Forschung

Die Nobelpreise 2003

Alfred Nobel

Alfred Nobel

10. Oktober 2003 Die Nobelpreise 2003 werden verliehen. FAZ.NET faßt für Sie die Bekanntgaben und die Hintergründe zu dem Preis zusammen, den der Dynamitentwickler Alfred Nobel in seinem Testament Menschen zugedacht hat, die „der Menschheit den größten Nutzen gebracht haben“. FAZ.NET begleitet die Bekanntgaben - auch die der Ig-Nobelpreise und der alternativen Nobelpreise.

Frieden

Der Friedensnobelpreis ging an die iranische Anwältin und Menschenrechtlerin Schirin Ebadi. Die 54jährige Juristin wird für ihren Einsatz bei der Demokratisierung Irans und im Kampf um mehr Frauenrechte ausgezeichnet. Der Preis ist mit umgerechnet 1,1 Millionen Euro dotiert. Im vergangenen Jahr hatte der frühere amerikanische Präsident Jimmy Carter die Auszeichnung erhalten. Ebadi ist die elfte Frau, die den Friedensnobelpreis zuerkannt bekommt.

Wirtschaft

Die beiden Ökonometriker Robert F. Engle und Clive W.J. Granger erhielten den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften. Der Preis geht damit erstmals nach langer Zeit wieder an Volkswirte, die sich eingehend mit der Analyse von Zeitreihen ökonomischer Variablen beschäftigt haben. Die grundlegenden Arbeiten von Engle und Granger aus den 80er Jahren sind bedeutsam für empirische Analysen zu den Finanzmärkten und für die empirische makroökonomische Forschung.

Chemie

Der Nobelpreis für Chemie ging an die Amerikaner Peter Agre und Roderick MacKinnon für die Erforschung von Ionen- und Wasserkanälen. In der Begründung der Jury hieß es, der Preis zeichne zwei Forscher aus, deren Entdeckungen aufgeklärt haben, wie Wasser und Salze (Ionen) aus den Zellen des Körpers heraus und in sie hinein transportiert werden.

Physik

Der Nobelpreis für Physik ging an den russischstämmigen Amerikaner Alexej Abrikosow, den Russen Vitalij Ginzburg und den Briten Anthony Leggett für bahnbrechende Arbeiten zur Supraleitung.

Medizin

Der Nobelpreis für Medizin und Physiologie wurde am Montag an Paul C. Lauterbur und Peter Mansfield für die „Abbildung mit Magnetresonanz“ vergeben. Die beiden Wissenschaftler hätten mit ihrer Forschung zu der Abbildung von verschiedenen Strukturen im Körper „zu Anfang der 70er Jahre bahnbrechende Forschungsergebnisse erzielt, die dazu führten, daß die Magnetresonanz mit der Zeit auch bedeutungsvolle medizinische Anwendungsbereiche finden sollte“, hieß es in der Begründung des Preises.

Literatur

Der Literatur-Nobelpreis ging an den Südafrikaner J. M. Coetzee. Coetzee stelle „in zahlreichen Verkleidungen die überrumpelnde Teilhabe des Außenseitertums dar“. Coetzees Romane, heißt es in der Begründung, „zeichnen sich durch verschlagene Komposition, verdichteten Dialog und analytische Brillanz aus. Aber er ist gleichzeitig ein gewissenhafter Zweifler, schonungslos in seiner Kritik der grausamen Vernunft und der kosmetischen Moral der westlichen Zivilisation.“

Die Alternativen Nobelpreise

Die vier Alternativen Nobelpreise gehen an den früheren neuseeländischen Premier David Lange, zwei philippinische Menschenrechtler, nach Südkorea und Ägypten. Der frühere neuseeländische Premierminister David Lange wurde für seinen „beharrlichen Kampf über viele Jahre für eine von Atomwaffen freie Welt ausgezeichnet“. Lange erhält den nicht dotierten Ehrenpreis der „Stiftung für richtiges Leben“ (Right Livelihood Foundation). Die philippinischen Menschenrechtler Walden Bello und Nicanor Perlas werden für ihren Einsatz als Globalisierungskritiker ausgezeichnet. Aus Südkorea wird die „Bürgerkoalition für wirtschaftliche Gerechtigkeit“ geehrt, die neben dem Kampf um soziale Gerechtigkeit auch für die Versöhnung mit Nordkorea arbeitet. Das ägyptische Agrar-Unternehmen SEKEM und sein Gründer Ibrahim Abouleish erhalten einen Alternativen Nobelpreis für die Ausbreitung biodynamischer Anbaumethoden.

Die Ig-Nobelpreise

Viel weniger ernsthaft als bei den „echten“ Nobelpreisen geht es bei der Themenauswahl der Ig-Nobelpreise her. Dort werden „Forschungen, die nicht wiederholt werden können, oder besser nicht wiederholt werden sollten“ ausgezeichnet. 2003 wurden dort Forschungen ausgezeichnet, wie die, daß, wenn etwas schiefgehen kann, es das auch tun wird - der Beweis von „Murphy's Law“. Oder die Erkenntnis, daß die Gehirne Londonder Taxifahrer höher entwickelt sind als die ihrer Mitbürger.

Text: @cop
Bildmaterial: Nobel Gesellschaft

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Verlagsinformation

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Auszeichnungen

Nobelpreise übergeben

Prinzessin Victoria wohnt der Verleihung der Nobelpreise bei

Schwedens König Carl XVI. Gustaf hat am Mittwoch in Stockholm den Nobelpreis für Literatur an den Südafrikaner John M. Coetzee sowie die wissenschaftlichen Nobelpreise für Medizin, Physik, Chemie und Wirtschaft an neun Preisträger überreicht.

