Master Paintings Week

Ein Fest für alle Sinne

Von Anne Reimers, London

Jean-Baptiste Greuze (1725 bis 1805) malte die „Junge Frau mit Schoßhund“. Das galante, 47 mal 58 Zentimeter große Bild zeigt während der „Master Paintings Week“ die Galerie Fergus Hall. Der Preis liegt bei 300.000 Pfund.

Jean-Baptiste Greuze (1725 bis 1805) malte die „Junge Frau mit Schoßhund“. Das galante, 47 mal 58 Zentimeter große Bild zeigt während der „Master Paintings Week“ die Galerie Fergus Hall. Der Preis liegt bei 300.000 Pfund.

06. Juli 2009 Zumindest was die Dichte an Galerien betrifft, ist London weltweit das unangefochtene Zentrum für den Handel mit Alten Meistern. Zwar hat Maastricht mit der Edelschau „The European Fine Art Fair“ (Tefaf) die wichtigste Messe und New York die umsatzstärksten Auktionen mit Alten Meistern, doch aus der in London konzentrierten Expertise ließe sich mehr machen. So dachten jedenfalls Konrad O. Bernheimer, der zusätzlich zu seiner Münchner Galerie auch Colnaghi in London führt, der Händler Johnny Van Haeften und Jonathan Green von Richard Green, als sie im vergangenen Herbst Londoner Händler einluden, über die Idee einer Woche für Alte Meister zu diskutieren. Vergleichbare Veranstaltungen gibt es bereits in Paris und München.

Das Konzept überzeugte achtzehn der südlich und nördlich von Royal Academy und Ritz Hotel angesiedelten Kunsthändler - im feinen Stadtteil Saint James's mit seinen Gentleman-Clubs und in dem teuren Mayfair mit seinen Designer-Läden und Maßschneidern auf der Savile Row. Zu den Ausgewählten gehören unter anderen Dickinson, Derek Johns, John Mitchell, Whitfield Fine Art, Verner Amell, Thuillier und Michael Tollemache Fine Art.

London im Kunstfieber

Mit ins Boot geholt wurden auch die in London etablierten Auktionshäuser Christie's und Sotheby's, die parallel zur „Masters Paintings Week“ ihre Prestige-Auktionen mit Gemälden und Zeichnungen Alter Meister abhalten. Zeitgleich findet außerdem die vor neun Jahren ins Leben gerufene „Master Drawings Week“ statt.

London präsentiert sich also im Kunstfieber - da lohnt auch eine weite Anreise: Eine Woche laden Auktionen, Galerien und Vorträge zum Schwelgen in der Kunst ein. Schon die Räumlichkeiten so mancher Galerie, von denen sich einige in den oberen Etagen alter Stadthäuser befinden, sind mit ihren Parkettböden, Wendeltreppen, stuckverzierten Decken und mit Antiquitäten ausstaffierten Büros allein schon einen Besuch wert.

Mit stabilen Preisen

Mit Blick auf diesen neuen Termin hatten mehrere der großen Händler wie Colnaghi und van Haeften in diesem Jahr auf die Mitte Juni in London stattfindende „Grosvenor House Art and Antiques Fair“ verzichtet. Außerdem sei deren Zeitpunkt von einigen als ungünstig, die Räumlichkeiten als zu dunkel und die Kojen als zu beengt kritisiert worden, sagt Johnny van Haeften. Jetzt wurde bekannt, dass die Messe nach 75 Jahren nicht mehr weitergeführt werden wird. Dabei haben Kunst und Antiquitäten im Vergleich zu Impressionismus, Moderne und Zeitgenossen bislang am wenigsten unter der Rezession zu leiden.

Die Preise sind auch dank des beschränkten Angebots an Spitzenwerken stabil geblieben, und die Alten Meister sind als Geldanlage gerade so beliebt, dass Johnny van Haeften angab, der Februar 2009 sei der beste Monat für sein Unternehmen jemals gewesen. Es erweist sich jedoch als schwieriger, Besitzer zum Verkauf zu bewegen, die ihr Geld gerade jetzt in Alter Kunst gut angelegt sehen.

Ein Wildhändler von Frans Snyders

Zur „Master Paintings Week“ wurden von den Teilnehmern Schätze in allen Preislagen hervorgeholt und warten nun auf Liebhaber: Bei Richard Green ist man stolz auf eine 54,6 mal 75,7 Zentimeter messende Darstellung der „St.-Georgs-Kirmes mit Tanz um den Maibaum“ von Pieter Brueghel dem Jüngeren aus dem Jahr 1627 für 2,88 Millionen Pfund. Jonathan Green hatte das Bild erst im Januar bei Sotheby's in New York für 2,434 Millionen Dollar mit Aufgeld erworben. Auf das muntere Kirmestreiben von Brueghel sieht mit düsterem Blick ein „Wildhändler“ von dessen Schüler Frans Snyders. Wer es mitnehmen will, muss 220.000 Pfund aufbringen. Das Gemälde befand sich mehr als ein Jahrhundert lang in der Sammlung der Familie FitzHerbert in Tissington Hall.

