Teilchenphysik

Auf dem gekrümmten Weg zur Teilchenkollision

Von Manfred Lindinger

07. Mai 2008 Nach einer Bauzeit von mehr als zehn Jahren sind nun die letzten Installationsarbeiten am weltweit größten Teilchenbeschleuniger, dem 27 Kilometer langen „Large Hadron Collider“ (LHC), abgeschlossen worden. Damit hat das europäische Zentrum für Elementarteilchenforschung Cern bei Genf ein wichtiges Etappenziel erreicht, sollen im Sommer dieses Jahres doch erstmals Protonen im LHC umlaufen.

An einer Stelle im LHC-Tunnel, der fast hundert Meter unter der Erde zwischen dem Genfer See und dem französischen Jura verläuft, haben Techniker in der vergangenen Woche die letzten elektrischen Zuführungen an das Vakuumsystem des Beschleunigers angeschlossen und verschweißt.

Mehr als tausend Magnete

Nun sind alle supraleitenden Spulen der mehr als tausend Magnete des LHC mit dem Starkstromnetz verbunden, und man ist bereit, die supraleitenden Magnete des LHC, die die künftig umlaufenden Protonenpakete auf ihrer Kreisbahn halten werden, in Betrieb zu nehmen.

In zwei von acht Sektoren, in die der Ringbeschleuniger unterteilt ist, sind die Magnete bereits mit supraflüssigem Helium auf ihre Betriebstemperatur von minus 271 Grad gekühlt worden. Die anderen Bereiche sollen nun Schritt für Schritt folgen. Ständig wird kontrolliert, ob alle Komponenten fehlerfrei arbeiten.

Kollisionen an vier Stellen

Gibt es keine größeren technischen Schwierigkeiten, könnten die gegensinnig kreisenden Protonen sogar noch in diesem Jahr zur Kollision gebracht werden. Das würde an vier Stellen des Beschleunigers geschehen. Dort stehen riesige Detektoren bereit, die die Myriaden von Trümmerteilchen registrieren, die bei dem Zusammenprall der Wasserstoffkerne entstehen.

Die rund zehntausend Forscher, die an dem Projekt beteiligt sind, hoffen, Partikeln nachzuweisen, die millardstel Sekunden nach dem Urknall für einen kurzen Augenblick existiert haben und die etwa erklären könnten, warum die Materie eine Masse besitzt oder aus welchem Stoff die dunkle Materie besteht.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Helmut Fricke

 
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