Von Manfred Lindinger
23. Juli 2008 Der Name Rusi Taleyarkhan dürfte vielen noch in trauriger Erinnerung sein. Bei einigen wird er Kopfschütteln hervorrufen, bei den meisten aber eher Zorn. Denn die Unverfrorenheit des Kernphysikers von der Purdue University in West Lafayette ist wohl nur mit der Skrupellosigkeit des koreanischen Klonforschers Woo-suk Hwang zu vergleichen, der 2005 für den größten Fälschungsskandal aller Zeiten sorgte.
Seit gut sechs Jahren versucht Taleyarkhan, die Fachwelt davon zu überzeugen, dass es ihm in einem Becherglas mit Azetonlösung gelungen sei, was normalerweise nur in gewaltigen Fusionsanlagen möglich ist: die Verschmelzung von Deuterium zu Tritium. Die dafür erforderliche Temperatur von einigen Millionen Grad sei angeblich von der sogenannten Sonolumineszenz hervorgerufen worden, dem hellen Leuchten von kollabierenden Gasbläschen, die sich bilden, wenn man eine Flüssigkeit extrem intensivem Ultraschall aussetzt.
Neue Daten nachgeliefert
Der Traum von der unerschöpflichen und preiswerten Energiequelle schien damals in greifbarer Nähe. Doch kaum waren die ersten Ergebnisse bekanntgeworden, hagelte es Kritik: Mangelnde experimentelle Sorgfalt, voreilige Veröffentlichung und schlampige Begutachtung der Publikation waren die schwersten Vorwürfe. Doch Taleyarkhan hielt unbeirrt an seiner Idee fest, verbesserte den experimentellen Aufbau und lieferte neue Daten. Als es immer noch keiner anderen Forschergruppe gelungen war, die Resultate zu reproduzieren, veröffentlichten vor zwei Jahren plötzlich zwei unbekannte Physiker - Yiban Xu und Adam Butt - Ergebnisse, die die Befunde Taleyarkhans auch von unabhängiger Seite endgültig zu bestätigen schienen.
Und noch vor einem Jahr sah es für Taleyarkhan so aus, als haben er alle Manipulationsvorwürfe ausgestanden. Doch eine Kommission von fünf Universitäten - auf Drängen der amerikanischen Marine ins Leben gerufen - hat nun auch die Veröffentlichung von Xu und Butt als ein Schurkenstück entlarvt. Xu habe in ständigen Kontakt mit Taleyarkhan gestanden und in dessen Labor mit dessen Geräten experimentiert, so das Ergebnis.
Ein mildes Urteil
Butt, hingegen ein unerfahrener Student, sei nur aus formalen Gründen als Mitautor genannt worden. Ein grobes wissenschaftliches Fehlverhalten, so die Meinung der Kommission. Angesichts der Skrupellosigkeit von Tayleyarkhans Vorgehen ein mildes Urteil, zumal man die Ergebnisse der Bläschenfusion nicht angreift und die Herausgabe der Originaldaten nicht fordert. Ob es über eine Rüge hinausgeht, darf bezweifelt werden. So ist zu befürchten, dass der unrühmliche Fall Taleyarkhan den Forschungsbetrieb wohl noch viele Jahre beschäftigen wird. Es sei denn, es findet sich jemand, der diese Fusionsblase endgültig zum Platzen bringt.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Purdue University