Friedensnobelpreis

Ebadi: 11. September wird als Vorwand für Rechtsbruch genutzt

Ohne Kopftuch: Schirin Ebadi

Die iranische Rechtsanwältin Schirin Ebadi ist am Mittwoch in Oslo für ihre Bemühungen um die Menschenrechte mit dem diesjährigen Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden.

Friedensnobelpreis

Wie Wasser, das unter der Tür hindurchfließt

Schirin Ebadi

An diesem Mittwoch erhält die iranische Frauenrechtlerin Schirin Ebadi in Oslo den Friedensnobelpreis. Sie soll in der norwegischen Hauptstadt für ihren Einsatz für die Menschenrechte geehrt werden.

Alternativer Nobelpreis

Der Rufer in der Wüste

Ibrahim Abouleish

1977 gründete der Ibrahim Abouleish Sekem, heute eine riesige Farm in der Wüste, in der ökologischer Landbau betrieben wird. Für seine Arbeit erhielt der Ägypter den Alternativen Nobelpreis. Mit dem Preisgeld will er eine Universität gründen.

Medizin-Nobelpreis 2003

Quälender Nobelpreis

Nicht jeder Mensch kann den Nobelpreis für Medizin erhalten. Viele aber könnten bedacht werden, doch die Ehrung bleibt ihnen vorenthalten. Der Forscher und Industrielle Raymond Damadian ist diesmal der große Verlierer.

Schirin Ebadi

Kämpferin für Reformen

Schirin Ebadi (2003)

Zum ersten Mal ist der Friedensnobelpreis an eine Muslimin vergeben worden. Die iranische Rechtsanwältin Schirin Ebadi ist seit Jahren im Einsatz für die Menschenrechte und riskiert viel für ihre Überzeugung. Ein Portrait.

Wirtschaft

Nobelpreis geht an Amerikaner und Briten

Nobelpreisträger Robert F. Engle

Der amerikanische Wissenschaftler Robert Engle und der Brite Clive Granger erhalten den Nobelpreis für Wirtschaft für ihre Arbeiten zur Analyse ökonomischer Zeitreihen. Ihre Methoden dienen dazu, die Entwicklung von Preisen, Zinsen oder Börsenkursen aufzuzeigen.

Chemie-Nobelpreis

Löcher in der Zelle

Nobelpreisträger Peter Agre und Roderick McKinnon

Der Nobelpreis für Chemie geht in diesem Jahr an die Amerikaner Peter Agre und Roderick MacKinnon für die Erforschung von Ionen- und Wasserkanälen.

Physik

Physik bei tiefen Temperaturen

Physik-Nobelpreis für Witaly Ginzburg

Der Nobelpreis für Physik geht in diesem Jahr an den Amerikaner Alexej Abrikosow, den Russen Witalij L. Ginzburg und den Briten Anthony J. Leggett für ihre Leistungen auf dem Gebiet der Supraleitung und Suprafluidität.

Medizin

Unser Körper scheibchenweise

Paul C. Lauterbur (links) und Peter Mansfield

Der diesjährige Nobelpreis für Medizin geht an die Pioniere der Kernspintomographie, den Amerikaner Paul Lauterbur und den Briten Sir Peter Mansfield. Die moderne Medizin verdankt ihnen immer genauere Einblicke ins Körperinnere.

Literatur

Nobelpreis 2003 für J. M. Coetzee

J. M. Coetzee

Spezial Der Literatur-Nobelpreis 2003 geht an den Südafrikaner J. M. Coetzee. Dies gab die Schwedische Akademie bekannt. Coetzee stelle „in zahlreichen Verkleidungen die überrumpelnde Teilhabe des Außenseitertums dar“.

Auszeichnung

Ehemaliger Premierminister bekommt Alternativen Nobelpreis

Die vier Alternativen Nobelpreise gehen dieses Jahr an den früheren neuseeländischen Premier David Lange, zwei philippinische Menschenrechtler, nach Südkorea und Ägypten.

Ig-Nobelpreise

„Wenn etwas schiefgehen kann, wird es das tun“

Bei den Ig-Nobelpreisen des Jahres 2003 wurden Forschungen ausgezeichnet, wie der Beweis von „Murphy's Law“ oder die Erkenntnis, daß die Gehirne Londonder Taxifahrer höher entwickelt sind als die ihrer Mitbürger.

Nobelpreise

Lorbeer, leicht vergoldet

Forscher und Literaten, die einen Nobelpreis zuerkannt bekommen, dürfen sich über kurzen Ruhm freuen. Die Preise sind jedoch hoch dotiert. Was machen die Preisträger eigentlich mit dem vielen Geld?

Stichwort

Die Nobelpreise

Alfred Nobel

Explosiver Preis: Seit 1891 verleiht die Nobelstiftung Preise an Forscher, die „zum Nutzen der Menschheit wirken“. Das Preisgeld stammt aus den Zinsen aus Dynamit-Gewinnen.

Forschung

Die Nobelpreise 2002

Spezial Die Nobelpreise 2002 sind verliehen worden. FAZ.NET faßt für Sie die Bekanntgaben und die Hintergründe zusammen.

Forschung

Die Nobelpreise 2001

Spezial Die Nobelpreise 2001 sind vergeben. Nach dem Testament Alfred Nobels mussten die Preisträger „der Menschheit den größten Nutzen gebracht haben“. FAZ.NET fügt die Preisträger und die Hintergründe für Sie zusammen.