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Hochschulen

Streit um Effekte der Studiengebühren




13. Dezember 2007 
Eine neue Verteilung der Mittel für die Hochschulen verlangt der Vorsitzende der Kultusministerkonferenz, Berlins Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD). Die Hochschulfinanzierung müsse hin zu dem Prinzip „Geld folgt Studierenden“ geändert werden, sagte Zöllner der „Berliner Zeitung“. Er bezog sich dabei auf die am Mittwoch vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Angaben, nach denen die Zahl der Studienanfänger bundesweit 2007 um 3,8 Prozent zugenommen hat. Mit einem Plus von fast 14 Prozent fiel der Zuwachs in Ländern wie Bremen und Brandenburg, die keine Studiengebühren erheben, besonders hoch aus. In Berlin gab es fast 12 Prozent mehr Erstsemester als 2006 (Stimmen Sie ab: )

In Deutschland beginnen wieder mehr junge Menschen ein Studium, die Zahl stieg auf 358.217. Jeder zweite Studienanfänger ist weiblich. Damit nimmt durchschnittlich jeder Dritte jedes Altersjahrgangs (36,6 Prozent) ein Studium an einer Hochschule oder einer Fachhochschule auf. Die Bundesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, diese Quote auf 40 Prozent zu erhöhen. Bundesbildungsministerin Schavan (CDU) wie auch die Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), Wintermantel, führten die "Trendwende" auf den Hochschulpakt von Bund und Ländern zur Schaffung zusätzlicher Studienplätze zurück.

Grüne fühlen sich bestätigt

Umstritten waren die Auswirkungen von Studiengebühren auf die Zahl der Erstsemester. Besonders hohe Zuwachsraten verzeichneten die Länder Brandenburg (13,7 Prozent), Bremen (13,5 Prozent) und Berlin (11,8 Prozent), in denen keine Gebühren erhoben werden. Überdurchschnittliche Zuwächse zeigten sich auch an den Hochschulen in den ostdeutschen Bundesländern. HRK-Präsidentin Wintermantel wies aber darauf hin, dass auch Länder mit Studienbeiträgen wie Niedersachsen (7,6 Prozent), Hamburg (5 Prozent), Nordrhein-Westfalen (2,3 Prozent) und Bayern (1,7 Prozent) eine Zunahme an Studienanfängern verzeichnen könnten. In Baden-Württemberg (minus 2,2), Hessen (minus 0,4) und im Saarland (minus 3,1), wo ebenfalls Gebühren erhoben werden, haben hingegen weniger junge Leute als im Vorjahr ein Studium aufgenommen. Frau Wintermantel verwies darauf, dass dort, wo Gebühren erhoben würden, inzwischen "konkrete Effekte bei der Verbesserung der Lehre" festzustellen seien, etwa mehr Tutorien, besser ausgestattete Lehrbuchsammlungen oder neuere Software für die Rechner. Frau Wintermantel mahnte zugleich, dass die Mittel an vielen Standorten nicht ausreichten. Die Grünen in Nordrhein-Westfalen glauben, die Haltung „Privat vor Staat“ sei „auch an den Hochschulen auf ganzer Linie gescheitert“. Im Landtag wollen sie einen Antrag einbringen, der die Landesregierung dazu auffordert, Studiengebühren zurückzuzahlen.

Fachhochschulen erscheinen attraktiver

An den Universitäten betrug die Zunahme der Studienanfänger dem Statistischen Bundesamt zufolge knapp zwei Prozent, an den Fachhochschulen sogar acht Prozent. Technische Studiengänge werden unter Studienanfängern wieder beliebter. Maschinenbau und Verfahrenstechnik verzeichneten mit rund 38 000 neuen Studierenden ein Plus von zehn Prozent, die Informatik mit 30 300 Studienanfängern einen Zuwachs von vier Prozent. Für Elektrotechnik schrieben sich 16 600 junge Menschen ein (plus drei Prozent), für das Bauingenieurwesen 9500 (plus 18 Prozent).

Baden-Württemberg fördert private Hochschulen

Im Südwesten sollen für staatlich anerkannte private Hochschulen für zusätzliche Studienplätze Zuschüsse des Landes erhalten. Das Wissenschaftsministerium teilte in Stuttgart mit, nach einem Beschluss des Kabinetts wird pro Jahr und zusätzlichem Studenten eine Pauschale von 1400 beziehungsweise 2000 Euro gezahlt. Den niedrigen Beitrag erhalten die Hochschulen für Studienanfänger nichttechnischer Fächer, den höheren für Absolventen technischer Studiengänge. Das Ministerium rechnet mit einem Zuwachs von mehr als 3000 Studierenden bis 2012 an den Privathochschulen. In den Spitzenjahren werde die Förderung mit bis zu fünf Millionen Euro jährlich zu Buche schlagen. In Baden-Württemberg gibt es derzeit 22 private Hochschulen mit 10.000 Studierenden. Dies entspreche einem Anteil von 2,4 Prozent an allen Studierenden. Um den erheblichen Anstieg der Studentenzahl in den kommenden zehn Jahren zu bewältigen werden in Baden-Württemberg bis zum Jahr 2012 insgesamt rund 16 000 zusätzliche Studienanfängerplätze geschaffen.

Ersatzbedarf: Bei den Ingenieuren kommen auf 100 Pensionäre 87 erfolgreiche Hochschulabsolventen. Günstiger sieht es bei den Naturwissenschaften aus. Dort kommen auf 100 Ausscheidende 218 Berufseinsteiger - bei starkem Wachstum in der Branche.

Studienwahl: Die jungen Leute reagieren zudem auf die Signale des Arbeitsmarktes. Fächer wie Bauingenieurwesen (plus 18 Prozent) und Maschinenbau/Verfahrenstechnik (plus 10 Prozent) haben weit überdurchschnittlich mehr Anfänger. In Informatik und Elektrotechnik liegen die Zuwächse bei 4 beziehungsweise 3 Prozent.

Universität oder Fachhochschule: Die Universitäten verzeichnen knapp 2 Prozent mehr Anfänger, die Fachhochschulen über 8 Prozent. Insgesamt sind an den Hochschulen aktuell 1 947 569 Studenten eingeschrieben, etwa 32 000 weniger als im Vorjahr. Die Zahl der sogenannten Langzeitstudenten (15 Semester und mehr) ist weiter zurückgegangen und liegt jetzt bei 6 Prozent. 2000: 10 Prozent.

Studierquote: Der Anteil der jungen Menschen am Altersjahrgang, der ein Studium aufnimmt, liegt jetzt bei 36,6 Prozent. Ziel von Bund und Ländern sind 40 Prozent. 2003 waren bereits 38,9 Prozent erreicht. 21 Prozent eines Jahrganges schließen ein Studium ab. Im Schnitt der 30 wichtigsten OECD-Industrienationen nehmen 54 Prozent ein Studium auf, 36 Prozent beenden es mit Abschluss.

Text: FAZjob.NET
Bildmaterial: ddp
 
 
   
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