Bildungsnotiz

Ein neuer Test für Möchtegern-Mediziner

Ein genauer Blick auf die Bewerber zahlt sich aus

Ein genauer Blick auf die Bewerber zahlt sich aus

30. Oktober 2008 Es hat sich inzwischen auch unter Medizinern herumgesprochen, dass Studienbewerber mit einem Abiturdurchschnitt von 1,0 nicht unbedingt die brillantesten Chirurgen werden. Immer mehr Fakultäten trauen nicht mehr allein der Hochschulzugangsberechtigung. Neben den baden-württembergischen Fakultäten, die ihren Medizinbewerbern einen Studierfähigkeitstest vorlegen, der dem Aufnahmeverfahren bei der Studienstiftung ähnelt, hat die medizinische Fakultät in Lübeck seit einiger Zeit Auswahlgespräche eingeführt, die in Einzelfällen auch Abiturienten, die schlechter als 1,3 abgeschnitten haben, Zugang zum Studium eröffneten.

Um ein Haar wäre der Test an der Bürokratie gescheitert. Da er von der Universität Heidelberg koordiniert wird, verlangt diese eine Gebühr von 50,- Euro dafür. Diese konnte in Lübeck zunächst nicht erhoben werden, weil sie an höherer Stelle als Studiengebühr gesehen wurde. Inzwischen zählt sie zu den Werbungskosten und ist zulässig.

Die Ergebnisse scheinen für den Test zu sprechen. 95 Prozent der Lübecker Medizinstudenten machen ihr Examen fast in der Regelstudienzeit, die Abbrecherquote liegt bei nur 5 Prozent. Die Bindung an die Fakultät sei bei den handverlesenen Studenten viel stärker, berichtet Studiendekan Jürgen Westermann, der selbst Anatomie lehrt. Das Auswahlverfahren ermögliche der Fakultät, auch Engagement und Kommunikationsfähigkeit zu überprüfen.

Auch diesen Sommer haben acht Kommissionen mit zwei Professoren und einem Studenten während der vorlesungsfreien Zeit 80 Auswahlinterviews geführt, um hinterher 20 Studienplätze zu vergeben. Die Kommission kannte die Abiturnote nicht, hatte aber einen Lebenslauf vorliegen. Während der Gesprächseindruck bei bayerischen Abiturienten positiv mit der Abiturnote korrelierte, war die Korrelation bei Mecklenburg-Vorpommern, Berlin und Brandenburg negativ. Die Auswahl wurde weitgehend einvernehmlich getroffen, und die Fakultät hatte auch für den Studienablauf etwas davon. Denn es gab keine Nachrückverfahren, und das Semester konnte pünktlich beginnen. In früheren Zeiten dauerte das Nachrücken häufig bis Mitte November, so dass die Hälfte des Semesters schon vorüber war. Die Auswahlverfahren an immer mehr medizinischen Fakultäten (auch in Greifswald gibt es sie) stellen die Frage nach der künftigen Rolle der ZVS.

Text: oll., F.A.Z.
Bildmaterial: dpa

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