Robotik

Gedanken steuern eine Roboterhand

Von Manfred Lindinger

05. Juli 2006 

Hellsehen, Telepathie und Telekinese sind Fähigkeiten, die wohl eher Zauberer und Scharlatane beherrschen als Durchschnittsmenschen. Da klingt es geradezu phantastisch, daß sich diese Roboterhand berührungslos allein durch die Kraft von Gedanken von jedermann steuern lassen soll. Und in der Tat verrichten die künstlichen Glieder exakt jene Gesten, die ein Proband kurz zuvor mit seiner rechten Hand vollführt hat. Möglich macht das ein funktioneller Magnetresonanz-Tomograph, der die neuronalen Aktivitäten der Testperson aufzeichnet, während sie die Aktionen ausführt. Die Daten werden anschließend von einem Computer analysiert, in entsprechende elektrische Signale übersetzt und an die Roboterhand weitergeleitet, die schließlich die Bewegungen des Probanden nachahmt.

Für Prothesen und Computer

Die Maschine beherrscht bereits einfache Gesten wie das bekannte Victory-Symbol. Auch kann sie ihre künstlichen Glieder zu einer Faust ballen oder zu einer flachen Hand strecken. Zumindest soll das in 85 Prozent der Fälle funktionieren, wie die Forscher um Yukiyasu Kamitani vom Neuroforschungszentrum in Kyoto der Zeitschrift "New Scientist" kürzlich versichert haben. Noch dauert es allerdings sieben Sekunden, bis der Computer die Daten ausgewertet und die Roboterhand in Bewegung versetzt hat - zu lang für praktische Anwendungen. Kamitani, der das System gemeinsam mit Forschern der Firma Honda entwickelt hat, will das berührungslose Verfahren etwa für Prothesen und die Steuerung von Computern optimieren. Dazu benötigt man immer noch Elektroden, die man in das Hirngewebe implantiert oder auf der Kopfhaut fixiert.



Text: mli / F.A.Z., 05.07.2006
Bildmaterial: Honda

 
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