14. Oktober 2009
Sagen Sie uns, was Sie tun, und wir sagen Ihnen, wer Sie sind. Zwei weitere Beispiele aus unserer Typenkunde.
Der DJ:
Wenn man den DJ (Disc-Jockey verbittet er sich, das sagt man schon seit hundert Jahren nicht mehr) auf der Straße sieht, dann fast immer in Begleitung seines Hundes. Als er in den Morgenstunden nach Hause gekommen ist, hat er das Bulldoggen-ähnliche Tier zwar noch einmal um den Block geführt, aber zur Mittagszeit ist es eben schon wieder so weit. So setzt sich der DJ also seine Sonnenbrille und die Armeekappe im Fidel-Castro-Look auf und geht durch die Straßen seiner Großstadt zum nächsten Park, dabei stets ein Auge auf die aktuelle Plakatierungssituation an den Trafokästen werfend. Ein Graus sind dem DJ - neben den meisten Radiosendern mit ihrem Einheitsbrei - die kleinen Ohrstöpsel, mit denen die meisten seiner Altersgenossen in Bus oder U-Bahn sitzen. Für ihn müssen es dicke Muscheln aus silbernem Plastik sein, die seine Ohren umhüllen - auch wenn er privat unterwegs ist. Auf sein Alter angesprochen, reagiert der DJ meist allergisch, denn schon längst ertappt er sich bei dem Gedanken, dass die Mädchen, die sich am Pult bei ihm Lieder wünschen, fast seine Töchter sein könnten. Und ebenso regelmäßig, wie er diese Musikwünsche unerfüllbar findet, stellen ihm seine Eltern die Frage, ob er denn inzwischen schon wüsste, was er einmal beruflich machen möchte. Und ob denn dieses Jahr die Love Parade schon wieder ausfallen würde - sie würden so gerne mal für ein Wochenende nach Berlin kommen und ihm bei seinem Hobby zusehen. Der Sohn der Nachbarn habe ja auch so einen Spleen - der sammelt Telefonkarten. Das ist dann meist der Moment, in dem der DJ das Telefonat beendet - der Hund muss schließlich noch raus.
Das legt er im Supermarkt in seinen Korb: Magnesiumbrausetabletten und fertig gewürzte Mikrowellen-Currywurst.
So macht er mit seiner Partnerin Schluss: mit einer Direktnachricht auf der Microblogging-Plattform Twitter, die er von seinem iPhone aus bedient.
Das macht er auf seinem zehnjährigen Abiturtreffen: erst lang und breit ankündigen, sich ausnahmsweise mal nicht um die Musik kümmern zu wollen - nur um dann doch die ganze Zeit vor dem Laptop zu knien und die Lieder in seiner Playlist hin und her zu schieben, die er extra für den Abend kreiert hat.
So verbringt er eine Party, auf der er niemanden kennt: auf dem Balkon rauchend und Twitter-Updates schreibend (Liebe Follower, falls noch wer vorbeikommt, bitte anständiges Bier mitbringen, hier gibt's nur Plörre).
Das hält er für schön: das zeitlos-klassische Design der Technics-1210-Plattenspieler und Fernsehdokumentationen über Planeten.
Sein Lieblingsgetränk: Vodka-Red-Bull und - während der Nachtarbeit - Club Mate.
Das hängt über seinem Bett: Backstage-Pässe diverser Partys und Festivals, auf denen er aufgelegt hat, und ein Matrix-Poster.