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Die beste Universitätsrede



Warum anstrengen? Kommen Sie erstmal rein
08. Oktober 2007 
Es gibt demnächst, zum Beginn des Wintersemesters, wieder viele Universitätsreden für die Studienanfänger. Die meisten davon könnte man auch "Humboldtbeschwörungen" nennen. Jeder, hat man einmal gesagt, kann eine solche Rede halten, aber niemand möchte mehr gern eine hören.

Doch es gibt Ausnahmen. Wer die beste Universitätsrede lesen will, die in jüngerer Zeit gehalten wurde, für den ist sie jetzt leicht zugänglich geworden. Der Hochschulverband hat ein Supplement zur Nummer 8/2007 seiner Zeitschrift "Forschung & Lehre" herausgebracht, das den schlichten Titel "Welcome to the University of Chicago" trägt. Unter dieser Überschrift hat der Soziologe Andrew Abbott vor fünf Jahren den neuen Bachelorstudenten an seiner Universität einen einstündigen Willkommensgruß entboten, der es in sich hat. Wer will, kann ihn auch im Internet unter http://www.ditext.com/abbott/abbott_aims nachlesen.

Abbott versucht darin eine Antwort auf die Frage, warum ein Student an einer Spitzenuniversität sich überhaupt anstrengen sollte. Denn weder sein beruflicher Erfolg, noch überhaupt seine Berufswahl hängen erkennbar von solchen Anstrengungen ab. An der Universität lernt man schreiben, im Beruf müssen die meisten nur telefonieren oder Notizen machen. An der Universität lernt man kritisieren, im Beruf muss man seine Meinung für sich behalten können. Und so weiter: Abbott untersucht geduldig alle Argumente zugunsten einer Vorbereitung auf das Leben durch Wissenschaft, zieht die soziologische Empirie heran und kommt zum Ergebnis, dass Bildung kein anderes Ziel hat als sich selbst. Viele werden sagen: Das haben wir schon einmal gehört. Aber so klug, so witzig und so anregend hat man es eben noch nie gehört. Abbotts Universitätsrede sollte an jeden, der heute mit einem universitären Studium beginnt, auch außerhalb Chicagos, ausgeteilt werden. kau

Text: kau., F.A.Z., 05.10.2007, Nr. 231 / Seite 48
Bildmaterial: fotolia.com
 
 
   
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