18. Oktober 2004
Muß es denn gleich immer Chemie sein? Wir haben Experten gefragt, was von bestimmten Hausmitteln zu halten ist.
HUSTEN/BRONCHITIS
Das Hausmittelchen: Die Brust mit heißem Schweinefett einreiben
Das sagt der Experte: Ich glaube nicht, daß im Schweinefett Wirkstoffe gegen Bronchitis enthalten sind. Wahrscheinlich wirkt allenfalls die Wärme auf der Brust.
Nebenwirkungen: Keine, wenn das Fett nicht zu heiß ist.
Das gibt es in der Apotheke: Schleimlösende Stoffe, eventuell Antibiotika, falls notwendig
Dr. Ernst Pallenbach, Fachapotheker für klinische Pharmazie, Zentralapotheke im Klinikum Villingen-Schwenningen
NIEDERGESCHLAGENHEIT
Das Hausmittelchen: Johanniskraut
Das sagt der Experte: Wird auch in der modernen Medizin vielfach eingesetzt. Johanniskraut hat allerdings keine sofortige Wirkung, diese setzt erst nach etwa zwei Wochen konsequenter Einnahme ein. Daher ist immer eine längerfristige Therapie nötig.
Nebenwirkungen: Erhöhte Lichtempfindlichkeit, also Achtung im Sommer und bei Sonnenbankbesuchen
Das gibt es in der Apotheke: Sinnvoller sind Tabletten mit standardisierten Wirkstoffmengen, sonst weiß man nie, wieviel man einnimmt. Wichtig ist auch eine ausreichend hohe Dosis, sonst tritt keine Wirkung ein. Präparate aus Drogeriemärkten sind viel zu niedrig dosiert, da sollte man schon lieber ein paar Cent mehr investieren und in der Apotheke kaufen.
Dr. Ernst Pallenbach, Fachapotheker für klinische Pharmazie, Zentralapotheke im Klinikum Villingen-Schwenningen
SCHNUPFEN
Das Hausmittelchen: Kleingeschnittenen Ingwer in Wasser als Tee aufkochen, danach eine Zitrone reinpressen
Das sagt die Expertin: Schnupfen wird meist durch eine Infektion mit Rhinoviren ausgelöst. Das ätherische Öl des Ingwers enthält verschiedene Naturstoffe, beispielsweise Beta-Sesquiphellandren, die in Laboruntersuchungen die Rhinoviren hemmen. Ob das auf den Menschen übertragen werden kann, ist noch nicht geklärt.
Nebenwirkungen: Keine
Das gibt es in der Apotheke: Gegen Schnupfen werden vor allem Nasentropfen oder -sprays als Medikamente eingesetzt. Enthalten sie gefäßzusammenziehende Wirkstoffe wie Xylometazolin, sollten sie nur fünf Tage lang eingesetzt werden. Sonst kann es zu Schäden an der Nasenschleimhaut kommen.
Dr. Ursula Sellerberg, Apothekerin, Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände
KOPFWEH
Das Hausmittelchen: Sex
Das sagt die Expertin: Ob Sex gegen Kopfschmerzen hilft, kommt natürlich auf den Einzelfall an. Sex kann von den Kopfschmerzen ablenken, er kann aber auch selbst die Ursache für Kopfschmerzen sein. Kopfschmerzen durch Sex treffen immerhin ein Prozent der Deutschen, wobei Männer etwa drei- bis viermal häufiger darunter zu leiden haben als Frauen. Ein Viertel der Betroffenen haben dumpfe Schmerzen, die im Nacken beginnen und bei zunehmender Erregung stärker werden. 70 Prozent der Betroffenen leidet unter explosionsartigen Schmerzattacken beim Orgasmus. Treten solche Kopfschmerzen zum ersten Mal auf, sollte man sich an den Arzt wenden.
Nebenwirkungen: Auf Verhütung achten
Das gibt es in der Apotheke: Gegen Kopfschmerzen gibt es in der Apotheke verschiedene Medikamente. Neben den bekannten schmerzstillenden Wirkstoffen Acetylsalicylsäure, Paracetamol und Ibuprofen hilft auch Pfefferminzöl, das mit Alkohol verdünnt auf die Stirn aufgetragen wird.
Dr. Ursula Sellerberg, Apothekerin, Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände
HALSWEH
Das Hausmittelchen: Geschnittene Zwiebeln in Honig einlegen, einen Tag ziehen lassen, danach Knoblauch und Thymian dazugeben.
Das sagt die Expertin: Zwiebeln können gegen Halsweh helfen - der Zwiebelhonig ist ein altes Hausmittel. Auch Zwiebelwickel helfen bei Hals- und Ohrenschmerzen. Dazu werden Gemüsezwiebeln kleingehackt und ohne Öl in einer Pfanne leicht erwärmt. Das handwarme Gemüse wird in ein Tuch geschlagen und um den Hals oder die Ohren gewickelt. Anschließend mit einem Schal fixieren. Der Wirkungsmechanismus der Zwiebel ist noch nicht erforscht, möglicherweise sind die schwefelhaltigen Lauchöle beteiligt.
Nebenwirkungen: Keine
Medizinisch: Gegen leichte Halsschmerzen sind vor allem Heilpflanzen wie Kamille oder Salbei empfehlenswert - als Tee oder als fertiges Arzneimittel aus der Apotheke. Da der Bereich des Kehlkopfes nicht von Halstabletten oder Gurgellösungen erreicht werden kann, sind Inhalationen oft hilfreich. Lutschtabletten gegen Halsschmerzen enthalten oft desinfizierende Wirkstoffe wie Benzalkoniumchlorid oder lokal betäubende Wirkstoffe wie Benzocain.
Dr. Ursula Sellerberg, Apothekerin, Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände
MENSTRUATIONSBESCHWERDEN
Das Hausmittelchen: Mönchspfeffer
Das sagt die Expertin: Die Wirkung von Mönchspfeffer ist wissenschaftlich belegt. Die Heilpflanze hilft gegen einen unregelmäßigen Zyklus und regelbedingte Brustschmerzen. Diese Beschwerden gehen oft mit einer erhöhten Konzentration des Hormons Prolaktin einher, dessen Blutspiegel Mönchspfeffer senkt. Andere Einsatzgebiete sind Beschwerden vor der Monatsblutung, auch prämenstruelles Syndrom (PMS) genannt, und Wechseljahresbeschwerden. Gleichzeitig wirkt Mönchspfeffer auch psychisch stabilisierend. Damit diese Heilpflanze wirken kann, muß sie mehrere Monate lang eingenommen werden - auch während der Regelblutung.
Nebenwirkungen: Als Nebenwirkungen treten gelegentliche juckende Hautveränderungen auf. Bevor sich eine Frau mit einem Mönchspfeffer-Mittel behandelt, sollte sie einen Arzt aufsuchen. Er kann schwerwiegende Erkrankungen ausschließen.
Das gibt es in der Apotheke: Mönchspfeffer ist rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. Besser geeignet als Tees sind Dragees oder Tinkturen, denn bei einer Teezubereitung schwankt die Wirkstoffmenge zu stark.
Dr. Ursula Sellerberg, Apothekerin, Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände