Nobelpreis

Der Chemie-Nobelpreis geht nach Frankreich und Amerika

Richard R. Schrock

Richard R. Schrock

05. Oktober 2005 Für neue Wege zur gezielten Produktion von Plastik und Arzneien erhalten ein Franzose und zwei Amerikaner den Chemie-Nobelpreis 2005. Das von Yves Chauvin, Robert Grubbs und Richard Schrock entwickelte Verfahren gehöre zu den wichtigsten der Chemie, erklärte die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften an diesem Mittwoch in Stockholm. Diese so genannte Metathese ist heute aus der Industrie nicht mehr wegzudenken. Der Nobelpreis für Chemie ist mit umgerechnet 1,1 Millionen Euro dotiert.

Der 74jährige Chauvin, Ehrendirektor am französischen Institut für Erdölforschung, reagierte in einem Telefonat mit dem schwedischen Rundfunk zunächst betont reserviert auf die Auszeichnung: „Mir ist dieser Preis ausgesprochen peinlich. Meine Entdeckungen sind schon 40 Jahre alt, und ich bin ein alter Mann.“ Der pensionierte Forscher kündigte an, nicht zur Preisverleihung am 10. Dezember nach Stockholm zu kommen.

Ein Schritt hin zur „Grünen Chemie“

Robert H. Grubbs

Robert H. Grubbs

Schrock hingegen sagte dem Rundfunk von seinem Haus in Briston aus: „Mein Herzschlag ist bei 200, und ich kann kaum sprechen.“ Die Mitteilung erreichte ihn beim Frühstück. „Jetzt muß ich mir erst mal etwas anziehen und mit meiner Frau sprechen. Dann geht wohl die Feierei los.“ Sein Kollege Grubbs hält in dieser Woche Universitätsseminare im neuseeländischen Christchurch. „Ich habe als erstes meine Kinder angerufen. Ist schon cool, so einen Nobelpreis mit den eigenen Kindern zu teilen“, sagte er dem Sender.

Das Nobelkomitee erklärte, Chauvin habe den Grundstein für das chemische Wechselspiel namens Metathese gelegt. Ihr Verfahren läßt sich als ein „Tanz der Moleküle“ beschreiben, in dem die beteiligten Paare ihre Partner untereinander austauschen. Grubbs (63) vom California Institute of Technology und Schrock (60) am Massachusetts Institute of Technology in Cambridge entwickelten Reaktionsbeschleuniger, sogenannte Katalysatoren, mit denen sich solche chemischen Synthesen gezielt in die gewünschte Richtung lenken lassen.

Die drei Forscher schaffen neue Verbindungen aus Kohlenstoff. Daraus setzt sich alles Leben auf der Erde zusammen, aber auch hoch stabiles Plastik oder neue Antibiotika. Dank der Preisträger sei diese Arbeit viel einfacher geworden, benötige weniger Zeit, verursache weniger Abfälle, käme ohne hohen Druck und mit weniger umweltschädlichen Rückständen aus - ein Schritt hin zur „Grünen Chemie“, hieß es in Stockholm. Das Verfahren habe in relativ kurzer Zeit zu einer bemerkenswert großen Vielfalt neuer Stoffe geführt: Dazu zählten Pflanzenschutzmittel, Treibstoffzusätze und Lockstoffe für Insekten.

Text: dpa
Bildmaterial: dpa/dpaweb

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