FAZ.NET
Investor
Märkte
F.A.Z.-Archiv
Abo

FAZJOB.NET

FAZjob.NET Ingenieur-Channel

07. Oktober 2008

Mein FAZjob.NET:
FAZJOB.NET
NEU FAZjob.NET - Tour




FAZjob.NET >Beruf und Chance >Campus >

   
 Beruf und Chance 
 
Arbeitswelt
Vergütung
Arbeitsrecht
Neue Köpfe
Personalprofi
Campus
Stellensuche
F.A.Z.-Community
 
   

F.A.Z.-Stellensuche

   (Hilfe)


Unternehmen des Monats


Jobs der Woche

Weiterbildung

Vom Büro zur Uni zum Aufstieg

Von Thomas Reinhold




18. Dezember 2007 
Es gibt schon bemerkenswerte Titel: "Fernstudent des Jahres" ist so einer. Der Berliner Bankdirektor Gerhard Puhlmann, 42 Jahre alt, darf sich damit schmücken. Im Frühjahr galt er der Jury des Fachverbandes "Forum Distance-Learning" als Jahrgangsbester und -schnellster in seinem betriebswirtschaftlichen Bachelor-Studium an der Europäischen Fernhochschule Hamburg. Einsatz und Eile des Managers erscheinen nachvollziehbar. Es ging um nichts weniger als um die Sicherung seiner beruflichen Existenz.

2002 geriet Puhlmanns Arbeitgeber, die Berliner Sparkasse, ins Trudeln. Als Teil der Berliner Bankgesellschaft stand sie kurz vor dem Konkurs. Puhlmann, mit Verantwortung für 150 Mitarbeiter und 15 Filialen, witterte Gefahr. Er war Bankkaufmann, Sparkassenbetriebswirt - aber den Hochschulabschluss, sagten seine Vorgesetzten, könne das nicht ersetzen. Puhlmann reagierte entschlossen.

"Ich wusste nicht, ob ich's schaffe"

Bloß nicht auf die Abschussliste. Weiterqualifizieren "für alle Fälle". Den Beruf nicht aufgeben. "Aber ich war Ende 30, ich wusste nicht, ob ich's schaffe", sagt der Vater von vier Kindern im Alter von vier bis 13 Jahren. Mit seiner Frau sprach er sich ab, mit der Sparkasse nicht. "Mir war's wichtig, dass es bei der Arbeit niemand merkt. Das hat geklappt." Und das, obwohl sein Arbeitstag morgens um fünf beginnt und erst zwölf Stunden später endet. Den Chef weihte er zum Ende des Grundstudiums ein. Der war begeistert - von Puhlmanns Eigeninitiative, seinem Willen, Geld, Freizeit, Urlaub zu investieren. Er spendierte Sonderurlaub für einen Studienaufenthalt in Peking. Puhlmann schaffte den Bachelor nach 25 statt 36 Monaten, bekam ein Belobigungsschreiben vom Vorstand und hat bald auch noch den Master. Vor allem aber: Er hat seinen Arbeitsplatz gesichert.

Eine schöne Erfolgsgeschichte, so recht nach dem Geschmack des Forums, das neun von zehn privaten Anbietern repräsentiert und einmal "Fernschulverband" hieß. Weil das altmodisch nach Papier und Post klang, heißt es nun "DistancE-Learning" mit einem Großbuchstaben in der Mitte. "Distanz ist das didaktische Konzept", erklärt Verbandspräsident Martin Kurz, "elektronisch ist die Technik, die die persönliche Betreuung ergänzt."

