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Tutoren

Des Professors rechte Hand

Von Philip Eppelsheim



Lehrauftrag: Tutorin Anna Carbow bringt ihren Kommilitonen bei, wie ein Arzt richtig abrechnet
22. April 2008 
Viele Studenten treten einen Job als Tutor nicht nur an, um ihre Finanzen etwas aufzubessern, sondern auch in der Hoffnung, damit die erste Sprosse auf der akademischen Karriereleiter zu erklimmen. Die Hoffnung scheint begründet. Schließlich sagen die Universitäten selbst, dass die Tutorenprogramme, die oftmals ergänzend zu Vorlesungen und Seminaren laufen, den Studenten das Einschlagen der wissenschaftlichen Laufbahn erleichtern sollen.

„Über die Tutorenprogramme wollen wir Studenten frühzeitig in die Lehre einbinden“, sagt der Dekan des Fachbereichs Medizin an der Universität Mainz, Reinhard Urban. Der Fachbereich hat die Mittel für das Tutorenprogramm in den vergangenen Jahren kontinuierlich aufgestockt. Für das Sommersemester 2008 sind 60.000 Euro vorgesehen. Die Tutoren seien oft die rechte Hand des Dozenten und im Lehrbetrieb der Universität eine wichtige Stütze, so die Begründung. Im Ausland sei es zudem schon lange normal, dass ältere Studenten jüngere Studenten unterrichten. „Die Tutoren haben einen besseren Zugang zu Studenten, da sie im gleichen Alter sind.“

Tutoren verdienen zwischen 300 und 450 Euro im Monat

Nur ausgewählte Studenten kämen als Hilfslehrkräfte in Frage, sagt Urban. Für diese richte die Universität dann Fortbildungen aus. „Das läuft analog zur Forschung. Wir erkennen geeignete Studenten und versuchen, ihnen ein Tutorium schmackhaft zu machen.“ Auch Anna Carbow und Gerhard Pioro mussten ein Seminar besuchen, bevor sie Studenten das medizinische Abrechnungsverfahren „Diagnosis Related Groups“ erklären durften. Pioro war vor einem Jahr auf der Suche nach einem Hilfsjob. Er wollte möglichst eine medizinische Tätigkeit und las auf der Fachschaftsseite, dass Tutoren in der Kinderklinik gesucht wurden. „Mit der Arbeit konnte ich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Zum einen bekomme ich gute Kontakte, zum anderen hat auch das Geld eine Rolle gespielt.“

In Mainz verdienen die Tutoren zwischen 300 und 450 Euro im Monat. Anfangs wird ihr Unterricht noch überprüft. „Wir lassen keinen Studenten alleine wurschteln“, sagt Urban. Und fügt dann hinzu: „Jedenfalls sollte es so sein.“ Allerdings sollen durch die Tutorenprogramme Studenten nicht nur in die Lehre eingebunden werden. Der Vorwurf, dass sie lediglich als billige Arbeitskräfte genutzt würden, weist Urban zwar von sich. Allerdings sei die Universität auf die Helfer angewiesen. „Tutoren brauchen wir. Es ist nun einmal ein generelles Problem an den Universitäten, dass die Landesmittel für die Lehre nicht üppig bemessen sind.“

Im Unterricht werden die Betreuer allein gelassen

Susan Rödiger hatte sich nach ihrem Ersten Staatsexamen in Rechtswissenschaft als Tutorin an der Universität Frankfurt beworben. Sie hatte ihr Examenszeugnis eingereicht und bekam daraufhin ein Tutorium für Familienrecht und eines für Strafrecht. „Das war wohl meinem Prädikatsabschluss zu verdanken. Mein Freund, der ein schlechteres Examen gemacht hat, wurde ganz anders behandelt.“ Man habe ihm gesagt, dass er mit seiner Note nichts werden könne, stellte aber Studenten ohne Examen ein. „Da wird mit zweierlei Maß gemessen.“ Vor dem Beginn der Tutorien gab es zwar Treffen mit den Professoren, im Unterricht wurden die Betreuer aber allein gelassen.

Rödiger betrachtet das System denn auch mit gemischten Gefühlen. Grundsätzlich sei es gut, dass ältere Studenten berichten könnten, auf was man achten sollte, und zudem hätten die Tutoren in der Tat einen besseren Zugang zu den Studenten. Allerdings sei in Strafrecht der vorgesehene Stoff nicht zu schaffen gewesen. Als Rödiger das bemängelte, wurde ihr mitgeteilt, dass man sich die Zusammenarbeit so nicht vorgestellt habe. „Hier machen wir es nun einmal so“, war die einzige Antwort auf ihre Kritik. Was sie zudem verwunderte, war das Zeugnis, das ihr ausgestellt wurde. Dort nahm der Strafrechtslehrstuhl auch Bezug auf ihre Lehrfähigkeit. „Dabei konnten sie es gar nicht wissen. Sie haben sich nie eine Stunde angehört.“ Dennoch will Rödiger wieder als Tutorin arbeiten. Zum einen wegen der 520 Euro brutto, die sie verdient hat – und weil ihr der Unterricht zumindest in Familienrecht Spaß gemacht hat.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z. - Marcus Kaufhold
 
 
   
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