Von Tilo Richter
01. Mai 2008 In der Galerie von Elisabeth Kaufmann kann man jetzt eine sinnliche Seite von Walter Dahn entdecken, der dort mit einer umfangreichen Serie von Malereien im Kleinformat präsentiert wird. Der Künstler aus Köln aquarelliert sensibel, collagiert humorvoll, malt konzentriert und fängt mit seinen meist nur postkartengroßen Blättern archaische Zeichen und Stimmungen ein. Während alle anderen Blätter aus den vergangenen Jahren stammen, verweist ein großartig reduziertes Werk aus dem Jahr 1973 (4000 Euro) auf Dahns jahrelange Beschäftigung mit einer Bildersuche im Kleinen. In ihrer seriellen Präsentation vereinen sich die knapp sechzig ausgestellten Arbeiten zu einem Bilderreigen, der wie in einem Kaleidoskop fast zufällig entsteht, sich zusammenfügt, nur um sich schließlich wieder von Blatt zu Blatt neu zu bilden.
In der Einfachheit betörend unmittelbar gibt sich etwa das geometrisch gewachsene "Schiffchen" oder die biomorphe Form auf "Im Schnee" (je 2200 Euro). Einzelne Werkgruppen der Ausstellung vereinen Variationen desselben Themas - Haus, Blüte, Figurationen - und verweisen in ihrer schlichten Umsetzung auf den Vorgang der Extraktion, die Dahn im Entstehungsprozess vollzieht: Den enorm differenzierten und üppigen Bildwelten anderer entnimmt er seine Formen und Figuren. In klassischer Manier zeigt die 2004 gegründete Galerie für Fotografie ArteF dreißig Meisterwerke des vor zwei Jahren gestorbenen Amerikaners Arnold Newman.
Strawinsky stützt sich auf den Flügel
Aus dem in New York verwalteten Nachlass ist eine exzellente Auswahl an die Limmat gekommen, die eine Wiederbegegnung mit Porträtklassikern des 20. Jahrhunderts bringt: Vor allem die als "environmental portraits" angelegten Künstlerbildnisse werden durch den Einbezug der Ateliers zu eindringlichen und erzählenden Bildnissen. Großartig zeigt sich Igor Strawinsky im Jahr 1946 am aufgeklappten Flügel, der hier zum großflächigen Symbol wird (8000 Franken). Eindrucksvoll ist auch das im Jahr 1942 aufgenommene Porträt von Max Ernst, auf dem der Qualm der Zigarette mit dem Schnitzwerk des Lehnstuhls um die Wette voltiert (8000 Franken). Zwei der ausgestellten Motive sind als Vintage Prints verfügbar: ein wie so oft sehr ernst blickender Alberto Giacometti von 1954 (32.000 Franken) und Man Ray im Paris des Jahres 1960 (22.000 Franken). Die anderen Abzüge (je nach Größe 8000 oder 11.000 Franken) sind jüngeren Datums, aber durchweg von Newman betitelt und signiert.
Brigitte Weiss stellt in ihrer Galerie neue Werke der 1979 geborenen Schweizerin El Frauenfelder vor. Die Schau mit dem Titel "Wendy" präsentiert großformatige Gemälde auf nicht gerahmten Leinwänden (Preise auf Anfrage), die vor allem Bildwelten aus Amerikas Westen zeigen. Die Malerin lässt wuchtige Stadtlandschaften und Interieurs auferstehen, die, klischierten Filmsets nicht unähnlich, eigenwillig vertraut wirken. In großer Zahl gefertigte Fotos - für die Künstlerin "Vergewisserungen der Realität" - dienen als Stichwortgeber für die Motive. Die betonte Menschenleere schärft den Blick für die Spuren, die die Figuren dieser Sets hinterlassen haben. Schlagschatten des Blitzlichts im gemalten Bild verweisen auf die vor Ort entstandenen Snapshots, doch entwickeln sich aus dieser Formalie spannende Diskrepanzen und Dissonanzen; denn: Frauenfelders Gemälde werden zu großformatigen Skizzenblöcken.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Arnold Newmann, Brigitte Weiss, Elisabeth Kaufmann Galerie
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