Für Puhlmann mögen Silberpokal und Titel "per saldo Schall und Rauch" sein, doch mit dem Preis hofft eine ganze Branche, auf sich aufmerksam zu machen. Dabei hätte sie so viel Werbung kaum nötig, zieht man die Zahlen des Bundesamtes für Statistik zu Rate. Denn die zeigen: Berufliche Weiterbildung ist in Mode. Fach- und Führungskräfte, die an ihrer Karriere feilen (müssen), wählen häufig das Fernstudium, das Flexibilität von Ort und Zeit verspricht. (Sagen Sie uns Ihre Meinung - )

Mehr als 326 000 Menschen in Deutschland nutzten 2006 einen Fernlehrgang oder ein Fernstudium zur berufsbegleitenden Weiterbildung, 7 Prozent mehr als im Vorjahr. Drei Viertel entschieden sich in eigener Initiative zur Weiterbildung, fast jeder Fünfte belegte ein Hochschulstudium an einer staatlich anerkannten Fernhochschule. Betriebswirtschaftliches Wissen ist am begehrtesten, jeder Vierte saß in solchen Kursen. Die Frauen machen 52 Prozent aus, 74 Prozent aller Fernlernenden waren 20 bis 40 Jahre alt. Die Generation "40plus" hole auf, betont Martin Kurz zufrieden. 22 Prozent aller Fernlernenden sind über 40; vier Jahre zuvor waren es 16 Prozent.

Vager Wunsch nach persönlicher Entwicklung

Die Gründe, die Frauen und Männer auf die Hochschulbank treiben, sind so vielschichtig wie das Angebot. "Sie dürfen nie die persönliche Komponente außer Acht lassen", sagt Elisabeth Krekel, Soziologin und Abteilungsleiterin im Bundesinstitut für Berufsbildung. Befragte nennen allem voran den vagen Wunsch nach persönlicher Entwicklung. In einer Befragung im Jahr 2002 nannten 55 Prozent der Teilnehmer dies als Motiv. Dahinter rangiert die Verbesserung der beruflichen Leistungsfähigkeit, Sicherheit vor Arbeitsplatzverlust, höheres Einkommen, Verbesserung der Aufstiegschancen.

So ist auch Astrid Kühn ein typischer Fall. Nach dem Abitur und der Ausbildung bei einem Frankfurter Verlag, lernte sie unter anderem Abo-Service und Zeitschriftenvertrieb kennen, war zuletzt Assistentin in einer großen Nachrichtenredaktion. Dort inspirierte sie das akademisch geprägte Umfeld. Doch mit 26 spürte die Verlagskauffrau schmerzhaft, "wenn du nie ein Studium machst, bleibst du immer Sachbearbeiterin". An der Fachhochschule Mainz nahm sie ein berufsintegrierendes BWL-Studium auf und überzeugte die Personalabteilung, passende Arbeitszeiten zuzulassen. Neun von zehn Semestern hat sie nun hinter sich, zwei halbe Tage pro Woche in Vorlesungen verbracht, dazu fast jeden Abend gelernt. "Man trägt sein Thema dauernd mit sich herum", sagt sie, "ich wollte immer eine Eins haben, alles sollte super werden." Wie bei vielen Kommilitonen zerbrach in der Zeit die Beziehung zu ihrem Freund. Beruflich aber lief es optimal. Kurz vor dem Examen bekam sie eine neu geschaffene Stelle im Verlag - mit Hilfe der Personalreferentin, die froh ist, die strebsame Kollegin halten zu können. Kühns Gehalt soll nun steigen, und ihre Diplom-Arbeit kann sie über ein Marketing-Thema schreiben. Erfahrungen aus der täglichen Arbeit helfen ihr schon dabei: eine Win-Win-Situation.

In Mainz ist das Studium nahezu kostenlos, die privaten Anbieter verlangen schnell einige tausend Euro. Das sei gut investiert, behaupten etwa die Akad-Privathochschulen, die sich vor allem gegenüber dem klassischen Erststudium an einer staatlichen Hochschule mit dem Steuervorteil profilieren wollen, der für das berufsbegleitende Fernstudium spreche. Der Bundesfinanzhof lässt es zu, dass Erst- und Zweitstudium als Werbungskosten angesetzt werden. Damit relativiere sich der Preis, zumal auch viele staatliche Hochschulen längst Studiengebühren verlangten, im Schnitt 1000 Euro im Jahr. 110 Euro pro Monat inklusive Verwaltungsgebühren, das ist der Satz, gegen den sich Akad behaupten will.

