Die dritte und letzte Fernsehdebatte vor der Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten war zugleich die hitzigste. Unter dem Druck schlechter Umfragewerte forcierte der Republikaner John McCain die Konfrontation und stellte seinen demokratischen Rivalen Barack Obama in die Nähe radikaler Kräfte.
Der Vietnamkriegsveteran McCain verlangte von Obama, er solle endlich seine Beziehungen zu dem militanten Vietnamkriegsgegner William Ayers erklären. Als Antwort sagte Obama, er sei acht Jahre alt gewesen, als Ayers seine Untergrundaktionen geführt habe. McCain verlangte auch Auskunft über Obamas Verhältnis zu der für die Überwindung der Armut eintretenden Organisation Acorn, die beschuldigt wird, bei Initiativen zur Registrierung von Wählern gegen Gesetze verstoßen zu haben.
Obama warf McCain vor, einen zunehmend konfrontativen Wahlkampf zu führen. Obwohl sich das amerikanischen Volk nicht darum kümmere, seien 100 Prozent seiner Fernsehspots negativ. Das ist nicht wahr, erwiderte McCain. Das ist doch wahr, bekräftigte Obama.
Keiner der beiden Kandidaten konnte am Mittwoch in der Hofstra-Universität bei New York neue Wege zur Überwindung der schweren Finanz- und Wirtschaftskrise aufzeigen. Stattdessen stritten sie über den richtigen Kurs in der Steuer- und Finanzpolitik. Zu Angriffen Obamas auf die Wirtschaftspolitik der Regierung sagte McCain: Ich bin nicht Präsident Bush. Der 72-Jährige warb abermals für eine umfassende Entlastung der überschuldeten Hausbesitzer. Er warf Obama vor, mit der von ihm geplanten Erhöhung von Steuern für Reiche einen Klassenkampf für die Umverteilung des Wohlstands zu führen.
Obama wies dies zurück und sagte: Niemand mag Steuern. Für die wichtigen Investitionen in die Wirtschaft müsse aber genügend Geld zur Verfügung gestellt werden. Er trete für Steuerkürzungen zugunsten von 95 Prozent der Bevölkerung ein, wolle aber die Amerikaner mit einem Jahreseinkommen von mehr als 250.000 Dollar stärker zur Kasse bitten. Zur Eindämmung des wachsenden Haushaltsdefizits schlug Obama Kürzungen im Etat des Pentagons vor.
Nach den jüngsten landesweiten Umfragen liegt der demokratische Kandidat Obama mit bis zu 14 Prozentpunkten deutlich vor dem Republikaner McCain. Entscheidend für den Wahlausgang sind aber die jeweiligen Mehrheitsverhältnisse in den Einzelstaaten.
Unterdessen machen schon hunderttausende amerikanische Bürger von der Möglichkeit der vorgezogenen Stimmabgabe Gebrauch. Allein in Georgia seien bereits mehr als 540.000 Stimmzettel eingegangen, teilte die dortige Wahlbehörde am Mittwoch mit. Damit haben bereits drei Wochen vor der Wahl am 4. November mehr Wähler diese Möglichkeit genutzt als insgesamt vor der Präsidentenwahl von 2004. Die vorzeitige Stimmabgabe soll auch den Bürgern die Wahl ermöglichen, die am 4. November daran gehindert sind
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AFP, AP