|
![]() |
Bildungsinvestitionen Studienabbrecher kosten den Staat Milliarden
Studienabbrecher kosten den Staat jedes Jahr 2,2 Milliarden Euro. Das ist das Ergebnis einer am Montag vorgestellten Studie des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft. In der Untersuchung wurden die Studienabbrecherquoten an deutschen Universitäten und Fachhochschulen mit den Durchschnittskosten für einen Studienplatz und den unterschiedlichen Verweildauern der Abbrecher multipliziert. Zusätzlich zu den direkten staatlichen Kosten von 2,2 Milliarden Euro gebe es noch indirekte volkswirtschaftliche Kosten von bis zu 7,6 Milliarden Euro jährlich, beklagt der Stifterverband. Diese Summe errechnet sich aus den privaten Investitionen der Studienabbrecher sowie dem ihnen entgangenen Erwerbseinkommen. Allerdings sind die Bildungsinvestitionen der Abbrecher nicht komplett als volkswirtschaftlicher Verlust anzusehen, gibt der Stifterverband zu (lesen Sie in diesem Sinne Ein Abbruch ist kein Beinbruch). Ein Skandal "Dass fast 30 von 100 Studienanfängern die Hochschulen ohne Abschluss verlassen, ist ein Skandal", sagte der stellvertretende Generalsekretär des Stifterverbands, Volker Meyer-Guckel. Die bloße Umstellung der Studiengänge auf Bachelor- und Mastersystem werde das Problem nicht lösen, sagte Meyer-Guckel. Sein Verband, der Stiftungen zur Wissenschaftsförderung im Gesamtvolumen von gut 1,3 Milliarden Euro betreut, fordert daher Eignungsfeststellungsverfahren für Studienanfänger. Wenn diese nicht wüssten, was im Studium auf sie zukomme, "ist das Scheitern in vielen Fällen programmiert". Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) lehnt Eignungstests ab, wenn diese den Zugang zu den Hochschulen beschränken sollten. "Die Zahl der Studenten zu senken halte ich für absolut nicht zielführend", sagte GEW-Vorstandsmitglied Andreas Keller. Deutschland habe ohnehin zu wenige Studenten. Zustimmung kommt von der Gewerkschaft zur Forderung des Stifterverbandes, die Lehre an den Universitäten zu verbessern. "Investitionen in die Lehre wären im doppelten Sinne lohnend", sagte Meyer-Guckel dazu. "Ein Eine-Milliarde-Euro-Programm zur spürbaren Verbesserung der Lehre und der Betreuung der Studierenden wäre am Ende sogar kostenneutral, wenn es die Abbrecherquote halbiert." Die Höhe der von Ländermittel sollten sich künftig nicht mehr in erster Linie an den Studienplätzen bemessen, sondern an der Zahl der Abschlusse. Nach den jüngsten verfügbaren Daten der Hochschul-Informations-System-Gesellschaft brachen im Jahr 2002 in den Sprach- und Kulturwissenschaften mit 45 Prozent am meisten Studenten ab, gefolgt von den Sozialwissenschaftlern mit 36 Prozent. Unter den Studenten der Naturwissenschaften war 2004 die Abbrecherquote der Informatiker mit 39 Prozent und die der Physiker mit 36 Prozent am höchsten, die der Chemiker mit 24 Prozent am niedrigsten. In den Ingenieurwissenschaften brachen durchschnittlich 28 Prozent der Studenten ab. Vergleichsweise niedrig war die Abbrecherquote der Juristen mit 11 Prozent und die der Mediziner mit 16 Prozent. Insgesamt brechen weniger Studenten an Fachhochschulen als an Universitäten ab. Text: ppl., F.A.Z., 02.10.2007, Nr. 229 / Seite 15Bildmaterial: picture-alliance / dpa/dpaweb |
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||


