Von Rose-Maria Gropp
22. Mai 2008 Sie sind sehr groß, sie sind sehr pastos gemalt, und sie sind sehr überwältigend: die neuen Bilder von Cornelia Schleime. Das Motto dieser Serie hat nichts für tiefere Deutungen übrig - "Love Affairs" eben. Bloß noch die Gesten, die notorischen Bewegungen, die Nachbeben von etwas, das wahrscheinlich einmal gewesen ist, sind zu sehen. Die Gemälde sind sämtlich Monumente für an ihr Ende gekommene Amouren, Denkmale für langsame Abschiede - ohne Worte. Sie erinnern an Standbilder aus dem ewigen immergleichen Film über das Begehren und die Unwahrhaftigkeit, über Lust und Täuschung, über Feigheit und Berechnung. In der Berliner Galerie von Michael Schultz sind Cornelia Schleimes starke Stücke - die ein jedes jede Menge Raum um sich herum einfordert - schon weggegangen wie die warmen Semmeln, zu erkennen an den roten Punkten allenthalben.
Überhaupt scheint die Sache mit der Liebe und ihrem Verlust bei der Künstlerin in diesem Jahr starke schöpferische Energien freigesetzt zu haben. Denn vor drei Monaten ist auch ihr erster Roman erschienen; "Weit fort" handelt von einer Frau und dem einen oder dem anderen Mann, die beide die Heldin Clara beschädigen und verletzen. Am Ende aber steht Clara, die wie Cornelia Schleime eine Malerin ist, noch da - und sie hat noch immer ihre Kunst, mehr denn je. Die Gemälde der "Love Affairs" stellen sich nicht auf die Seite der Frauen oder Männer, sie halten das Gleichgewicht des Unglücks in der Schwebe. Sie betrachten die allfälligen traurigen Missverständnisse, doch mit umwerfendem Temperament auf die Leinwand gebannt, vergrößert hin zur Kenntlichkeit des Tragischen, koloriert mit dem Glanz der Vergänglichkeit.

Cornelia Schleimes Bild "Erste Liebe" von 2008 (38.000 Euro)
Text: F.A.S.
Bildmaterial: Galerie Michael Schultz