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Studiendauer

Schneller am Markt?

Von Jürgen Kaube



Deutsche Studenten erreichen den Bachelor im Schnitt nach sieben Semestern
08. April 2008 
Die statistische Erfolgsbilanz der unter „Bologna“ rubrizierten Studienreform ist, um es vorsichtig zu sagen, bislang eine gemischte. Man erinnert sich: Sechs Semester sollte das berufsbefähigende Erststudium nur noch dauern. Die internationale Mobilität der Studenten sollte durch den international akzeptierten Bachelor erhöht werden. Der Studienabbruch sollte durch frühzeitige Zeugnisvergabe, straffere Studienplanung und studienbegleitendes Prüfen zurückgehen. Beim Übergang vom Bachelor- zum Masterstudium sollten die Hochschulen stärker auswählen können. Und eine stärkere Kontrolle, ob die Studiengänge solchen Zielsetzungen entsprechen, sollte von der Akkreditierung eines jeden gewährleistet werden.

Geht man diese Versprechen Punkt für Punkt durch, so steht es um ihre Einlösung nicht zum Besten. Inzwischen - zwei Drittel aller Studiengänge folgen schon dem Modell von Bologna - liegen erste Untersuchungen zum Studienabbruch beim Bachelor vor: Bislang sind die Zahlen nicht rückläufig, um es vorsichtig auszudrücken. Das Versprechen von mehr internationaler Mobilität bei Studienzeitverkürzung ruft allenfalls noch die Verwunderung darüber hervor, wie es jemals hatte abgegeben werden können. Für eine aussagekräftige empirische Erhebung, wie viele Studenten an den Bachelor auch noch ein Masterstudium anschließen, ist es noch zu früh, aber ganze Fächer leben in der Gewissheit, dass nur dadurch ein berufsqualifizierender Ausbildungsgrad erreicht werden kann. Das studienbegleitende Prüfen, wie es derzeit vielerorts praktiziert wird, ist von der Vizepräsidentin der Universität Göttingen, Doris Lemmermöhle, kürzlich bei gegebenen Lehrkapazitäten als nicht durchführbar beschrieben worden. Und was die Akkreditierung einzelner Studiengänge angeht, so haben ihre Kosten und der Aufwand an Zeit, den sie mit sich bringt, längst das Wort von der „Systemakkreditierung“ und mit ihm die Sehnsucht nach pauschalen Verfahren aufkommen lassen.

Statistiken mit Vorsicht zu genießen

Bleibt die Studiendauer. Soeben hat die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) dazu Zahlen vorgelegt. Danach schließen Studenten ihre Bachelorphase bislang durchschnittlich mit knapp 7 Semestern ab. In den Ingenieurwissenschaften liegt die Zahl ein wenig höher (bei 7,2 Semestern), für „Humanmedizin und Gesundheitswissenschaften“ wird sie etwas niedriger ausgewiesen. Das wiederum zeigt, wie vorsichtig man mit solchen Statistiken umgehen muss, gibt es doch gar kein medizinisches Bachelorstudium; was immer die so rubrizierten 540 Absolventen der HRK-Zählung studiert haben, Ärzte sind es nicht.

„Für die Bachelorabsolventen“ fasst die HRK zusammen, „zeigt sich, dass sie beim Abschluss etwa zwei Jahre jünger sind als die Absolventen der traditionellen Studiengänge“, also Diplom, Magister und Staatsexamen. Diese werden derzeit nach durchschnittlich 10,4 Semestern erreicht. Das klingt nach einem ungeheuren Durchbruch hin zu effizienterem Studieren. Addiert man allerdings die Fachstudienzeit, die für Bachelor und Master aufgewandt wird, kommt man für das Studieren im Bologna-Modell auf eine Studiendauer von 11,7 Semestern, mithin eine Verlängerung des Studiums unter Bologna-Bedingungen um 1,3 Semester. Das Masterstudium währt schon jetzt im Durchschnitt fast fünf Semester, was deutlich oberhalb der in Aussicht gestellten Studiendauer liegt. Ob die vorliegenden Zahlen darum als erster Erfolg verbucht werden können, hängt also sehr davon ab, ob der Vergleich zwischen Bachelor- und Diplomabschluss sinnvoll ist, oder ob, wie es beispielsweise die Ingenieure und die Naturwissenschaftler mit Nachdruck vertreten, erst der Master es mit dem Lernspektrum des Diploms aufnehmen kann.

Bologna-Reform soziologisch ziemlich undurchdacht

Von dieser Frage unberührt ist eine weitere Irritation, die sich bei der Lektüre der HRK-Tabellen ergibt. Denn zwar sind die Bachelors im Mittel zwei Jahre jünger - und die wenigen bislang zählbaren Masterabsolventen knapp älter - als die Diplomabsolventen. Aber ihr Durchschnittsalter liegt mit knapp 26 Jahren nach wie vor deutlich höher als dasjenige der Studenten in ausländischen Hochschulsystemen. Den Altersabstand zu der viel früher auf den Arbeitsmarkt tretenden Jugend in Nachbarländern zu verringern, war ein weiteres der erklärten Ziele deutscher Bologna-Euphoriker. Jetzt scheint sich zu zeigen, dass das vergleichsweise hohe Alter hiesiger Studenten beim ersten Abschluss gar nicht in erster Linie mit dem Studium selbst zu tun hat.

Die deutschen Studenten beginnen also, so deutet es auch die HRK, schon später mit dem Studium als viele ihrer europäischen Kommilitonen. Es bleibt insofern auch nach diesen Zahlen und bis auf Weiteres der Eindruck, dass die Bologna-Reform soziologisch ziemlich undurchdacht und - im Durchschnitt - eher viel versprechend als vielversprechend war.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP
 
 
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Lesermeinungen zum Beitrag
berufsbefähigendes Halbstudium
;eider hat man nur über Begriffe diskutiert ,
Wer hat da gerechnet?
 
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