das mit gut 1800 Studenten zu den kleinen, feinen Hochschulen mit vierjähriger Ausbildungszeit gehört, haben unter anderen der frühere amerikanische Vizepräsident Walter Mondale und der Filmregisseur und Schauspieler Peter Berg studiert. Prominentster Alumnus ist jedoch ein Ausländer: der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Kofi Annan, der dort seinen Bachelor-Abschluß erwarb. Macalester wird denn auch für seine internationale Ausrichtung gerühmt.
Studenten aus 80 Ländern sind dort eingeschrieben, und mehr als die Hälfte aller Studenten entscheidet sich für einen Auslandsaufenthalt. Die Nummer eins in Sachen Auslandsstudium ist jedoch das Kalamazoo College im Bundesstaat Michigan. Achtzig Prozent der rund 1300 Studenten des K-Colleges gehen während ihrer vierjährigen Ausbildung ins Ausland. Partnerschaften bestehen mit Universitäten in Australien, Afrika, Asien, Südamerika und Europa. Auch mit den Universitäten Bonn und Erlangen pflegt Kalamazoo Austauschprogramme.
Die Partnerschaft laufe "super", sagt Holger Impekoven, der Abteilungsleiter des Dezernats für Internationale Angelegenheiten der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität. Die Bonner Studenten schätzten vor allem "die ganz andere Erfahrung, von einer großen deutschen Universität an ein kleines elitäres College zu kommen". Das sei "wie eine Reise in eine andere Welt". Der positiven Einschätzung stimmt die Bonner Studentin Inez von Weiterhausen zu. "Ich würde es immer wieder machen", sagt die 22 Jahre alte Studentin der Politischen Wissenschaften, die diesen Sommer von einem neunmonatigen Aufenthalt am K-Kollege zurückgekehrt ist. Zu den Höhepunkten habe das Unterrichten am German Department gehört. "Und der Kontakt zu Studenten, die an meinem Land und an meiner Sprache interessiert waren."
Als große Bereicherung hat sie auch den Kontakt mit Kommilitonen aus Ländern wie Kenia, Japan und Ecuador erlebt. Allerdings müsse man sich schon darüber klar sein, daß Kalamazoo und ähnliche Colleges sehr klein seien. "Das muß man mögen." Holger Impekoven gibt ferner zu bedenken, daß die amerikanischen Collegestudenten im Durchschnitt noch ziemlich jung sind. "Deshalb sollten deutsche Studenten nicht zu lange mit dem Collegestudium warten."
Um mehr Profil im Wettbewerb mit den bekannten Eliteuniversitäten zu gewinnen, haben sich Kalamazoo und weitere anspruchsvolle Colleges zu der Vereinigung Colleges That Change Lives (C.T.C.L.) zusammengeschlossen. Der Koalition gehören 38 private und zwei staatliche Hochschulen aus 24 Bundesstaaten mit Studentenzahlen von 350 bis 4000 an. Wegbereiter der Initiative war der Studienberater Loren Pope. Er hatte die 40 "Colleges, die Leben verändern" schon 1996 in seinem gleichnamigen Buch porträtiert. Popes Studienführer ist neu erschienen und ein nützlicher Wegweiser für Studenten, die an einem kleinen, namenhaften College studieren wollen, an dem Kameradschaft und Mentorentätigkeit großgeschrieben werden. Viele Colleges der C.T.C.L.-Koalition befinden sich in Regionen fern von den traditionellen Eliteuniversitäten im Nordosten der Vereinigten Staaten.
Da gibt es zum Beispiel im Nordwesten das Whitman College in Walla Walla im Bundesstaat Washington. In den Südstaaten hat sich das Rhode College in Memphis, Tennessee, einen guten Ruf erworben. Auch die kalifornische Hochschullandschaft hat weit mehr als die Schwergewichte Stanford, Berkeley und das California Institute of Technology (Caltech) zu bieten. So gehört die private University of Southern California in Los Angeles zu den führenden Forschungsuniversitäten Amerikas. Die staatliche University of California in Los Angeles, mit mehr als 35 000 eingeschriebenen Studenten die größte kalifornische Universität, kann sogar auf fünf Nobelpreisträger unter ihren Fakultätsmitgliedern verweisen.
Unweit von Los Angeles, in Claremont, befinden sich außerdem die fünf Colleges und zwei Graduiertenschulen des Hochschulkonglomerats Claremont Colleges. Das dazugehörige Pomona-College mit dem Schwerpunkt Geisteswissenschaften und Harvey Mudd, wo man sich auf Mathematik, Physik, Computer- und Ingenieurwissenschaften konzentriert, zählen mittlerweile zu den elitärsten Ausbildungsstätten, um einen Bachelor-Abschluß zu erwerben. Weiter nördlich, im Herzen des Silicon Valley, liegt die katholische Santa Clara University, Kaliforniens älteste Institution höherer Bildung, die 1851 von Jesuiten gegründet wurde. Im Schatten der Nachbaruniversität Stanford hat Santa Clara sich beachtliche Plätze auf einigen Ranglisten erobert. Einen guten Ruf genießen vor allem die Studiengänge Betriebs- und Ingenieurwissenschaften. Internationales Ansehen hat die Privatuniversität im Technologierecht erworben, hierzu gibt es mehr als 50 Lehrveranstaltungen.
Gerade Studenten fortgeschrittener Semester und Bewerber um ein Graduiertenstudium sollten den Blick gezielt auf den jeweiligen Studiengang richten. Das kleine Mills College im kalifornischen Oakland, zum Beispiel, genießt internationales Ansehen für sein Graduiertenstudium in elektronischer Musik. Wirtschaftsingenieure finden in Atlanta am Georgia Institute of Technology eine der renommiertesten Fakultäten. Und für angehende Manager ist der Großraum Chicago eine attraktive Adresse. Mit der Kellogg School of Management an der Northwestern University und der Graduate School of Business an der University of Chicago finden sich dort gleich zwei der besten Business Schools .
Eine Frage des Geldes
Die Universitäten verlangen mindestens den Sprachtest TOEFL. Informationen dazu sowie über weitere Tests gibt es auf den Internetseiten der amerikanischen Botschaft in Deutschland (http://www.us-botschaft.de/germany-ger/austausch/index.html) und in Österreich (http://vienna.usembassy.gov/de/us/bild.htm). Auch der Deutsche Akademische Austauschdienst bietet umfassende Informationen (http://www.daad.org/). Welche Hochschule in Frage kommt, hängt auch vom Geldbeutel ab. Bei kleinen, elitären Colleges muß man mit Studiengebühren um 30 000 Dollar im Studienjahr rechnen. Auch die guten staatlichen Universitäten verlangen zum Teil stattliche Gebühren. An der University of Virginia sind für das laufende Studienjahr rund 26 000 Dollar zu zahlen. Einfacher gestaltet sich die Planung und oft auch die Finanzierung des Studiums in den Vereinigten Staaten, wenn die Heimatuniversität eine Partnerschaft mit einem amerikanischen College oder einer amerikanischen Universität pflegt.
Text: F.A.Z., 07.10.2006, Nr. 233 / Seite C8
Bildmaterial: F.A.Z.-Tresckow