Tibet

China gesteht Tötung von „Aufständischen“

30. April 2008 Die von China in Aussicht gestellte Einladung an den Dalai Lama zu Gesprächen über die Lage in Tibet lässt auf sich warten. Bislang sei China mit einem solchen Ansinnen nicht an den Dalai Lama herangetreten, sagte der Vertreter des geistlichen Oberhauptes der Tibeter in Frankreich, Jampal Chosang.

Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy habe eine Vermittlung angeboten, sagte Chosang. Paris sei möglicherweise geeignet als Verhandlungsort. Der Vertreter des Dalai Lama hatte zuvor den Außenausschuss des französisches Parlaments über die Lage in Tibet informiert.

Schießerei bei Festnahme

Peking hat unterdessen erstmals seit Beginn der Unruhen in Tibet eingestanden, dass Sicherheitskräfte dort einen „Aufständischen“ getötet haben. Einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua zufolge wurde am Montag in der von vielen Tibetern bewohnten Provinz Qinghai ein „Aufständischer“ von der Polizei erschossen. Laut Xinhua soll der Getötete der Anführer einer Gruppe gewesen sein, die sich für die Unabhängigkeit Tibets von China einsetzte.

Nach vier Wochen langen Ermittlungen wollten die Polizisten dem Bericht zufolge den Führer der Gruppe am Montag festnehmen. Bei dem Einsatz kam es demnach zu der Schießerei, bei der auch ein Polizist getötet wurde. Bisher hatte China immer darauf bestanden, dass die Streitkräfte bei ihren Einsätzen in Tibet und umliegenden Provinzen niemanden getötet hätten.

Offiziellen Angaben zufolge kamen bei den Anfang März begonnenen Unruhen 20 Menschen ums Leben. Dafür seien aber tibetische „Aufständische“ verantwortlich gewesen, lautet die offizielle Darstellung aus Peking. Nach Angaben der tibetischen Exil-Regierung wurden bei der Niederschlagung der Unruhen durch die chinesische Armee und Sicherheitskräfte mehr als 200 Menschen getötet.

Unterdessen wurden in Nepals Hauptstadt Kathmandu abermals 70 Tibeter festgenommen. Die Demonstranten hatten wie jeden Tag seit Beginn der Unruhen in Tibet vor der chinesischen Botschaft protestiert.

Olympische Fackel in Hongkong

Hundert Tage vor Beginn der Olympischen Sommerspiele in Peking hat die olympische Fackel in Hongkong chinesischen Boden erreicht. .Die Fackel traf am Mittwochnachmittag (Ortszeit) aus dem vietnamesischen Hanoi in der chinesischen Sonderverwaltungsregion Hongkong ein.

Da in dem Jahrzehnte von Großbritannien verwalteten Gebiet liberalere Gesetze als im restlichen China gelten, werden bei dem Fackellauf am Freitag Demonstrationen gegen die chinesische Tibet-Politik erwartet.

Hongkong ging 1997 an China, genießt aber bis 2047 Sonderrechte. Der weltweite olympische Fackellauf wurde von massiven Protesten begleitet. Die China-Route der Fackel führt auch durch Tibet. In Peking wurde der 100-Tage-Countdown bis zur Eröffnung der Spiele mit einem Volkslauf gefeiert, an dem mehrere tausend Menschen teilnahmen. Die Olympischen Spiele in Peking beginnen am 8. August.



Text: FAZ.NET mit AFP
Bildmaterial: AFP, dpa

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