Mathematik im Film

Gitternetze, Codes und Geometrie

06. Mai 2008 Wenn Spider-Man im Film durch die Luft wirbelt oder ein Monster sein Maul aufreißt, dann steckt auch die Arbeit von Mathematikern dahinter. Ein Spezialist für diese Aufgaben ist Konrad Polthier. Der sechsundvierzigjährige Mathematikprofessor an der Freien Universität Berlin beschäftigt sich seit seiner Studienzeit damit, seine Wissenschaft visuell umzusetzen.

Daraus sind bereits mehrere Animationsfilme entstanden. Diese und andere internationale Werke rund um die Mathematik zeigt Polthier auf dem ersten „MathFilm-Festival“, das noch bis diesen Freitag in Berlin im Kino An der Urania läuft und dann auf bundesweite Tour geht.

Durch die Welt der Seifenblasen

„Komplexe Fragestellungen zu lösen hat mir schon in der Schule Spaß gemacht, da hat sich das Mathematik-Studium von selbst ergeben“, erzählt Polthier. Schon früh benutzte er den Computer, um seine Berechnungen zu visualisieren und Modelle zu entwerfen. 1993 promovierte er über die mathematischen Eigenschaften von Seifenhäuten, also der Haut von Seifenblasen. Aus dieser Arbeit entstand sein erster Animationsfilm, „Palast der Seifenhäute“. Mit der Hauptfigur Kalle geht der Zuschauer in ihm auf eine Reise durch die Welt der Seifenblasen.

Seitdem macht der Mathematiker alle paar Jahre einen neuen Film. „Mathematik ist so anschaulich, sie bietet sehr viele bildliche Komponenten, Figuren, Formen“, erklärt Polthier. Beweise finden sich in seinem Arbeitszimmer zuhauf: Da liegen dreidimensionale Modelle aus Dreiecken oder Fünfecken auf den Regalen, außerdem Modelle aus Kugeln und Stäben, wie man sie vom Chemieunterricht her kennt. Allein aus Dreiecken kann ein ganzer Film bestehen, wie Polthier und sein Partner Beau Janzen im preisgekrönten vierzigminütigen Film „Mesh - Eine Reise durch die diskrete Geometrie“ vorführen.

Geometrie der Animation

„Mesh“, englisch für Gitternetz, ist das Gerüst der Welt aller Animationsfilme. Dafür hat Polthier 2006 ein Verfahren entwickelt, „mit dem große Geometrie verkleinert wird“. Das heißt, die riesigen Datenmengen, die bei der Erstellung eines Trickfilmmonsters anfallen, können komprimiert und die Filme damit komplexer werden. Dieses Verfahren wird inzwischen von der Firma Mental Images verwendet, dem Weltmarktführer für Animationssoftware, der beispielsweise am dritten Spider-Man-Film mitwirkte.

Ein Filmfest zur Mathematik wollte Polthier schon länger Organisieren. Jetzt, im Jahr der Mathematik, seien endlich auch die Mittel vorhanden gewesen. Das Programm des MathFilm-Festivals 2008 hat eine internationale Jury zusammengestellt. Sechzehn Kurzfilme und zehn längere Werke sollen den Zuschauern mathematische Fragen und Probleme unterhaltsam näher bringen.

Das MathFilm-Festival 2008 startet in Berlin und wird dann durch verschiedene deutsche Städte touren. Eine Sammlung von Kurzfilmen soll als DVD veröffentlicht werden. Das Programm findet man auf der Homepage des MathFilm-Festivals.



Text: FAZ.NET
Bildmaterial: CINETEXT, Cinetext Bildarchiv

 
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