13. Oktober 2006 Der Automobilzulieferer Continental intensiviert die Zusammenarbeit mit zwei Universitäten Chinas bei den Ingenieurwissenschaften: der Shanghai Jiao Tong-Universität und der Tsinghua-Universität. Im Rahmen eines China-Besuchs sprach Continental-Personalvorstand Thomas Sattelberger an diesem Freitag mit Professoren und Studenten der Jiao Tong Universität über Perspektiven der Ingenieurausbildung und insbesondere die nötige Internationalisierung der Studiengänge. Doch nicht nur Unternehmen erweitern ihre Kontakte nach China. Auch deutsche Universitäten strecken immer häufiger ihre Fühler aus.
Die Wirkung international gestalteter und vernetzter Ingenieur-Ausbildungsgänge sei ein wichtiger Teilaspekt der Global Engineering Excellence-Studie, die acht Universitäten aus aller Welt auf Initiative von Continental über die aktuelle und zukünftige Situation von Ingenieuren in der globalen Berufswelt erstellt haben, teilt Conti mit. In dieser Studie, an der auch die Jiao Tong Universität Shanghai sowie die Tsinghua-Universität mitarbeiten, wurden sowohl länderspezifische Ausgangspositionen der Ingenieurausbildung, wichtige Unterschiede im internationalen Vergleich sowie Kriterien für künftige internationale Ausbildungsgänge untersucht.
Bildungspolitische Defizite
Die Ergebnisse dieser Untersuchung geben uns als Unternehmen auf einzigartige Weise die Möglichkeit, unsere Talentsuche und -gewinnung in den untersuchten Ländern zu optimieren, sagte Sattelberger. Außerdem decke die Studie auch bildungspolitische Defizite und auf. Conti will die Ergebnisse der Studie am 10. November in Frankfurt präsentieren.
Der chinesische Ingenieurnachwuchs zeichne sich nach den Teilergebnissen der Forschungsarbeit durch hohe theoretisch-akademische Qualifikation und ausgeprägte Arbeitsethik aus. Sattelberger rechne damit, daß sich der chinesische Talentmarkt in den kommenden Jahren exponentiell vergrößern werde. Deshalb strebe Conti Bildungsbrücken zwischen Hochschulen und Unternehmen an. In dem Unternehmen förderten schon seit längerem Fach- und Führungskräfte in Europa, den Vereinigten Staaten und zunehmend in Asien Kooperationen zwischen Theorie und Praxis und informierten an den Universitäten über Fachthemen und Karrierechancen des Konzerns.
An mehreren Standorten habe das Unternehmen sogenannte Continental Universities mit Hochschuleinrichtungen der Region gegründet. Mitarbeiter könnten sich dort weiterbilden, heißt es, und die beteiligten Unis profitierten vom Praxiswissen des Unternehmens. Nur so könne Conti sicherstellen, weiterhin geeigneten technischen Nachwuchs für den Konzern zu gewinnen, ergänzte Sattelberger.
Akademischer Austausch nimmt zu
Deutsch-chinesische Studienprogramme seien immer beliebter, haben die Hochschulrektorenkonferenz (HRK), das Bundesbildungsministerium und der Deutsche Akademische Austauschdienst DAAD festgestellt. Deutsche Hochschulen suchten gezielt nach strukturierten Austauschmöglichkeiten mit China, heißt es in einer Mitteilung des DAAD. Gemeinsame Studiengänge böten der deutschen Hochschule die Chance, entsprechend ausgebildete und für ihr Profil geeignete chinesische Studierende auszuwählen. Gleichzeitig werde deutschen Studierenden die Möglichkeit geboten, im Rahmen von gut strukturierten und in das deutsche Curriculum eingepaßten Programmen einen Teil ihres Studiums im Ausland zu absolvieren. In einem ersten Arbeitsschritt hat die HRK 2005 eine Studie herausgegeben, in der ein Überblick über bestehende Programme gegeben wird und einzelne Kooperationen nach spezifischen Kriterien analysiert werden.
Die Studie ist zum Download im Internet verfügbar. Auf dieser Grundlage sind in Zusammenarbeit mit chinesischen Partnern konkrete Empfehlungen für die Hochschulen entwickelt worden. Auch diese Empfehlungen hat die HRK im Internet veröffentlicht.
Text: tor./F.A.Z.
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