UN-Praktikum

Die Interns vom East River

Von Nina Anika Klotz

Das Ziel ist New York, der Start ist Regensburg

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11. Oktober 2007 Kalt ist es, obwohl die Sonne scheint. Der Wind bläst die First Avenue entlang. Einladend sieht es nicht aus, das große graue Gebäude hinter dem hohen Metallzaun am United Nations Plaza. Sicherheitsrat, Generalversammlung und der Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen sind da drin, das UN-Sektretariat ist in dem Hochhaus direkt daneben untergebracht. Dahinter glitzert gräulich der East River, noch weiter dahinter, am anderen Ufer, sieht man ein Stückchen von Queens, nicht das schönste Eck von New York. Vor dem klobigen UN-Hauptquartier stehen 192 kahle Fahnenstangen – eine für jeden Mitgliedsstaat. Doch nur an einer einzigen Stange weht auch eine Flagge, es ist die hellblaue Fahne der Vereinten Nationen selbst.

Das Ziel: Teil des großen Ganzen sein

Hier wollen sie rein, die Studenten aus aller Welt, die sich für internationale Politik, Völkerrecht oder ganz allgemein Völkerverständigung interessieren. Unter Aufsicht der Abgeordneten und der rund 4500 Mitarbeiter des UN-Hauptquartiers wollen sie hier ihre ersten Schritte auf internationalem Parkett wagen. „Das Tolle an einem Praktikum bei der Uno ist es, einmal selbst Teil der Vereinten Nationen zu sein und in dieser einmaligen, multikulturellen Umgebung zu arbeiten. Man bekommt ein Gefühl dafür, was es heißt, ein ‚international citizen‘ zu sein, und lernt die Dinge global zu sehen“, sagt Stefanie Barabas, die die Praktikanten in New York koordiniert. Über ihren Schreibtisch gehen jährlich bis zu 10 000 Bewerbungen von Studenten aus allen Teilen der Erde. Dreimal im Jahr bekommen jeweils rund 200 Kandidaten tatsächlich die Chance, während eines achtwöchigen Praktikums das UN-Innenleben zu entdecken.

Sieben Jahre lang soll das Gebäude am East River renoviert werden - für eine Milliarde Dollar

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Bewerber aus Entwicklungsländern und aus Staaten, die in der Uno unterrepräsentiert sind, werden vorgezogen, erklärt Barabas. Ein Plus sind möglichst viele Fremdsprachen, Englisch oder Französisch sind Grundvoraussetzung. Auch das Studienfach muss passen: Die Chefs der Abteilungen, die einen Praktikanten einstellen, suchen sich denjenigen aus, dessen Kenntnisse und Qualifikationen am geeignetsten erscheinen. Gut ist es, wenn Kandidaten schon Auslandserfahrungen haben. Wichtig ist aber vor allem, dass sie sich für die Arbeit der Vereinten Nationen aufrichtig interessieren.

Die Hauptaufgabe: So viel wie möglich kennen lernen

So wie Georg Schuppert. Das UN-Praktikum war für ihn ein lang gehegter Traum. Der BWL-Student aus Trier ist für acht Wochen im „Department of Public Information“, wo er an der Vorstellung und Vermarktung von UN-Radio und -TV arbeitet – wenn auch vielleicht nicht den ganzen Tag lang. „Eigentlich geht es ja darum, während dieser Zeit die Uno genau kennen zu lernen und so viel wie möglich von ihr zu sehen und zu erleben“, sagt er. Deshalb verlässt er am Nachmittag seinen Arbeitsplatz, um sich umzuschauen. Und für seine Chefin ist das offenbar völlig in Ordnung.

Die Praktikanten haben Zutritt zu sämtlichen öffentlichen Sitzungen der Vollversammlung und diverser Gremien. Von diesem Recht wollen und sollen sie Gebrauch machen – auch während der Arbeitszeit. Über das Intranet erfahren sie wie alle anderen Mitarbeiter, welche Veranstaltungen stattfinden und ob diese für sie zugänglich sind. Wer einen interessanten Termin findet, muss dann nur noch persönlich mit seinem Chef abklären, ob er für diese Zeit abkömmlich ist. Da die Chefs in der Regel entgegenkommend sind, lassen Praktikanten wie Georg dann eben um 14 Uhr ihre Arbeit ruhen, sausen durch die langen Gänge des Hauptquartiers und setzen sich in die Zuhörerbänke eines Versammlungssaales. Manchmal sind Praktikantenkollegen da, manchmal sind sie die einzigen Gäste.

