Science-Center „Dynamikum“

Rollende Häuser und abstürzende Planeten

Von Andreas Brand (Videos) und Marco Dettweiler (Text)

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28. April 2008 Lehrer erzählen ihren Schülern gerne die Geschichte, dass Isaac Newton eines Tages unter einem Baum lag, ihm ein Apfel auf den Kopf fiel und er dabei kurzerhand die Fallgesetze entdeckt hat. Die Geschichte ist eine Legende. Doch sie veranschaulicht, wie anhand einer Alltagssituation ein physikalisches Gesetz gefunden und erklärt werden kann. Dennoch können Lehrer die Schulphysik schmackhafter machen. Wie zum Beispiel Marcus Wagner.

Der ausgebildete Mathematik- und Physiklehrer kennt das Klassenzimmer allerdings nur aus seiner Schulzeit und von Praktika während des Studiums. Sein Unterricht kostet Eintritt und findet in zwei riesigen Etagen einer ehemaligen Schuhfabrik in Pirmasens statt. Auf 4000 Quadratmetern warten in diesem „Science-Center“ 150 Exponate darauf, von den Besuchern angefasst und ausprobiert zu werden: ein drehendes Haus, radelndes Skelett, Murmeln auf Planetenbahnen oder ein Rodeokreisel. Jede Installation veranschaulicht ein physikalisches Gesetz oder Phänomen auf spielerische Weise.

Keine „Konkurrenz“ zur Schule

Als Pädagogischer Leiter des Science-Centers „Dynamikum“ zeigt er am Girls-Day einer Gruppe von Mädchen Dinge, „die in der Schule nicht zu machen sind.“ Allein die Grundlagen der 'schiefen Ebene' aus dem Teilgebiet der Mechanik können Besucher anhand von ein Dutzend Exponaten beobachten. In den meisten Schulen dürfte kaum Geld und Platz vorhanden sei, um für eine Unterrichtseinheit mehrere Experimente aufzubauen. Möglicherweise ist auch der spielerische Umgang mit diesen Themen nicht erwünscht.

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Das „Mitmach-Museum“, was im pfälzischen Dialekt besonders schön klingt, sei keine „Konkurrenz“ zur Schule. Die Jugendlichen sollen „echte Erfahrung“ machen, also die Exponate ausprobieren, um „Grundphänomene der Physik zu verstehen“. Einige der Tricks und Gerätschaften mit großem Staunen-Faktor erinnern an Fernsehbeiträge der Knoff-hoff-Show, Sendung mit der Maus oder an das Rätselraten mit Peter Lustig.

Das Dynamikum ist ein weiteres Science-Center, von denen es in Deutschland etwa ein Dutzend gibt. Dass ausgerechnet in Pirmasens, einer Stadt in einer traditionell wirtschaftlich schwachen Region, 3,5 Millionen Euro allein für die Exponate investiert werden, ist für Koordinator Rolf Schlicher Wagnis und Hoffnung zugleich. Die Stadt wolle damit die touristische Attraktivität der Region weiter steigern, die durch den Pfälzer Wald für Wanderer ihren Reiz bietet. Zugleich besteht aber ein gewisses Risiko, wenn Schlicher vorrechnet, dass das Dynamikum zirka 90.000 Besucher jährlich braucht, um in etwa die 800.000 Euro Betriebskosten pro Jahr zu decken.

Das Konzept „Bewegung“

An Selbstbewusstsein mangelt es den Pfälzer Dynamikern nicht: „Wir können uns mit dem Phaeno in Wolfsburg und dem Universum in Bremen messen.“ Fundament dieser Einschätzung ist ein Testphase mit 1000 Probebesuchern. Fast alle seien begeistert gewesen, sagt Schlicher. Das besondere Konzept „Bewegung“, das alle Exponate miteinander thematisch verbindet und mit dem sich das Dynamikum von anderen Science-Centern unterscheidet, sei aufgegangen.

Von diesem Dienstag an soll richtig Bewegung ins Dynamikum kommen. Forschungsministerin Schavan wird das Museum eröffnen. Danach werden vor allen Dingen Lehrer mit Schulklassen das Science-Center besuchen. Ob sie ihren Schülern die Physik näher bringen können, wird sich zeigen. Jugendlichen, die von der digitalen Welt der Computer fasziniert sind, werden die aus Holz und meist einfacher Mechanik konstruierten Exponate vielleicht zu altbacken erscheinen. Und diejenigen, die sich für die Geräte begeistern können und sich spielerisch mit den Gesetzen der Physik auseinandersetzen, werden im Unterricht feststellen, dass das Pauken von Formeln nun mal auch dazu gehört. Das wird Marcus Wagner nicht ändern können.



Text: FAZ.NET
Bildmaterial: FAZ.NET-Andreas Brand