20. Juli 2008
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Business-Knigge 

Wie der Zufall so spielt

Wie wird man eigentlich Wettermoderatorin, Frau Kleinert?

Von Mathias Irle




12. Mai 2008 
Eigentlich hatte die gelernte Bankkauffrau Claudia Kleinert, Jahrgang 1969, gehofft, dass ihr Arbeitgeber sie nach Paris schicken würde. Als das nicht klappte, schrieb sich die gebürtige Koblenzerin kurz entschlossen für BWL ein und finanzierte ihr Studium als Moderatorin. Heute ist sie eines der bekanntesten Gesichter des deutschen Fernsehens, sie moderiert auf Firmenveranstaltungen und bei Produktpräsentationen und erklärt zwei Wochen im Monat den ARD-Zuschauern das Wetter - als Diplomkauffrau unter lauter studierten Meteorologen.

Es gibt Kollegen, deren größter Traum ist es, einmal einem Hurrikan hinterher zu fahren. Meiner ist das nicht. Ursprünglich hatte ich kein besonderes Verhältnis zum Wetter. Ich träumte davon, irgendwann einmal in Paris zu leben und zu arbeiten. Nach dem Abitur machte ich daher - ganz zur Freude meiner Eltern - eine Ausbildung in einer Kölner Bank. Hier, so versprach man es mir, würde ich schon bald in deren französische Niederlassung wechseln können. Doch ich wurde vertröstet. Immer und immer wieder. Weil ich aber nicht auf ewig Bankkauffrau in Köln bleiben wollte, begann ich ein BWL-Studium. Gleich zu Beginn lernte ich durch Zufall einen Mitarbeiter der Deutschen Welle kennen, dem meine Stimme gefiel. Und da ich sowieso gerade auf der Suche nach einem Job war, um mein Studium zu finanzieren, folgte ich seinem Rat und machte eine kurze Sprechausbildung. In der Folge erhielt ich Aufträge als Sprecherin für Werbeagenturen, die Deutsche Welle oder Hörbücher - der Start meiner Karriere als Moderatorin. Als kurze Zeit später der WDR eine Ansagerin suchte, gehörte ich zu drei Auserwählten unter 1.000 Bewerberinnen. Ein Jahr später wechselte ich aufgrund der besseren Verdienstmöglichkeiten zum damaligen Wetter- und Reisekanal nach Düsseldorf. Dort lernte ich nicht nur Jörg Kachelmann kennen, sondern kam auch zum ersten Mal mit dem Thema Wetter in Berührung.

Eine Woche lang wurden ich und die anderen Moderatoren, die bis dato nichts von Windrichtungen, Tiefdruckgebieten oder Kaltfronten verstanden, von einem Meteorologen eingeführt: Wie entsteht Wetter? Welche Begrifflichkeiten sind wichtig? Nach sieben Tagen und eifrigem Bücherstudium zu Hause hatte ich das Grundwissen, um so souverän wie möglich vor die Kamera treten zu können.

Wenn es mir gelingt, komplexe Wetterlagen in weniger als zwei Minuten verständlich darzustellen, macht mich das immer noch richtig stolz.

Nebenbei habe ich mein Studium zu Ende gebracht und meine Diplomarbeit im Fach Wirtschaftsgeographie geschrieben. Ich bin halt Steinbock: Was ich einmal beginne, das führe ich auch zu Ende. Aber mir war längst klar, dass ich nicht mehr in meinen erlernten Beruf in die Bank zurück wollte.

Als der Wetter- und Reisekanal nach zweieinhalb Jahren geschlossen wurde, nahm ich ein Angebot von Jörg Kachelmann an, für seine Schweizer Wetterfirma Meteomedia zu arbeiten. Das führte mich über Berlin, wo ich für n-tv und den SFB moderierte, in die Schweiz. Zwei Wochen im Monat verbringe ich heute dort in einem kleinen Ort in der Nähe von St. Gallen. Täglich werden bis zu neun Wettersendungen für die ARD, den NDR, den WDR und etliche weitere Sender produziert. Mein Arbeitstag beginnt am Nachmittag mit der Besprechung der Inhalte der einzelnen Sendungen. Zusammen mit den Meteorologen analysieren wir die Wetterlage und fragen uns dabei immer, was für die Zuschauer wichtig und interessant sein könnte. Im Studio brauche ich dann keinen Teleprompter, von dem ich meinen Text ablesen muss. Die gute Vorbereitung und die Wetterkarten reichen als Gedankenstütze. Wenn es mir gelingt, komplexe Wetterlagen in weniger als zwei Minuten verständlich darzustellen, macht mich das immer noch richtig stolz. Die zahlreichen Zuschauerreaktionen auf meine Moderationen beziehen sich aber weniger auf das Moderieren, sondern eher auf meine Kleidung und Erscheinung.

Die wenigsten Meteorologen können bei ihren Moderationen Fachbegriffe verwenden, die sie im Studium gelernt haben. Das, was man wirklich in der Praxis vor der Kamera braucht, muss man sich ganz neu erarbeiten, denn was man an Inhalten und Vorhersagen vermitteln möchte, richtet sich eben nicht an Meteorologiestudenten: Uns sehen Zuschauer, die Wettervorhersagen als Information und Unterhaltung sehen.

Auch heute noch vergrößert sich jede Woche mein Wissen über das Wetter. Aber natürlich wächst auch täglich die Erfahrung, wie ich mich vor der Kamera bewegen muss oder wie ich den Zuschauern komplexe Wetterfakten erkläre. Gleichzeitig beginnt dieses Wissen auch mich zu verändern: Wetterlagen wie in den Vereinigten Arabischen Emiraten, wo es immer sonnig ist und nur gelegentlich auch einmal regnet, finde ich aus professioneller Sicht langweilig. Und ich möchte auch an keinem Ort wohnen, an dem das Wetter immer gleich ist. Das wäre ein viel zu eintöniges Leben.

Text: Hochschulanzeiger Nr. 96, 2008, Seite 130
Bildmaterial: privat