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Stress an der Hochschule

Wenn das Studium blanker Horror wird



Viele studieren wörtlich bis zum Umfallen
23. Juli 2008 
Semester-Ende - was Außenstehenden wie der Anfang einer ausgedehnten Faulenzerzeit scheinen mag, ist für viele Studenten der blanke Horror: Dozenten kennen bei der Abgabe von Arbeiten keine Gnade, Prüfungen stehen an, und der Stress nimmt immer weiter zu. Im Ernstfall wird so etwas dann ein Fall für die psychologische Beratung der Uni. Der Bedarf hierfür ist in den letzten Jahren jedenfalls stetig gestiegen.

„Die häufigsten Probleme der Studierenden, die in unsere Beratungsstellen kommen, sind Leistungsstörungen, mangelndes Selbstwertgefühl, depressive Verstimmung, Labilität, Prüfungsangst und allgemeine Ängste, außerdem Alkohol- und Cannabissucht“, erläutert der Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks, AchimMeyer auf der Heyde. In jüngster Zeit sei auch exzessive Computer- und Internetsucht aufgefallen, wodurch das Studium und das soziale Umfeld in Gefahr geraten könnten.

Mit solchen Themen ist auch Edith Püschel von der psychologischen Beratungsstelle der Freien Universität Berlin konfrontiert. Allerdings unterscheiden sich die Probleme der Studierenden je nach Jahreszeit voneinander, wie die Psychotherapeutin aus ihrer Berufspraxis berichtet. Gegen Semester-Ende haben es die Berater vor allem mit Terminstress, Prüfungsangst und Entscheidungsproblemen rund um Fachwechsel oder Studienabbruch zu tun. Während des Semesters und vor allem gegen Jahresende - wenn traditionell Bilanz gezogen wird - spielen Probleme rund um die Identitätsfindung, die Beziehung oder die Ablösung vom Elternhaus und generell depressive Symptomatiken eine größere Rolle.

Immer mehr Burn-Out-Fälle

Insgesamt bieten derzeit 44 der insgesamt 58 deutschen Studentenwerke eine psychologische Beratung an. Und die Studierenden nahmen das Angebot in den vergangenen Jahren immer öfter in Anspruch. Nach Angaben des DSW waren es im Jahr 2004 mehr als 16.000 Studierende, 2006 schnellte die Zahl auf 22.800. „Studieren bis zum Umfallen“ ist für immer mehr Hochschüler ein Problem, das das Studentenwerk an den seit einiger Zeit steigenden Zahlen von Burn-Out-Fällen festmacht. Depressionen, Angstattacken, Schlafstörungen und Magenkrämpfe seien hier die häufigsten Symptome. DSW-Generalsekretär Meyer auf der Heyde sieht den Grund für diese Entwicklung vor allem in der Umstellung der traditionellen Studienverläufe auf Bachelor- und Masterstudiengänge: „Die Studierenden haben Probleme mit den besonderen zeitlichen Anforderungen und den permanenten Leistungskontrollen.“ Oft könnten sie beides nicht unter einen Hut bringen.

Falsches oder gar kein Zeitmanagement ist häufig die Wurzel allen Übels, wie auch Püschel immer wieder feststellen muss. Ihrer Einschätzung nach haben sich die Probleme, mit denen sich Studierende an die Hilfestellen wenden, in den vergangenen Jahren nicht allzu stark verändert, weshalb für sie auch die zunehmende Zahl von Burn-Out-Fällen keine große Überraschung ist. „Studenten sind psychisch immer hoch belastet und seit jeher besonders anfällig gewesen“, betont die Expertin. „Der Druck hat sich in der letzten Zeit aber sicherlich erhöht.“ Ziel einer Beratung ist es, den Betroffenen möglichst rasch den Boden unter den Füßen wiederzugeben und ihnen vor allem Entlastung und Orientierung zu bieten. In schwierigeren Fällen, bei denen Studenten ihre eigene Situation gar nicht mehr richtig einschätzen können und es mit einer Beratung nicht mehr getan ist, muss vor allem nach dem richtigen Hilfeangebot gesucht werden. Am Ende kann auch stehen, dem Betroffenen eine Therapie nahezulegen.

Eltern gegenüber in der Pflicht

Nach Angaben des DSW suchen zunehmend weniger Langzeitstudenten die Beratungsstellen auf. „Vielmehr sind diejenigen, die Beratung in Anspruch nehmen, sehr zielstrebig um einen Abschluss bemüht“, betont Meyer auf der Heyde. Ein weiteres Problem liegt nach seiner Einschätzung im finanziellen Bereich: So versuchten viele Studierende zu vermeiden, dass die finanzielle Abhängigkeit von den Eltern zu allzu hohen Schulden führt. „Dadurch entsteht eine stärkere Bindung an das Elternhaus“, erklärt er. So würden Ablösungsprozesse erschwert.

Die Studierenden stünden dann unter starkem Legitimationsdruck den Eltern gegenüber, wenn sie Fehlentscheidungen treffen bei der Studienwahl, wenn sie Fehlschläge verkraften oder aber Umwege im Studium gehen müssen.

Text: AP
Bildmaterial: AP
 
 
Lesermeinungen zum Beitrag [2]
HÖHER. WEITER. 30.07.2008, 11:44
wen wunderts? 24.07.2008, 15:51
 
   
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