31. Oktober 2006 Die 40. Art Cologne hat gute Chancen, einiges von der Kunst bereitzuhalten, die hier abgebildet ist: Nein, nicht Gustav Klimts Goldene Adele; sie hängt, als teuerstes Bild aller Zeiten, ja schon bei Ronald Lauder. Aber gewiß die eine oder andere Zeichnung des Fin de siècle oder von Andy Warhol, dessen Kuh-Tapete durchaus noch geläufig ist. Mädchen und andere Haustiere können jedes Heim verschönern, auch wenn Martin Eders Visionen derzeit am Markt verknappt sind.
Medizinschränke, so Damien Hirst sie eingeräumt hat, sind schon für Liebhaber, und eines der wunderbaren Fahrräder von Andreas Slominski wissen wir in der Obhut eines wirklich kompetenten Kunstfreundes und -kenners. Auch der kleine goldene Ball von Kris Martin ist nichts für Froschkönige, sondern wird innerhalb der nächsten Jahrzehnte explodieren - so sagt es der Künstler und sagt im Grunde also: Bitte achtsam mit der Kunst umgehen. Noch ist sie nicht ganz entschärft.
Spreu vom Weizen scheiden
Eine andere Art der Liebeserklärung an die Kunst ist das Prachtexemplar aus der Sippe der Maleraffen von Jörg Immendorff. Auch die 40. Art Cologne wird keine Grand Galerie des Louvre sein können, wie sie Candida Höfer in machtvoller Zentralperspektive fotografiert hat.
Aber die Schau, als Doyenne der Kunstmessen, die seit ihrer Gründung als Kunstmarkt Köln 1967 über so lange Zeit das internationale Marktgeschehen mitbestimmt hat, soll unbedingt weiterhin - und erneu(er)t - helfen, die Spreu vom Weizen zu scheiden: Wenn Kunstmessen eine sinnvolle Aufgabe haben, dann diese. Sonst wird Kunst bald vom Party-Service mitgeliefert.
Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 31.10.2006 Seite K1
Bildmaterial: Galerie Eigen+Art, Galerie Jablonka, Jay Jopling, Michael Werner, REUTERS, Sies+Höke