Von Brita Sachs, München
16. Juli 2008 Als Nancy Spero 1988 bei Barbara Gross in München ausstellte, war das ihre erste Einzelschau in Europa und eine der ersten Präsentationen der Galerie. Auch zu deren zwanzigjährigem Jubiläum jetzt zeigt Barbara Gross die Amerikanerin - denn in der Zusammenarbeit mit ihr verdichten sich Programm und Vorgehensweise der Galerie exemplarisch. Barbara Gross studierte selbst an der Kunstakademie, bevor sie sich zur Galeriearbeit entschloss, um Künstler zu fördern, die trotz hoher Werkqualität am Rande des etablierten Kunstbetriebs standen; in der Regel waren das Frauen. Für ihr Engagement bewundern sogar Kollegen die Vermittlerin, insbesondere für die vielen Museumsausstellungen, die sie ihren Künstlern verschaffen konnte; allein für Nancy Spero waren es ungefähr ein halbes Dutzend.
Eine Galerie mit magnetischer Wirkung
Sie halfen, das OEuvre der heute Zweiundachtzigjährigen durchzusetzen, die ihr gesellschaftspolitisches und genderbewusstes Denken in Collagen und Malereien ausdrückt, die die Welt durch Abbildungen von Frauen aller Zeiten und Kontinente beschreibt: und dies mit Poesie, nicht nur wenn sie Göttinnen heiligt, sondern auch, wo sie Krieg und Erniedrigung thematisiert. Durch Spero fanden andere Künstler in die Barbara Gross Galerie: Kiki Smith und Jana Sterbak, auch Leon Golub, der Ehemann von Spero; bereits hier lässt sich erahnen, warum Anne-Marie Bonnet im Jubiläumskatalog die Künstlerliste der Galerie als eine Walhalla der Kunstgeschichte der letzten zwanzig Jahre lobt.
Ida Applebroog, Louise Bourgeois, Sophie Calle, Valie Export, Eva Hesse, Maria Lassnig, Ana Mendietta stellte sie vor; dann Tamara Grcic, Katharina Grosse oder Michaela Melian, nicht zu vergessen die Männer: Boris Mikhailov, Eran Shaerf oder Rémy Zaugg. Derzeit entwickelt die Galeristin Schwerpunkte bei Kunst aus China und jungen konzeptuellen Ansätzen. Im Duett mit Nancy Spero ist die niederländische Bildhauerin Eylem Aladogan, Jahrgang 1975, zu sehen, deren Kosmos aus Natürlichem und Technoidem eine verfremdende Stofflichkeit anhaftet.

Verfremdeter Sündenfall: Nancy Speros Blatt "Explicit - The Apple" aus dem Jahr 1994 (64,5 mal 48,5 cm)
Werke Nancy Speros von 11.000 Dollar an aufwärts, Arbeiten von Eylem Aladogan 11.000 und 16.100 Euro. Bis 25. Juli.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Barbara Gross Galerie