Agnew, die älteste Londoner Händlerfamilie, die noch im Geschäft ist, hat im vergangenen Sommer ihre historischen Räume in der Bond Street an die italienische Modemarke Etro verkauft. Übergangsweise hat die Galerie in einem Bürohaus ihr Lager aufgeschlagen. Eine „Heilige Familie mit dem Johannesknaben“ von Bartolomeo Schedoni, 2007 in einer chilenischen Sammlung entdeckt, kaufte Julian Agnew ebenfalls im Januar bei Sotheby's in New York für 602.500 Dollar mit Aufgeld. Jetzt soll das Bild 650.000 Pfund kosten.

Cranach stellt das teuerste Werk

Bei Sphinx Fine Art holt man zum Rundumschlag aus und zeigt gleich hundert Werke vom 15. bis zum 19. Jahrhundert: Höhepunkt ist ein Stillleben mit Früchten von Ambrosius Bosschaert dem Jüngeren für 300.000 Pfund. In der Weiss Gallery bezaubert, trotz strenger Haltung und steifen Kragens, das elisabethanische Porträt der herausgeputzten „Dorothy Dormer, Ehefrau von Henry Huddleston of Sawston“ für 175.000 Pfund, gemalt zwischen 1593 und 1595.

Teuerstes Werk ist jedoch „David und Bathseba“ von Lucas Cranach dem Älteren bei Colnaghi für 5,5 Millionen Euro. Erst vor zwei Jahren in Somerset House und 2008 in der Royal Academy wurde der deutsche Künstler der Renaissance in England einem breiteren Publikum bekannt. Das museale Großformat hat Bernheimers Kurator Jeremy Howard in einer kleinen Cranach-Ausstellung mit eigenem Katalog zwei Bildern von Pablo Picasso gegenübergestellt. Picasso ließ sich wie auch Kirchner von Cranach inspirieren.

Die „Master Paintings Week“ wird wohl im kommenden Jahr die von der Grosvenor House Art and Antiques Fair zurückgelassene Lücke füllen, obwohl sich Julian Agnew für die Zukunft auch eine neue Sommer-Messe im Stil der Tefaf für London vorstellen kann.

Master Paintings Week. Bis 10. Juli. Der Katalog ist kostenlos.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Colnaghi , Fergus Hall, John Mitchell, Moatti Fine Arts, Moretti Fine Art, Rafael Valls, Richard Green, Sphinx Fine Art, The Weiss Gallery

© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2009.
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Treues Gefolge: Benedetto Bonfiglis „Wunder des Heiligen Petrus Martyr“, in Tempera auf Holz gemalt um 1467, mißt 23,5 mal 53,5 Zentimeter – bei Moretti Fine Art für 240.000 Euro.Aparte Schönheit: Eine allegorische Figur des Ghirlandaio, 73 mal 54,7 Zentimeter groß – bei Sphinx Fine Art für 500.000 PfundGeblendet vom göttlichen Licht: Das 61 mal 67,3 Zentimeter große Gemälde auf Holz „Die Bekehrung des Paulus“ von Sebastien Bourdon ist zu sehen bei John Mitchell. Das dynamisch dramatische Bild hat bereits einen neuen Liebhaber gefunden.Blütenfeuerwerk: Jan Frans van Daels „Stillleben mit Blumen in einem Korb vor einer Landschaft“ aus dem Jahr 1826 misst 92 mal 73 Zentimeter – bei Moatti Fine Arts für 580.000 Pfund.Alles für die Beizjagd: Ein „Trompe- l’Œil mit Falknerausstattung“ von Christoffel Pierson, 49,5 mal 66 cm groß – bei Rafael Valls für 120.000 Pfund Geburt Christi: Vom Meister von Borgo alla Colina ist diese „Anbetung der Hirten (mit einer Kreuzigung)“, um 1425 – bei Moretti Fine Art für 850.000 Euro.Tischlein deck’ Dich: Das Gemälde eines „Wildhändlers“ von Frans Snyders ist 127 mal 88,9 Zentimeter groß – bei Richard Green für 220.000 Pfund.Wo die Liebe hinfällt: Lucas Cranachs alttestamentarische Szene von „David und Bathseba“ aus dem Jahr 1534, in Öl auf Holz gemalt und 115 mal 79,3 Zentimeter messend – bei Colnaghi für 5,5 Millionen Euro.Jugendlicher Seitenblick: Samuel Crews Bildnis von „Sir Peter Lely“, entstanden um 1660, 76,2 mal 63,5 Zentimeter groß – bei The Weiss Gallery für 220.000 Pfund