21. Dezember 2009

Selbsttest

Bin ich ein Mobbing-Opfer?




16. Mai 2005 
Nicht jeder Konflikt am Arbeitsplatz ist gleich Mobbing. Wie aber kann ein Betroffener unterscheiden, ob er „nur" unter normaler Schikane leidet oder ob er systematisch gemobbt wird? Ein Selbsttest anhand der typischen „Mobbinghandlungen" gibt Aufschluß.

Der schwedische Psychologe Heinz Leymann war der erste, der den täglichen Terror am Arbeitsplatz in den 80er Jahren zum Forschungsgegenstand machte und systematisch untersuchte. Er bemühte sich auch als erster um eine Definition: Danach ist Mobbing eine Summe von „negativen kommunikativen Handlungen, die gegen eine Person gerichtet sind und die sehr oft und über einen längeren Zeitraum vorkommen". Und er führt noch weitere Kriterien an: Die angegriffene Person muß unterlegen sein, die Quälerei „systematisch" und „mit dem Ziel oder dem Effekt des Ausstoßens aus dem Arbeitsverhältnis" erfolgen. Und: Der Betroffene muß sich diskriminiert fühlen.

Frauen, Berufseinsteiger und ältere Arbeitnehmer sind besonders betroffen.

Experten betonen immer wieder: Ein typisches Mobbing-Opfer gibt es nicht - auch wenn sich viele Gequälte im nachhinein fragen, warum es gerade sie ereilt hat. „Es gibt sehr viele Fälle, die mit der Charakteristik der Betroffenen nichts zu tun haben", warnt auch der Psychologe und Mobbingforscher Dieter Zapf vor vorschnellen Schlüssen. Dennoch verweist er auf zwei „Grundtypen", die besonders gefährdet sind: Einmal Personen, die über wenig soziale Kompetenz verfügen und sich von sich aus wenig darum bemühen, in eine Gruppe aufgenommen zu werden. „Wer nie mit den anderen Mittagessen geht, und sich nicht an normalen Bürogesprächen beteiligt, der macht sich leicht angreifbar", so Zapf. Der zweite Typus ist sehr leistungsorientiert, dabei etwas rigide, hat bestimmte Vorstellungen, wie die Arbeitsprozesse abzulaufen haben, und bringt dadurch die Gruppe gegen sich auf. Doch die Entstehungskontexte von Mobbing sind zu komplex, um die Ursachen auf bestimmte Merkmale der Opfer zu reduzieren. Allerdings gibt es bestimmte „Risikogruppen": Frauen sind häufiger betroffen als Männer, Berufseinsteiger und ältere Arbeitnehmer besonders gefährdet. Letztere, weil sie nicht mehr als so leistungsstark gelten und auch selten von sich aus kündigen. Erstere, weil sie über wenig Berufserfahrung und Selbstbewußtsein verfügen und im Haus keine Lobby haben. Und einen weiteren Hinweis gibt die Statistik her: Je sicherer der Arbeitsplatz, desto größer die Gefahr, zur Zielscheibe von Aggressionen zu werden - als gezielte Methode, Personal zu reduzieren.

Mobbing ist variantenreich. Manche Formen wiederholen sich dennoch immer wieder. Der Psychologe Heinz Leymann hat nach Befragung von 300 Betroffenen eine Systematik des gezielten Psychoterrors aufgestellt.

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Text: Hochschulanzeiger Nr. 78, 2005
Bildmaterial: C. Fellehner, Labor