Steuerlich geltend zu machen

Das Beispiel: Ein Student im Nebenberuf zahle für sein Bachelor-Studium in BWL 48 Monate lang 242 Euro. Bei einem Jahreseinkommen von 25 000 Euro und einer Steuerlast von 4271 Euro für einen Unverheirateten blieben nach Abzug der Studiengebühren 22 096 Euro zu versteuerndes Einkommen und 3432 Euro Steuer. 839 Euro Ersparnis machten pro Monat fast 70 Euro aus, das Akad-Studium koste dann noch rund 171 Euro im Monat.

Geschäftsführer Harald Melcher sagt, sein Unternehmen konzentriere sich "auf Fächer, für die Studenten bereit sind, mehr Geld zu bezahlen, um später entsprechend zu profitieren". Außerdem werde der Preisunterschied durch bessere Betreuung und ein zügigeres Studium wettgemacht.

Doch auch die staatliche Seite des Marktplatzes ist bunter und vielfältiger geworden. Längst spielen zig andere staatliche Hochschulen in der wissenschaftlichen Erwachsenenbildung mit. So wie die Uni Kaiserslautern, mit 3200 Studenten die Nummer zwei nach Hagen: "Die Privaten waren früher als wir präsent", sagt Sprecherin Carla Sievers, "aber das ändert sich." Die Angebote seien nicht leicht vergleichbar, oft ergänzten sie sich. Moderate Töne bei aller Konkurrenz. Nur den Vorwurf, bei ihnen sei die Betreuung schlechter, lässt sie so pauschal nicht gelten - und: "Der Titel von einer ordentlichen deutschen Hochschule bringt am Arbeitsmarkt einen Vertrauensvorschuss."

Wegweiser zur WWWeiterbilung

  • Die Staatliche Zentralstelle für Fernunterricht wacht über die Einhaltung des „Fernunterrichtsschutzgesetzes“. Ohne eine Zulassung dürfen Fernlehrgänge nicht vertrieben oder beworben werden. Die Datenbank der ZFU gilt als aktuell und vollständig, nur persönliche Beratung gibt es hier nicht: www.zfu.de
  • www.hochschulkompass.de - auf den Seiten gibt es Informationen über das Studienangebot an deutschen Hochschulen, Ansprechpartner und internationale Kooperationen. Die Daten werden von den Hochschulen selbst gepflegt.
  • Arbeitsgemeinschaft für das Fernstudium an Hochschulen, mit Nachrichten zum Thema und Blick ins Ausland: www.ag-fernstudium.de
Text: F.A.Z., 15.12.2007, Nr. 292 / Seite C1
Bildmaterial: F.A.Z. - Cyprian Koscielniak
 
 
Lesermeinungen zum Beitrag [1]
Ach, welche vier Fragen................ 20.12.2007, 23:32
 
   
 Zum Thema 
 
BWL-Studium als Sonderangebot
Auf der Überholspur zum Examen
Den Arbeitsmarkt studieren
Weitere Themen
Hochschulabschluß vor dem Abitur
 
   
   
 Artikel-Service 
 
Seite drucken
Versenden
Lesezeichen
Vorherige Seite
 
   
   
 Neue Köpfe 
   
 
Leyh wird neuer CEO von Swiss Life  
 
   
     
  FAZ JOB-Blog  
 
Per Anhalter durch die Arbeitswelt
 
 
 
 
 
Karriere im Takt
 
 
 
 
 
Coach Me If You Can
 
     
 





Impressum  |  Datenschutzerklärung  |  Nutzungsbedingungen  |  Preise  |  Über uns

Alle freien Jobs und Stellen  |  Stellenangebote nach Firmen und Unternehmen  |  Vorteile auf einen Blick  |  FAZjob.NET - Tour