Darüber hinaus haben die „Uno-Interns“ auch hin und wieder die Möglichkeit, nicht-öffentlichen Sitzungen beizuwohnen, sei es, um dort zu arbeiten – als Protokollanten oder am Einlass – oder, weil die Veranstaltung speziell für die Praktikanten geöffnet ist. „Bei der Veredigungszeremonie für den neuen Generalsekretär Ban Ki-moon gab es 50 Tickets speziell für Interns“, erzählt Stefanie Barabas. Aber auch ohne Eintrittskarte klappt es manchmal, sich in geschlossene Veranstaltungen reinzumogeln, berichtet Georg Schuppert. Als Praktikant könne man im UN-Gebäude fast überall hin gelangen, wenn man wirklich wolle. „Man muss nur die richtigen Leute kennen“, sagt er und grinst. „Andere Interns zum Beispiel.“ So hat der Sechsundzwanzigjährige schon viel gesehen. „Besonders cool ist es in der Delegates Lounge, einer Bar hier im Haus. Immer freitags lassen sie da auch die Praktikanten rein. Mit etwas Glück kann man mit einem Abgeordneten bei einem Glas Bier reden. Und selbst wenn nicht: Ist schon ein tolles Gefühl, da oben zu stehen.“

Die oberste Pflicht: Mitnehmen, was geht

Wie bei jedem anderen Praktikum auch liegt es an den Praktikanten selbst, wie viel sie aus zwei Monaten mitnehmen. Wer will, kann einzigartige und wertvolle Erfahrungen sammeln und selbst dafür sorgen, dass das unbezahlte Praktikum nicht umsonst ist - sogar wenn der Job selbst nicht den Erwartungen entspricht. Die Berlinerin Franziska Garbe etwa war vor anderthalb Jahren Praktikantin im „Departement of Public Information“. „Fachlich habe ich da nicht besonders viel gelernt“, sagt die Kommunikationswissenschaftlerin. „Dafür habe ich mich umso stärker während meiner Freizeit in der Praktikantengemeinschaft engagiert.“ Die rund 200 Praktikanten einer „Session“, die jeweils gleichzeitig anfangen und aufhören, sind untereinander hervorragend vernetzt. Über einen Mailverteiler erfährt jeder, was für die jeweils nächsten Tage geplant ist: Ausflüge und Bar-Abende, Fußballspiele im Central Park, Fahrten mit der Staten Island Ferry, nach Brooklyn oder zum Empire State Building.

Natürlich diskutieren die Praktikanten dabei nicht ununterbrochen über internationale Politik. Aber manchmal tun sie auch das. Wahrscheinlich finden sie während ihrer zwei Monate in New York auch keine Lösungen für die Probleme dieser Welt. Vielleicht aber kommen sie ihnen näher. Sicher ist: Während sich Chinesen und Holländer, Deutsche und Kanadier, Franzosen und Indonesier gemeinsam in die kalten, aber bunten und wilden Nächte New Yorks aufmachen, bekommen sie ein Gefühl davon, wie es ist, ein „international citizen“ zu sein. Vielleicht würden sie es nicht so nennen. Vielleicht würden sie sagen, sie sind Praktikanten in einem gigantischen Verwaltungsbau, in einem riesigen Amt – das aber doch etwas ganz besonderes ist.

Wie man nach New York kommt

Kontakt: United Nations, Office of Human Resources Management, Internship Programme Coordinator, Room S 2500 F, New York, NY 10017, USA, E-Mail: OHRM_interns@un.org. Die nächste Bewerbungsfrist für ein Praktikum im Sommer 2008 endet am 31. Januar 2008.

Alle Infos zum Online-Bewerbungsverfahren auf der Webseite zum Praktikantenprogramm der Vereinten Nationen

Voraussetzung: Bewerber müssen an einer Hochschule eingeschrieben und mindestens im Hauptstudium sein.

Kosten und Stipendien: Praktika bei den Vereinten Nationen sind unbezahlt, die Lebenshaltungskosten in New York sind ausgesprochen hoch. Für die monatliche Miete müssen mindestens 400 Euro eingerechnet werden, eine Metro-Monatskarte kostet um die 60 Euro, ein durchschnittliches Mittagessen um die 10 Euro.

Födermöglichkeiten gibt es zum Beispiel über die Studienstiftung (www.studienstiftung.de), den DAAD (www.daad.de) und Inwent (www.inwent.org)

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP, picture-alliance / dpa

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